„Die Liebe des Fleisches ist nichts als der Wille des Dings an sich,
in die Zeitlichkeit einzudringen. Wie könnt ihr so vermessen sein, das
Ding an sich zu zwingen? Ihr unterscheidet nicht das Ding an sich von
den anderen Dingen. Vom philosophischen Standpunkt aus muss ich eure
Handlungen verdammen.“ So sprach der Friseur angesichts der Saturnalien
auf den Tomassevicfeldern.
Da er mit seinen zur Feier des Tags durchaus nicht passenden Tiraden
nicht aufhören wollte, warf man ihm eine Schlinge um den Hals und
hing ihn an das Schild seines Barbierladens. Hier baumelte er unter
einem Messingbecken. Ein Spassvogel, der ihn so sah, nahm eine
Pappdeckeltafel von der Hauswand und befestigte sie an den Beinen des
Zeit- und Raumforschers, wo nun zu lesen stand: „Zu vermieten!“
Lampenbogen lebte gut bis zum letzten Tage, während seine Patienten auf
halbe oder gar viertel Diät gesetzt waren. Traummenschen nehmen das
übel, und es entstand eine kleine Barackenrevolution, wacker von dem
Wärter unterstützt, der lieber frei und bei den grossen Ereignissen
draussen gewesen wäre, als dass er hier seinen unangenehmen Dienst
versorgte. Der Eisschrank barg noch drei gebratene Hühner, ein Paket
Schokolade und einen Laib Käse. Von diesen Privatvorräten verlangten
die Kranken einen Anteil, obwohl der Zustand dieser Speisen keineswegs
verlockend war. Lampenbogen wollte nichts herausgeben. Dann müsse er
sterben -- hiess es. -- Das wollte er auch nicht. -- Die wütenden
Patienten verständigten sich rasch untereinander und fielen eines
Tages über ihren Arzt her. Die Schwerkranken sahen vom Bett aus zu,
wie der Wärter ihn mit den andern überwältigte. Eine arme Frau mit
zerschmettertem Kiefer träufelte sorgfältig Chloroform auf den in
seinem Fett Stöhnenden. Kranke sind selten mitleidig, dazu haben sie
selbst zu viel gelitten. Als der Dicke betäubt war, stärkte man sich
an den Köstlichkeiten im erbrochenen Eisschrank. Lampenbogen wurde
mit Hilfe eines Gasrohres gepfählt. Den Geschwächten verursachte
dieses Werk langwierige Arbeit. Der Wärter legte Feuer an, um die
Spuren der Untat zu verwischen. So endete Lampenbogen seine Existenz
als Spiessbraten, und zwar als ein schlechter; der obere Teil war
grösstenteils roh, kaum gebräunt, die Bauchteile dagegen gänzlich
verkohlt. Nur an den Seiten war er richtig knusperig.
[Illustration]