Man war vor dem Archiv versammelt. Da öffneten sich beide Flügel des
Haupttores und heraus trat Seine Exzellenz, gefolgt von einer kleinen
Suite. Der hohe Herr war in goldstrotzender Gala mit allen Orden und
trug einen federbesetzten Sturmhut. Von weitem bot er den Anblick eines
Paradiesvogels. Diese prachtvolle Uniform sah man eine kleine, rasch
errichtete Kanzel besteigen. Ringsum verstummte das Traumvolk.
„Meine Herren, es wird Ihnen vielleicht aufgefallen sein, dass wir
in ungewöhnlichen Zeiten leben. Das muss ein Ende haben und Ordnung
wird wieder einkehren. An höchster Stelle wünscht man, die Untertanen
glücklich zu sehen. Unser allerhöchster Herr hat sich entschlossen,
eine Amnestie auf alle Verbrechen und Vergehen zu erlassen. Ich habe
den Befehl erteilt, unser Staatsgefängnis, die Wasserburg, heute noch
öffnen zu lassen!“ --
„Schon längst geschehen,“ wurde jetzt höhnisch gerufen, „wir haben sie
selber befreit!“ brüllte der Pöbel lachend.
Das Gefängnis befand sich etwa eine kleine Tagereise stromabwärts auf
einem Felsenriffe mitten im Negro, unweit des Städtchens Bellamonte.
Nicht ein Wort von der Rede wurde in dem Lärm mehr verstanden --
der hohe Redner machte in einem fort den Mund auf und zu. Endlich
überzeugte er sich von der Fruchtlosigkeit seiner Beruhigungsversuche,
machte eine kleine Verbeugung und wollte die Kanzel wieder verlassen;
als er sich umwandte, vernahm er ein schallendes Spottgelächter;
Seiner Exzellenz Hose mit den goldenen Streifen hatte den Boden
verloren. „Seltsam, -- wie das Volk sich freut“, dachte er.
Eine plötzliche Detonation erscholl -- Staub -- Dampf. -- Viele Leute
wurden ohnmächtig oder zerquetscht. -- Eine Bombe war geschleudert
worden -- woher, wusste niemand.
Tote und Schwerverwundete mussten auf Bahren fortgeschafft werden;
schaudernd sahen die Träumer auf die blutigen Lasten, die in langen
Reihen an ihnen vorbeigetragen wurden.
Seiner Exzellenz waren beide Füsse abgerissen worden, ein Stahlsplitter
im Leib hatte ihren Tod verursacht.