XI.

Der Amerikaner trat überall als Herr der Stadt auf -- und doch wäre

es auch ihm fast übel gegangen. Er erschien mit seinen Trabanten

vor der Bank; jetzt sollten sie entlohnt werden, die Getreuen, so

hatte er es versprochen. Alles wunderte sich, dass das massive Tor

des grossen, jetzt allerdings etwas ruinenhaften Gebäudes weit

offen stand. Bei näherer Untersuchung fanden sich im Haupttresor 83

Kreuzer, Depots waren überhaupt nicht vorhanden. Jaques, de Nemi und

die anderen Rottenführer schauten zweifelnd auf den Amerikaner.

„Hab’ ich mir’s doch gedacht!“ rief dieser erbost. „Vorwärts zu

Blumenstich!“ Den Bankier Blumenstich traf man in seinem Gartensalon

mitten unter verfaulten Blumen. Er empfing die Herren ruhig mit einem

zwetschenblauen Gesicht -- er war tot. -- Er hatte sich vor einem

ihn verfolgenden Hornissenschwarm hierher geflüchtet; während er aus

Leibeskräften schrie, wurde er von einem der Insekten in die Zunge

gestochen, woran er erstickt war. -- Wieder schaute alles auf den

Amerikaner, der sagte dieses Mal nur: „Verdammt!“ -- „Du hast uns Geld

versprochen, gib uns von deinem Golde!“ schrien ihn die Erbitterten

an. „Sucht es euch selber unter den Trümmern des Hotels!“ rief der

Amerikaner grollend und enttäuscht.

[Illustration]

Jaques wechselte mit den andern tückische Blicke, dann trat er, ein

Messer verbergend, auf Bell zu, der jede Bewegung scharf beobachtete

und mit einem Hieb seines Totschlägers den Meuchler niederstreckte.

Kaltblütig stellte sich Herkules Bell gegen die Wand des

Gartengebäudes. In jeder Hand hielt er eine Browningpistole und frug

mit schallender Stimme: „Welche von euch wollen die ersten sechzehn

sein?“

Die Bande hatte es sich leichter gedacht, sie duckte sich und drängte

zurück, wurde aber von den rückwärts Brüllenden wieder nach vorne

geschoben. Scharf, hell und rasch hintereinander knallten die Schüsse;

um den Amerikaner war ein Wall von Leichen, weit mehr als sechzehn,

denn die Projektile drangen durch mehrere Körper zugleich. Barhäuptig

stand er im Frack, breit und aufrecht, die kurze Pfeife zwischen

den Zähnen. Seine wuchtig in zwei Höckern sich wölbende Stirn gab

dem Gesicht etwas Teuflisches, sein starrer Blick wirkte herrisch

bändigend auf die Entfesselten. Keiner wagte, ihn anzugreifen oder

zu schiessen. Aber immer noch wurde von hinten geschoben. Dem Drucke

nachgebend, stürzten die vorderen Reihen über die Erschossenen. Der

Menschenknäuel raubte Bell die Freiheit seiner Bewegung. In Brusthöhe,

zwei Spannen von seinem Gesicht sah er diese blassen Larven, Parodien

auf das Menschenantlitz. Seine Lungen arbeiteten gewaltig, sein

Atem keuchte wie eine Dampfmaschine. „Nieder, nieder mit ihm!“ --

drangen unheilverkündende Rufe an seine Ohren, -- da war ihm ein

unvorhergesehener Zufall günstig. Derbe Flüche näherten sich und wurden

immer lauter.

„Wer ist es?“ wurde gerufen. „Wer?“

„Gotthelf Flattich, der starke Gotthelf! -- Achtung! Obacht!“

Eine kolossale, halbnackte Gestalt bahnte sich einen Weg durch das

Gedränge. Die Leute machten murrend Platz für den sich durchdrückenden

Neger, der sie um gut anderthalb Kopf überragte. Er war durch das

Geschrei angelockt worden und hatte mit einem Blick die Gefahr erfasst,

in welcher der Amerikaner schwebte.

„Rührt ihn nicht an!“ brüllte er weithin schallend und schwang drohend

mit seinen Riesenarmen eine eiserne Brechstange. Zornig rollten die

Augäpfel in seinem schwarzen Gesicht. Die Zunächststehenden riss er zu

Boden und rettete so seinem ehemaligen Wohltäter das Leben.

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