Der Amerikaner trat überall als Herr der Stadt auf -- und doch wäre
es auch ihm fast übel gegangen. Er erschien mit seinen Trabanten
vor der Bank; jetzt sollten sie entlohnt werden, die Getreuen, so
hatte er es versprochen. Alles wunderte sich, dass das massive Tor
des grossen, jetzt allerdings etwas ruinenhaften Gebäudes weit
offen stand. Bei näherer Untersuchung fanden sich im Haupttresor 83
Kreuzer, Depots waren überhaupt nicht vorhanden. Jaques, de Nemi und
die anderen Rottenführer schauten zweifelnd auf den Amerikaner.
„Hab’ ich mir’s doch gedacht!“ rief dieser erbost. „Vorwärts zu
Blumenstich!“ Den Bankier Blumenstich traf man in seinem Gartensalon
mitten unter verfaulten Blumen. Er empfing die Herren ruhig mit einem
zwetschenblauen Gesicht -- er war tot. -- Er hatte sich vor einem
ihn verfolgenden Hornissenschwarm hierher geflüchtet; während er aus
Leibeskräften schrie, wurde er von einem der Insekten in die Zunge
gestochen, woran er erstickt war. -- Wieder schaute alles auf den
Amerikaner, der sagte dieses Mal nur: „Verdammt!“ -- „Du hast uns Geld
versprochen, gib uns von deinem Golde!“ schrien ihn die Erbitterten
an. „Sucht es euch selber unter den Trümmern des Hotels!“ rief der
Amerikaner grollend und enttäuscht.
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Jaques wechselte mit den andern tückische Blicke, dann trat er, ein
Messer verbergend, auf Bell zu, der jede Bewegung scharf beobachtete
und mit einem Hieb seines Totschlägers den Meuchler niederstreckte.
Kaltblütig stellte sich Herkules Bell gegen die Wand des
Gartengebäudes. In jeder Hand hielt er eine Browningpistole und frug
mit schallender Stimme: „Welche von euch wollen die ersten sechzehn
sein?“
Die Bande hatte es sich leichter gedacht, sie duckte sich und drängte
zurück, wurde aber von den rückwärts Brüllenden wieder nach vorne
geschoben. Scharf, hell und rasch hintereinander knallten die Schüsse;
um den Amerikaner war ein Wall von Leichen, weit mehr als sechzehn,
denn die Projektile drangen durch mehrere Körper zugleich. Barhäuptig
stand er im Frack, breit und aufrecht, die kurze Pfeife zwischen
den Zähnen. Seine wuchtig in zwei Höckern sich wölbende Stirn gab
dem Gesicht etwas Teuflisches, sein starrer Blick wirkte herrisch
bändigend auf die Entfesselten. Keiner wagte, ihn anzugreifen oder
zu schiessen. Aber immer noch wurde von hinten geschoben. Dem Drucke
nachgebend, stürzten die vorderen Reihen über die Erschossenen. Der
Menschenknäuel raubte Bell die Freiheit seiner Bewegung. In Brusthöhe,
zwei Spannen von seinem Gesicht sah er diese blassen Larven, Parodien
auf das Menschenantlitz. Seine Lungen arbeiteten gewaltig, sein
Atem keuchte wie eine Dampfmaschine. „Nieder, nieder mit ihm!“ --
drangen unheilverkündende Rufe an seine Ohren, -- da war ihm ein
unvorhergesehener Zufall günstig. Derbe Flüche näherten sich und wurden
immer lauter.
„Wer ist es?“ wurde gerufen. „Wer?“
„Gotthelf Flattich, der starke Gotthelf! -- Achtung! Obacht!“
Eine kolossale, halbnackte Gestalt bahnte sich einen Weg durch das
Gedränge. Die Leute machten murrend Platz für den sich durchdrückenden
Neger, der sie um gut anderthalb Kopf überragte. Er war durch das
Geschrei angelockt worden und hatte mit einem Blick die Gefahr erfasst,
in welcher der Amerikaner schwebte.
„Rührt ihn nicht an!“ brüllte er weithin schallend und schwang drohend
mit seinen Riesenarmen eine eiserne Brechstange. Zornig rollten die
Augäpfel in seinem schwarzen Gesicht. Die Zunächststehenden riss er zu
Boden und rettete so seinem ehemaligen Wohltäter das Leben.
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