IX.

In der Stadt wurden Extrablätter verteilt, die von einem neuen Unglück

berichteten: der grosse Tempel war in dem See verschwunden, Mönche

hatten die Botschaft gebracht. Man vermutete, dass die Grundfesten

längst unterwaschen waren und der weiche Sandboden nun nachgegeben

hatte. Einige Priester waren beim Singen ihrer Hymnen ertrunken. Sie

müssen vom Tode völlig überrascht worden sein, denn ihre Posaunen

ertönten noch, als der Bau schon zur Hälfte im Wasser lag. Es war alles

sehr schnell vor sich gegangen, die schweren Marmorwände versanken,

ohne einzustürzen. Die mit dem Leben davongekommenen heiligen Brüder

waren erst durch das Gurgeln des die bunten Scheiben eindrückenden

Wassers auf die Gefahr aufmerksam geworden. Infolge ihres Fettes

leicht, konnten sie sich durch Schwimmen retten. Das noch immer

brennende Licht erleuchtete tief unter Wasser die Tempelfenster, so

dass sie glühten, wie Augen von sagenhaften Seeungeheuern. Langsam

erlosch dann eines nach dem andern; nur noch die silbernen und

goldenen Kuppeln schimmerten und strahlten, bis endlich auch sie von

den eindringenden Wogen verschlungen wurden. Die Leiche des ehrwürdigen

Oberpriesters spülten die Wellen ans Land, alles übrige fand im

Traumsee sein Grab.

Allgemein betrauerte man die märchenhaften Schätze, die hier

untergegangen waren, -- und ich besonders, da ich nie Gelegenheit

gehabt hatte, diese Pracht mit eigenen Augen zu sehen.

Die grossen Tiere waren nun alle verschwunden. Das brachte einen

Nachteil mit sich, den man nicht berechnet hatte. Womit sollte

man jetzt seinen Hunger stillen?! Die Herden und Insektenschwärme

hatten Felder und Gärten verwüstet. Alle Vorräte wurden schlecht,

Eier, gesalzenes und geräuchertes Fleisch verdarben; es stand eine

Hungersnot bevor. Da rückten zwei norddeutsche Schwestern mit einem

praktischen Vorschlag heraus. Eine von ihnen hatte Chemie studiert und

scharfsinnige Versuche angestellt, die ihrer Ansicht nach gelungen

waren. Das Paar wollte die vom Negro in Haufen an das Ufer geworfenen

Fischleichen durch eine geheime Prozedur entgiften und in essbare

Speisen verwandeln. Trotz ihres guten Willens ernteten die zwei

Fräuleins schwarzen Undank: sie wurden vom empörten Pöbel gelyncht. --

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