In der Stadt wurden Extrablätter verteilt, die von einem neuen Unglück
berichteten: der grosse Tempel war in dem See verschwunden, Mönche
hatten die Botschaft gebracht. Man vermutete, dass die Grundfesten
längst unterwaschen waren und der weiche Sandboden nun nachgegeben
hatte. Einige Priester waren beim Singen ihrer Hymnen ertrunken. Sie
müssen vom Tode völlig überrascht worden sein, denn ihre Posaunen
ertönten noch, als der Bau schon zur Hälfte im Wasser lag. Es war alles
sehr schnell vor sich gegangen, die schweren Marmorwände versanken,
ohne einzustürzen. Die mit dem Leben davongekommenen heiligen Brüder
waren erst durch das Gurgeln des die bunten Scheiben eindrückenden
Wassers auf die Gefahr aufmerksam geworden. Infolge ihres Fettes
leicht, konnten sie sich durch Schwimmen retten. Das noch immer
brennende Licht erleuchtete tief unter Wasser die Tempelfenster, so
dass sie glühten, wie Augen von sagenhaften Seeungeheuern. Langsam
erlosch dann eines nach dem andern; nur noch die silbernen und
goldenen Kuppeln schimmerten und strahlten, bis endlich auch sie von
den eindringenden Wogen verschlungen wurden. Die Leiche des ehrwürdigen
Oberpriesters spülten die Wellen ans Land, alles übrige fand im
Traumsee sein Grab.
Allgemein betrauerte man die märchenhaften Schätze, die hier
untergegangen waren, -- und ich besonders, da ich nie Gelegenheit
gehabt hatte, diese Pracht mit eigenen Augen zu sehen.
Die grossen Tiere waren nun alle verschwunden. Das brachte einen
Nachteil mit sich, den man nicht berechnet hatte. Womit sollte
man jetzt seinen Hunger stillen?! Die Herden und Insektenschwärme
hatten Felder und Gärten verwüstet. Alle Vorräte wurden schlecht,
Eier, gesalzenes und geräuchertes Fleisch verdarben; es stand eine
Hungersnot bevor. Da rückten zwei norddeutsche Schwestern mit einem
praktischen Vorschlag heraus. Eine von ihnen hatte Chemie studiert und
scharfsinnige Versuche angestellt, die ihrer Ansicht nach gelungen
waren. Das Paar wollte die vom Negro in Haufen an das Ufer geworfenen
Fischleichen durch eine geheime Prozedur entgiften und in essbare
Speisen verwandeln. Trotz ihres guten Willens ernteten die zwei
Fräuleins schwarzen Undank: sie wurden vom empörten Pöbel gelyncht. --