II.

So waren wir nun richtige Traumstädter geworden. Ich musste meinen

früher ausgesprochenen Verdacht, hier sei alles wie daheim, jeden

Tag unzählige Male zurücknehmen, wenigstens in den ersten Monaten.

Später vergass ich meine Heimat gänzlich. Man gewöhnte sich im

Traumland derart an das Unwahrscheinlichste, dass einem nichts mehr

auffiel.

[Illustration]

Obwohl ich es wirklich nicht vorhatte, kam ich doch bald zu einem

Beruf. Ich wurde einfach überrumpelt. -- Es kam nämlich schon am

dritten Tage ein äusserst flinker, kleiner Herr zu mir:

„Ich bin der Verleger und Redakteur des Traumspiegels, des

bestbekannten illustrierten Blattes, eigene Druckerei!“ sprudelte er

hervor. „Es ist gut, dass Sie da sind, auf einen Mann wie Sie warten

wir schon lange. Castringius, unsere erste Kraft, hat sich leider etwas

ausgegeben, und jetzt decken wir unsern Bedarf an Bildern, indem wir

alle alten Holzstichplatten in Perle zusammenkaufen und abdrucken.

Ach, sehen Sie, unsere letzte Nummer.“ Er zog ein Blatt hervor:

„Kochem an der Mosel, Minister Graf Beust im Kreise der Seinigen,

Indianer im Kriegsschmuck, -- ist das schön? ist das traumhaft? ist das

interessant?“ rief er aufgebracht, und fuchtelte mit der Zeitschrift

herum. „Nein, mein Lieber!“ Einen Moment dachte er nach und wischte

sich den Schweiss von der Stirn. Plötzlich brachte er einen säuberlich

geschriebenen Kontrakt hervor. Ich brauchte nur zu unterzeichnen:

Vierhundert Gulden im Monat, das ganze Jahr hindurch, ob ich viel oder

gar nichts lieferte. Das war denn doch zu komisch, eine derartige

Abmachung war mir noch nie zu Gesicht gekommen. Natürlich kratzte ich

sofort meinen Namen hin; man entschloss sich im Traumreich sehr leicht

zu so etwas, niemand überlegte lange. Unsicher waren alle Geschäfte.

Ich hatte aber jetzt meine feste Anstellung, war Zeichner bei einer

angesehenen Zeitschrift und stellte mit einem Worte +etwas vor+. --

Und darauf kam es in diesem Land an: +Etwas vorzustellen+, irgend was,

meinetwegen einen Tagedieb oder Strolch.

Mein Redakteur schraubte fidel seinen Stock auseinander. Er war hohl,

der Griff ein Gläschen, aus der Röhre schenkte er mir einen guten

Schnaps ein: „Zur Bekräftigung!“ wie er vielsagend meinte.

„Und bringen Sie mir möglichst Grelles und Schauriges! ich will nämlich

das Blatt heben“, sprach er zukunftsfroh. Dann nahm er tiefbefriedigt

den Kontrakt, empfahl sich, und tänzelte in seinem schwarz-weiss

karierten Anzug hinaus.

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