I.

Das erste, was uns auffiel, die Kleidung der Traummenschen, -- zum

Lachen! -- war gänzlich veraltet. Bei den sogenannten „feinen Leuten“

bemerkte man das ganz besonders.

„Diese Menschen tragen die Kleider ihrer Eltern und Grosseltern

auf“, sagte ich belustigt zu meiner Frau. Ganz unmoderne geschweifte

Zylinder, farbige Leibröcke, Kragenmäntel -- so waren die Herren

angezogen. In Krinolinen und seltsam altmodischen Frisuren, mit

Häubchen und Umschlagtüchern, stolzierten die Damen einher. Wie ein

Maskenscherz wirkte das!

Doch auch wir erregten Aufsehen und waren daher schon nach einigen

Tagen gezwungen, uns anzupassen. Meine Frau bequemte sich zu einer

kleinen Halbkrinoline, ich trug mit Anstand einen Taillenrock, eine

weit ausgeschnittene geblümte Weste und Vatermörder à la 1860. Zu

weiteren Konzessionen konnte ich mich nicht entschliessen. Spitze, enge

Stiefel, die mir aufgedrängt werden sollten, wies ich entrüstet zurück.

Man gewöhnte sich rascher, als man glaubte, an diese Veränderung

des Äussern. Schon nach kurzer Zeit sah ich mit Verwunderung die

Neuankommenden in ihren fremdartigen Trachten.

An jenem ersten Tag war es meine ganze Sorge, baldmöglichst eine

geeignete Wohnung zu finden. Dem Wunsche meiner Frau, tunlichst weit

weg von dem unheimlichen Palaste zu sein, gab ich nach, und wir suchten

mehr an der Peripherie der Stadt. In einer der hübschen Gartenvillen

unterzukommen, daran war nicht zu denken. So irrten wir nun schon

zum dritten Male die Lange Gasse hinauf und hinunter. Da zog ein

mittelgrosses, zweistöckiges Erkerhaus meine Aufmerksamkeit auf sich.

Wie aus Kindertagen bekannt kam es mir auf einmal vor. „Hier ist’s ja,

was wir suchen“, rief ich darauf hindeutend. „Im zweiten Stock kommen

wir unter!“ Meine Gefährtin war recht verwundert über meine Sicherheit.

„Woher willst du denn das so bestimmt wissen?“ fragte sie mich, ein

wenig spöttisch lächelnd. Dafür hatte ich allerdings keinen Grund, es

erschien mir einfach selbstverständlich. Und gottlob! Ich hatte recht,

es war wirklich eine Wohnung mit drei Zimmern und Küche zu haben. Ein

Friseur -- zugleich Hausverwalter -- der unten seinen Laden hatte,

führte uns hinauf. Die Räume sahen behaglich und einladend aus, die

Einrichtung war hübsch, der Preis mässig. Wir zogen schon nachmittags

ein.

Das Haus gehörte einem gewissen Dr. med. Lampenbogen.

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