Das erste, was uns auffiel, die Kleidung der Traummenschen, -- zum
Lachen! -- war gänzlich veraltet. Bei den sogenannten „feinen Leuten“
bemerkte man das ganz besonders.
„Diese Menschen tragen die Kleider ihrer Eltern und Grosseltern
auf“, sagte ich belustigt zu meiner Frau. Ganz unmoderne geschweifte
Zylinder, farbige Leibröcke, Kragenmäntel -- so waren die Herren
angezogen. In Krinolinen und seltsam altmodischen Frisuren, mit
Häubchen und Umschlagtüchern, stolzierten die Damen einher. Wie ein
Maskenscherz wirkte das!
Doch auch wir erregten Aufsehen und waren daher schon nach einigen
Tagen gezwungen, uns anzupassen. Meine Frau bequemte sich zu einer
kleinen Halbkrinoline, ich trug mit Anstand einen Taillenrock, eine
weit ausgeschnittene geblümte Weste und Vatermörder à la 1860. Zu
weiteren Konzessionen konnte ich mich nicht entschliessen. Spitze, enge
Stiefel, die mir aufgedrängt werden sollten, wies ich entrüstet zurück.
Man gewöhnte sich rascher, als man glaubte, an diese Veränderung
des Äussern. Schon nach kurzer Zeit sah ich mit Verwunderung die
Neuankommenden in ihren fremdartigen Trachten.
An jenem ersten Tag war es meine ganze Sorge, baldmöglichst eine
geeignete Wohnung zu finden. Dem Wunsche meiner Frau, tunlichst weit
weg von dem unheimlichen Palaste zu sein, gab ich nach, und wir suchten
mehr an der Peripherie der Stadt. In einer der hübschen Gartenvillen
unterzukommen, daran war nicht zu denken. So irrten wir nun schon
zum dritten Male die Lange Gasse hinauf und hinunter. Da zog ein
mittelgrosses, zweistöckiges Erkerhaus meine Aufmerksamkeit auf sich.
Wie aus Kindertagen bekannt kam es mir auf einmal vor. „Hier ist’s ja,
was wir suchen“, rief ich darauf hindeutend. „Im zweiten Stock kommen
wir unter!“ Meine Gefährtin war recht verwundert über meine Sicherheit.
„Woher willst du denn das so bestimmt wissen?“ fragte sie mich, ein
wenig spöttisch lächelnd. Dafür hatte ich allerdings keinen Grund, es
erschien mir einfach selbstverständlich. Und gottlob! Ich hatte recht,
es war wirklich eine Wohnung mit drei Zimmern und Küche zu haben. Ein
Friseur -- zugleich Hausverwalter -- der unten seinen Laden hatte,
führte uns hinauf. Die Räume sahen behaglich und einladend aus, die
Einrichtung war hübsch, der Preis mässig. Wir zogen schon nachmittags
ein.
Das Haus gehörte einem gewissen Dr. med. Lampenbogen.