V.

Hört man von einer Sache erzählen, welche wunderbar ist und vom

Alltäglichen weit abliegt, so bleibt immer ein ungelöster Zweifel in

uns. Und das ist recht gut. Wäre man doch sonst ein Belustigungsobjekt

für jeden guten Erzähler oder den nächstbesten Betrüger. So aber wirkt

eine Tatsache weit stärker als eine Mitteilung. Das war hier der Fall.

Gautsch hatte ja gewissermassen schon mein Vertrauen. Aber als ich

diese grosse Summe -- für mich ein schönes Vermögen -- sah und in der

Hand hielt, war mir doch seltsam zumute. Ein Zittern durchlief mich,

und mit Tränen in den Augen sagte ich:

„Verehrter Herr, entschuldigen Sie, aber es kommt mir schwer an, die

richtigen Worte für meinen Dank zu finden. Nicht für dieses viele Geld

da! -- Ach, nein! -- Aber sehen Sie, wenn man das Märchen sein ganzes

Leben lang erstrebt und es kommt dann plötzlich zu einem, so ist dieser

Augenblick gross und schön. Das habe ich heute durch Ihre Güte erlebt,

haben Sie Dank dafür!“

So oder ähnlich drückte ich mich damals in hoher Erregung aus.

Gautsch -- wie mir schien ebenfalls sehr ernst geworden -- entgegnete

zartfühlend:

„Mein Herr, ich tue nur meine Pflicht. Wenn ich Ihnen damit Freude

mache, dann ist es mir sehr angenehm. Dank schulden Sie mir darum

nicht, es ist ein Höherer, für den ich handle. Ich kann Ihnen nur noch

raten, über die Dinge, welche Sie heute erfahren haben, +zu schweigen.

Sprechen Sie mit niemand darüber+, Ihre Frau selbstverständlich

ausgenommen. Ich kann allerdings nicht wissen, was die Folge einer

Verletzung der bei uns eingeführten Regel sein würde. Aber Pateras

Macht ist gross, und er will, dass das Traumreich ein Geheimnis bleibe.“

„Da war es aber vielleicht recht unvorsichtig von Ihnen, mir so viel

von der Sache zu erzählen? Sie konnten doch unmöglich wissen, wie ich

mich dazu stellen würde“, bemerkte ich überschlau.

„Ganz so war es doch nicht, mein Herr, +ich wusste, dass Sie kommen

würden+!“

Damit drückte er mir die Hand, und wandte sich zur Tür:

„Es ist schon spät geworden. Ich komme morgen wieder um diese Zeit, um

Ihnen alle Angaben bezüglich der Reise zu machen. Also reden Sie mit

Ihrer Gattin und empfehlen Sie mich ihr. Gute Nacht!“

Er war gegangen.

Die zehn Minuten, bis meine Frau von ihren Besorgungen heimkam,

erschienen mir endlos. -- Ich musste mich aussprechen -- über das

Unerhörte reden können -- brauchte einen Menschen --

....... Jetzt war sie da .......

Der Spass einer Überraschung fiel natürlich ins Wasser, denn meine

Frau las mir die Aufregung vom Gesicht. Bei meinen erstaunlichen

Mitteilungen horchte sie wohl auf, konnte sich aber doch nicht der

spöttischen Frage enthalten:

„Bist du bei Trost?“

„Sehr wohl, meine Liebe. Auch ich hielt Gautsch, ehe ich mich von

seiner Anständigkeit und Noblesse überzeugte, für einen Schwindler oder

Verrückten.“

Sieghaft spielte ich nun meinen Trumpf aus, den Scheck. Auch in diesem

Falle wirkte das gründlicher als die Erzählung. Indem sie mir riet,

mich gleich morgen zu erkundigen, ob er auch echt sei, überdachten wir

die Reise und alles Drum und Dran.

„Aber richtig, das Bild, zeige es mir doch!“

Es war ein überraschender Eindruck .......

Nachdem sie es lange angesehen, lehnte sie sich zurück und flüsterte in

ergebenem Ton: „Glaubst du wirklich dorthin zu müssen? Dieser Mensch

gefällt mir nicht. Ich weiss nicht, was es ist, aber er sieht furchtbar

aus!“

Sie war nahe am Weinen.

„Aber Kind, was für Geschichten!“ Ich umarmte sie lachend. „Das ist

mein alter Freund Patera, ein lieber, netter Mensch! Wenn er sein

Geld auf eine künstlerische Art verbraucht, so schätze ich ihn darum

nur desto höher.“

[Illustration]

„Willst du nicht doch lieber vorher noch anderweitige Erkundigungen

einziehen?“

„Ich weiss nicht, was du willst, für meinen Freund bürge ich. Dass der

Scheck Wert hat, wird sich morgen erweisen, und das Traumreich scheint

mir eine grandiose Idee zu sein. -- Wir wollten ja doch nach Indien

gehen! Aber du willst nie meine Freude ganz!“

Die letzten Worte klangen schon fast vorwurfsvoll. Ich suchte sie

zu beruhigen und sie gab mir schliesslich auch recht, nannte ihre

Aufwallung selbst übertrieben.

„Du sollst es sicher schön haben dort. Dann denke doch nur an die

prachtvollen Anregungen, die ich bekommen werde .... Und das Geld, das

ist grossartig, wie?“

Sie war nun wieder heiter, getröstet, und beschäftigte sich gleich mit

den praktischen Fragen der Übersiedelung. Ich hingegen fühlte mich

schon ganz als Traummensch, und fabulierte darauf los .... Immer wieder

sah ich das Bild und den Scheck an, und verliebte mich in beide ein

wenig ....

....Der Morgen graute, als wir endlich einschliefen .....

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