Hört man von einer Sache erzählen, welche wunderbar ist und vom
Alltäglichen weit abliegt, so bleibt immer ein ungelöster Zweifel in
uns. Und das ist recht gut. Wäre man doch sonst ein Belustigungsobjekt
für jeden guten Erzähler oder den nächstbesten Betrüger. So aber wirkt
eine Tatsache weit stärker als eine Mitteilung. Das war hier der Fall.
Gautsch hatte ja gewissermassen schon mein Vertrauen. Aber als ich
diese grosse Summe -- für mich ein schönes Vermögen -- sah und in der
Hand hielt, war mir doch seltsam zumute. Ein Zittern durchlief mich,
und mit Tränen in den Augen sagte ich:
„Verehrter Herr, entschuldigen Sie, aber es kommt mir schwer an, die
richtigen Worte für meinen Dank zu finden. Nicht für dieses viele Geld
da! -- Ach, nein! -- Aber sehen Sie, wenn man das Märchen sein ganzes
Leben lang erstrebt und es kommt dann plötzlich zu einem, so ist dieser
Augenblick gross und schön. Das habe ich heute durch Ihre Güte erlebt,
haben Sie Dank dafür!“
So oder ähnlich drückte ich mich damals in hoher Erregung aus.
Gautsch -- wie mir schien ebenfalls sehr ernst geworden -- entgegnete
zartfühlend:
„Mein Herr, ich tue nur meine Pflicht. Wenn ich Ihnen damit Freude
mache, dann ist es mir sehr angenehm. Dank schulden Sie mir darum
nicht, es ist ein Höherer, für den ich handle. Ich kann Ihnen nur noch
raten, über die Dinge, welche Sie heute erfahren haben, +zu schweigen.
Sprechen Sie mit niemand darüber+, Ihre Frau selbstverständlich
ausgenommen. Ich kann allerdings nicht wissen, was die Folge einer
Verletzung der bei uns eingeführten Regel sein würde. Aber Pateras
Macht ist gross, und er will, dass das Traumreich ein Geheimnis bleibe.“
„Da war es aber vielleicht recht unvorsichtig von Ihnen, mir so viel
von der Sache zu erzählen? Sie konnten doch unmöglich wissen, wie ich
mich dazu stellen würde“, bemerkte ich überschlau.
„Ganz so war es doch nicht, mein Herr, +ich wusste, dass Sie kommen
würden+!“
Damit drückte er mir die Hand, und wandte sich zur Tür:
„Es ist schon spät geworden. Ich komme morgen wieder um diese Zeit, um
Ihnen alle Angaben bezüglich der Reise zu machen. Also reden Sie mit
Ihrer Gattin und empfehlen Sie mich ihr. Gute Nacht!“
Er war gegangen.
Die zehn Minuten, bis meine Frau von ihren Besorgungen heimkam,
erschienen mir endlos. -- Ich musste mich aussprechen -- über das
Unerhörte reden können -- brauchte einen Menschen --
....... Jetzt war sie da .......
Der Spass einer Überraschung fiel natürlich ins Wasser, denn meine
Frau las mir die Aufregung vom Gesicht. Bei meinen erstaunlichen
Mitteilungen horchte sie wohl auf, konnte sich aber doch nicht der
spöttischen Frage enthalten:
„Bist du bei Trost?“
„Sehr wohl, meine Liebe. Auch ich hielt Gautsch, ehe ich mich von
seiner Anständigkeit und Noblesse überzeugte, für einen Schwindler oder
Verrückten.“
Sieghaft spielte ich nun meinen Trumpf aus, den Scheck. Auch in diesem
Falle wirkte das gründlicher als die Erzählung. Indem sie mir riet,
mich gleich morgen zu erkundigen, ob er auch echt sei, überdachten wir
die Reise und alles Drum und Dran.
„Aber richtig, das Bild, zeige es mir doch!“
Es war ein überraschender Eindruck .......
Nachdem sie es lange angesehen, lehnte sie sich zurück und flüsterte in
ergebenem Ton: „Glaubst du wirklich dorthin zu müssen? Dieser Mensch
gefällt mir nicht. Ich weiss nicht, was es ist, aber er sieht furchtbar
aus!“
Sie war nahe am Weinen.
„Aber Kind, was für Geschichten!“ Ich umarmte sie lachend. „Das ist
mein alter Freund Patera, ein lieber, netter Mensch! Wenn er sein
Geld auf eine künstlerische Art verbraucht, so schätze ich ihn darum
nur desto höher.“
[Illustration]
„Willst du nicht doch lieber vorher noch anderweitige Erkundigungen
einziehen?“
„Ich weiss nicht, was du willst, für meinen Freund bürge ich. Dass der
Scheck Wert hat, wird sich morgen erweisen, und das Traumreich scheint
mir eine grandiose Idee zu sein. -- Wir wollten ja doch nach Indien
gehen! Aber du willst nie meine Freude ganz!“
Die letzten Worte klangen schon fast vorwurfsvoll. Ich suchte sie
zu beruhigen und sie gab mir schliesslich auch recht, nannte ihre
Aufwallung selbst übertrieben.
„Du sollst es sicher schön haben dort. Dann denke doch nur an die
prachtvollen Anregungen, die ich bekommen werde .... Und das Geld, das
ist grossartig, wie?“
Sie war nun wieder heiter, getröstet, und beschäftigte sich gleich mit
den praktischen Fragen der Übersiedelung. Ich hingegen fühlte mich
schon ganz als Traummensch, und fabulierte darauf los .... Immer wieder
sah ich das Bild und den Scheck an, und verliebte mich in beide ein
wenig ....
....Der Morgen graute, als wir endlich einschliefen .....