Eine Stunde vor Eröffnung der Kassen war ich auf der Bank. Für mein
Papier erhielt ich ein dickes Paket dreimal durchgezählter Scheine. Und
als ich meinen Schatz in Händen hielt, konnte ich nicht schnell genug
eine Droschke besteigen, um ihn in Sicherheit zu bringen.
Zu Hause erwartete mich ein Brief von Gautsch: er könne nicht mehr
kommen, es tue ihm sehr leid, aber neue Befehle hinderten ihn daran. Er
riet uns dringend, wegen der in Aussicht stehenden Winterstürme auf den
beiden zu durchschiffenden Meeren, möglichst bald abzufahren. Der Brief
schloss mit einem Glückwunsch für die Zukunft. Beigelegt war die Route:
München -- Constanza -- Batum -- Baku-- Krasnowodsk -- Samarkand. Dort
würden wir an der Bahn erwartet, wir seien signalisiert, ich hätte nur
das Bild Pateras als Legitimation zu benützen.
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Die Auflösung unseres Haushaltes war ohnehin beschlossene Sache. Alle
Vorbereitungen für die grosse Reise erledigten sich unter der wackern
Mitwirkung meiner Frau glatt und einfach. Meine gehobene Stimmung
dauerte bis zum Schluss. Am letzten Tag, den wir in unserer alten
Wohnung zubrachten, überschlich mich doch ein Wehmutsgefühl. Ich weiss
nicht, ob es andern auch so geht, mich schmerzt der Abschied von mir
lieb gewordenen Räumen. Hier wich wieder ein Stück Leben von mir, das
fortan nur eine Erinnerung sein würde. Ich trat ans Fenster, draussen
war es dunkel, alles herbstlich kahl. Gedämpft drang der Lärm der
grossen Stadt an mein Ohr. Es wurde mir wirklich weh ums Herz und ich
starrte in den nächtlichen Himmel. Er war übersät mit winzigen Sternen.
-- Da legte sich ein freundlicher Arm um meinen Hals --.
Der nächste Tag, ein Freitag -- mit dem Abendzug wollten wir fahren
-- wurde grösstenteils in einem Hotel am Bahnhofe verbracht. Zwei
Billette der Orientlinie nach Constanza hatte ich schon bei mir. Von
Bekannten, denen ich zufällig begegnete, verabschiedete ich mich, wobei
ich fallen liess, dass wir nach Indien gingen. Um neun Uhr abends
sassen wir im Zuge.
[Illustration]