»Nein, so wenig wie je ein Mann die Verehrung verdienen kann, die aus
den Frauenliedern Chamissos klingt. Nicht das entscheidet ja, was wir
sind â du lieber Gott, wo bliebe ich! â, sondern wie sehr wir geliebt
werden, das entscheidet. Das ist die Wahrheit des Christentums, daÃ
uns Liebe erlöst.«
»Asmus,« rief sie ängstlich, »ich zittere und bange, wenn du mich über
dich erhebst. Wenn du wüÃtest, wie wenig ich das verdiene â«
»Zittere und bange nur,« rief er, »ich habe Mut, wenn ich dich ansehe,
einen Mut, einen Mut â«
Er rià sie jauchzend an sich und küÃte sie, daà sie aufschrie.
Und einmal, als er so bei ihr saÃ, in ihrem Nähkästchen kramte und mit
allerlei zierlichen Büchschen und Kästchen spielte, die er darin fand,
holte er einen Glasmarmel daraus hervor, eine durchsichtige Glaskugel,
in der man eine geflügelte Gestalt, eine Fortuna, wie es schien,
erblickte.
»Sieh da,« sagte er, »genau solch einen Marmel habâ ich auch einmal
besessen. Eigentlich ein hübsches Symbol, wenn ich es jetzt betrachte.
Die Glücksgöttin nicht über der Welt, sondern in der Welt, sie selbst
nur ein Stück der rollenden Notwendigkeit ...«
»Ich weià eigentlich selbst nicht,« sagte sie lächelnd, »warum ich ihn
immer aufgehoben habe. Wenn man solch ein Ding lange bei sich verwahrt
hat, ist es gerade, als hättâ es ein Recht an uns erworben, und wenn
man es wegwerfen will, ist es, als säh es einen vorwurfsvoll an, und
man kann es nicht aus den Fingern loswerden. Ich habâ ihn vor vielen
Jahren von einem kleinen Jungen bekommen.«
Sie sagte das, indem sie sich auf ihre Näharbeit bückte; aber es war
ihr, als zöge eine geheime Kraft ihren Kopf empor, und als sie
aufblickte â wirklich, da starrte Asmus sie an mit einem Blick, der
aus der Ferne einer längst vergangenen Zeit zu kommen schien.
»Von einem kleinen Jungen hast du ihn bekommen?« sprach er langsam.
»Wann? Wo?«