Da hatte ihm Birkenfeld zwar drei Tage aufgebrummt; aber er hatte sie
ihm noch am selben Tage erlassen. Wenn er fluchend und wetternd und
mit gezücktem Degen den Parademarsch abnahm und sein breiter blonder
Bart im Winde wehte, dann sah er aus wie ein Eisenfresser, und doch
war er ein vom Grund des Herzens humaner Mann, für den die Worte
»gutes, kameradschaftliches Verhalten« nicht nur auf dem Papier
standen und der im gemeinen Soldaten den gleichwertigen Menschen und
Waffengenossen sah. Einmal hatte er aber doch etwas zu saftig
geschimpft. Als der Schulamtskandidat Thölemann, der wie ein künftiger
Pastor aussah, sprach und fühlte, gleich einer nassen Unterhose am
Reck hing und ebensowenig wie dieses Kleidungsstück einen Klimmzug zu
machen imstande war, da schrie Birkenfeld:
»Herrrr, seiân Se nich so schlapp, Herrrr! Deubel nochân mal! Kerl hat
natürlich die ganze Nacht bei Wachtmann ârumgehât!«
»Wachtmann« war ein ziemlich unethisches Tanz- und Nachtlokal, und das
wollte sich Thölemann nicht bieten lassen. Er wollte sich über
Birkenfeld beschweren. Und es war das beste Zeugnis für diesen
Leutnant, daà die Kameraden Thölemannen abrieten, weil man die
Schimpfreden Birkenfelds nicht tragisch nehmen dürfe, und nicht am
wenigsten trat Asmus für den Beleidiger ein. Er liebte solche
Menschen, die sich von Temperament und Leidenschaft fortreiÃen lieÃen
und es im Grunde des Herzens doch gut meinten; er fühlte sich ihnen
verwandt. Ãbrigens überlegte sich Birkenfeld seine Diagnose noch
einmal, bat Thölemann um Entschuldigung, und die Sache war erledigt.
Daà Schimpfen und Schimpfen zweierlei ist, das bewies Asmussen Seine
Exzellenz der Herr SchieÃunteroffizier. Asmus hatte durch irgendeinen
Zufall keine Exerzierpatronen erhalten und sollte sie sich vom
SchieÃunteroffizier holen. Er suchte den Herrn auf, nahm die
vorschriftsmäÃige Haltung ein und sagte: