Asmus gibt fernere Beweise von seiner Dummheit, baut ein Schloà und
eine Kirche und landet schlieÃlich in einer Zelle.
Merkwürdig, es war ihm nicht ganz recht, daà sie tanzte. Warum sollte
sie nicht tanzen? Es war doch selbstverständlich, daà sie tanzte; sie
hatte sich ja auch zum Tanze angekleidet, sehr geschmackvoll, wie
immer, sehr einfach, und doch â so besonders. Er verstand nicht das
Geringste von Frauengarderoben; aber daà sie mit ihren neunhundert
Mark Gehalt keine kostbaren Gewänder kaufen konnte, war ihm klar. Und
doch â sie hatte immer etwas Besonderes und Nobles in ihrer
Erscheinung.
Tanzen! Ja, das war auch so eine Mauer, die ihn vom weiblichen
Geschlechte trennte. Frauen wollen tanzen, und er konnte nicht tanzen.
Die Semper konnten ihren Kindern keine Tanzstunden geben lassen. Nicht
einmal Schlittschuhlaufen hatte er gelernt; denn als Knabe war er nie
so reich gewesen, ein Paar Schlittschuhe erwerben zu können, und als
Jüngling hatte er keine Zeit mehr dazu gefunden. Als Achtjähriger
hatte er einmal getanzt, auf einem sogenannten »Kindergrün«, mit einer
siebenjährigen Dame, fünf Stunden lang war er herumgesprungen wie ein
Heupferdchen, immer mit derselben Dame, und es war herrlich gewesen.
Er sah es so unendlich gern, wenn ein Paar sich mit Anmut im Tanze
drehte. Nie glaubte er fester an eine schönere Welt, als wenn er
Menschen in anmutiger Bewegung sah. Und Hilde Chavonne tanzte schön.
Wenn er sie aufforderte....
Hahahahaaaa! Er wuÃte wohl eine ganze Reihe junger Leute, die
ungeniert eine Dame aufforderten, obwohl sie nicht tanzen konnten, und
dann so lange mit Todesverachtung herumhopsten, bis sieâs heraus
hatten. Woher sie den Mut nahmen, einer Dame dergleichen zuzumuten,
das blieb ihm ein Rätsel.
Sobald er sein Lehrergehalt bezog, wollte er tanzen lernen. Sein
Lehrergehalt? Er wollte ja Schauspieler werden.....
»Tanzen Sie nicht?« fragte ihn Hilde.
»Ich kann nicht tanzen,« sagte er. Und er erzählte ihr, daà er
Schauspieler werden solle. Sie war aber sehr dagegen; mit auffallender
Lebhaftigkeit riet sie ihm ab. Was sie denn dagegen habe, fragte er
verwundert. Da wurde sie rot und sehr verlegen. SchlieÃlich sagte sie,
sie habe immer gehört, daà auch das Los der gröÃten und berühmtesten
Bühnenkünstler nur ein glänzendes Elend sei. Ãberhaupt habe er doch noch
ganz andere Fähigkeiten. Er müsse Dichter werden.
Jetzt machte er riesengroÃe Augen, und das Rotwerden war an ihm.
»Woher wissen Sie denn, daà ich dichte?«
»Sie haben doch Fräulein Wieselin erlaubt daà sie sich Ihre Balladen
abschrieb â«
»Und die haben Sie gelesen?« rief Asmus erschrocken.