»Na ja, wenn einem das in Güte und Freundlichkeit gesagt wird ....«

Inzwischen war aber in Mr. Bellys Kopfe etwas wie Morgendämmerung

angebrochen, und als das Klopfen wieder ertönte, belauerte er den

Übeltäter und sah ihn schnell etwas unter den Tisch legen.

Nun ging er ruhigen Schrittes auf Stellings Platz zu, klappte den

Tischdeckel hoch, nahm den Hammer, ging damit wieder nach vorn, legte

ihn auf’s Pult und sagte: »Lesen Sie weiter, Müller.« Er tat das alles

ohne jedes Zeichen der Erregung, nur mit dem Ausdruck einer stoischen

Geringschätzung, ja, einer leisen Verachtung im Gesicht. Und diese

Art, dergleichen Bubenstreiche abzutun wie Dinge, die an die Würde

eines Gentleman nicht heranreichen, diese Art, die der guten

englischen Erziehungsregel: #Be a gentleman!# entspringt, nahm Asmus

doch immer wieder für ihn ein. Man sah es dem guten Belly an, daß

solche Ruchlosigkeiten ihm weh taten, daß sie ihm aber zu kindisch

waren für seinen Zorn, und das ging nicht nur Asmus, es ging

schließlich auch anderen Jünglingen zu Herzen. In einer Pause fand

eine feierliche Beratung statt mit dem Ergebnis: Da Mr. Belly nicht

imstande sei, Disziplin zu halten, so müsse man selbst für Disziplin

sorgen, und von nun an wolle man sich vernünftig benehmen. Das ging

auch einige Stunden ganz gut. Als aber ein Seminarist einen Stiefel

ausgezogen hatte, weil er ihn drückte, und sein Nachbar diesen Stiefel

mit einem kräftigen Stoß nach vorn befördert hatte, Mr. Belly den

Stiefel als #corpus delicti# konfiszierte und damit die Klasse

verließ, der Einstiefler, der von Natur eine rote Nase hatte, ihm

protestierend nachhumpelte und Mr. Belly endlich sagte: »Also mal: Sie

verfolgen mich: Sie haben eine rote Nase, also Sie sind ein Nihilist!«

da brachen ob dieser rätselhaften Ideenverbindung alle Dämme der guten

Zucht zusammen, und der jugendliche Übermut nahm wieder freien Lauf.

Semper der Jüngling · 第 103 / 292 题