Was eigentlich ein Bergfest ist, und warum Dr. Korn den ersten Toast
bekam.
Das Bergfest! Wenn von den sechs Seminarsemestern drei verflossen
waren und also der Berg des Ãrgernisses bis zum Gipfel überwunden war,
pflegte man das »Bergfest« zu feiern. Und diesmal sollten der Direktor
und alle Lehrer dazu geladen werden.
Vor der nächsten psychologischen Stunde hub der Herr Direktor also an:
»ân Bergfest wollân Se feiern. Ich habe erst jar nicht verstanden, was
das sein soll. Ich habe jedacht: wieso wollân denn Seminaristen des
Flachlandes ân »Bergfest« feiern! SchlieÃlich hab ich mirâs erklären
lassen. Das heiÃt: »Jott sei Dank, nu sind wir überân Berg!« Ick will
Ihnen mal wat sagen: Freuân Se sich, wenn Se noch Zeit und Jelegenheit
haben, wat zu lernen; später wirdâs anders! Wenn Se Ihr Examen jemacht
haben, feiern Se meinetwegen Feste, aber _den_ Unsinn machâ ick nich
mit!«
Er fing immer ziemlich hochdeutsch an, aber je länger er sprach,
desto berlinerischer wurde er und desto mehr würzte er seinen Vortrag
mit Berliner Anekdoten. Wenn er mit einem Vortrag über Zeit und Raum
begonnen hatte, so war er nach einer Viertelstunde bei Bismarck oder
Moltke oder bei seinen Lehrern Lazarus und Steinthal (»der Steinthal
is man soân janz kleenes Männeken mitân Zahntuch umân Kopp â wenn
manân auf der StraÃe sieht, möchtâ man ihm ân Jroschen schenken« â und
dann pries er ihn in begeisterten Erinnerungen) oder er kam auf die
Berliner Schutzleute oder auf Eugen Richter.
»Wenn man den Richter nachts aufweckt und sagt: Richter, halt mal âne
Rede! denn kann erâs, un wenn man sagt: Richter, nu halt mal eine
dajegen! denn kann erâs ooch. Aber ân janzer Kerl is er doch!«
Das Bergfest wurde also ohne Direktor und ohne Lehrer,
nichtsdestoweniger aber mit Glanz gefeiert. Niemand rührte mit Wort
oder Miene an das Vergangene; Schäflein und Wölfe benahmen sich gleich
taktvoll; nur Morieux zog einmal Sempern auf die Seite und flüsterte
erregt: