»Ja, natürlich,« sagte Asmus.
»Was bist du denn geworden,« forschte Adolfine.
»Ich will Lehrer werden,« antwortete Asmus.
Da klaffte Adolfinens Mund wie eine Löwengrube, und sie lachte, daà es
über den ganzen Platz hallte.
»Bis woll verrückt!« schrie sie.
Asmus sah sich unwillkürlich um. »Schrei doch nicht so!« rief er.
»Natürlich werdâ ich Lehrer.«
Aber es kostete viel Mühe, sie daran glauben zu machen. Und langsam
und gradweise, wie sie ihm Glauben schenkte, öffnete sich wieder ihr
Mund.
»Kanns das denn alles inân Kopf behalten?« fragte Adolfine. Sie dachte
an ihre eigene Schulzeit.
»Jaa â ziemlich,« versetzte er langsam. »Aber jetzt muà ich weiter.
Adieu, laà dirâs gut gehen!«
Er gab ihr die Hand; aber sie war jetzt sprachlos, und als er schon
fünfzig Schritte weit war, stand ihr Mund noch immer offen. â â
Hinter der Satyrmaske Adolfinens war das Schicksal verborgen gewesen
und hatte gerufen: »Du bist wohl verrückt!« â â â â
Das drohende Tabakmonopol und später die erhöhte Tabaksteuer lasteten
schwer auf dem Gewerbe der Zigarrenmacher; wenigstens hatten die
Fabrikanten die ohnedies bescheidenen Arbeitslöhne noch herabgesetzt.
Der Urheber der Steuer nannte sich Bismarck, und dieser Bismarck wurde
in den Stuben der Zigarrenarbeiter um dessen willen nicht geliebt.
Aber dieser Bismarck hatte noch etwas anderes hervorgebracht, und das
war das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Asmussens Bruder
Johannes aber war leidenschaftlicher Sozialdemokrat. Nicht als Redner
trat er hervor; aber er war im Vorstand der Ortsgruppe und wirkte
still und begeistert für die Organisation. In harter Winterzeit machte
er Agitationsreisen ins unberührteste Schleswig-Holstein, dorthin, wo
die Landbevölkerung den »Dezimalkroaten« Unterkunft und Nahrung
weigerte und sie nicht selten mit Hofhunden an Leib und Leben
bedrohte.
Einmal aber trat Heinrich Moldenhuber, der »Wolkenschieber« oder, wie
ihn Ludwig Semper ob seiner sturmgeschwellten RockschöÃe gewöhnlich
nannte: Heinrich der Seefahrer ins Arbeitszimmer der Semper und sagte
mit stoischem Lächeln: