XII. Kapitel.

Asmus ringt gewaltig mit einem Schüler wegen eines Frosches: er

empfängt Rippenstöße, und der gewisse Seybold besteht das Examen.

Aber schon von der nächsten Stunde ab mußten Münz und Morieux wieder

Listen und Protokolle schreiben, und Asmus sprach mit seinen Schülern,

wie ihm der Schnabel gewachsen war. Und sieh, mit einem Male ging

alles freier und besser. Wenn er sich nun aus dem Schulmuseum einen

Hasen geholt hatte, so erinnerte er sich jenes Lehrers, bei dem er

gern gehorcht hatte und der auch nicht immer im Stechschritt des

Systems gegangen war. Er sang ihnen vor allen Dingen Lieder vom Hasen

vor:

»Als der Mond schien helle,

Kam ein Häslein schnelle«

und

»Gestern abend ging ich aus,

Ging wohl in den Wald hinaus«

und

»Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal

Saßen einst zwei Hasen«

und nachdem ihnen Herr Lampe mit so vorzüglichen Empfehlungen

vorgestellt war, schauten sie ihn mit ganz anderen Augen an. Und als

Asmus heraushaben wollte, daß der Hase ein Säugetier sei, da fragte er

sie:

»Was für ein Vogel ist denn der Hase?« Halloh, da gingen sie fast über

die Bänke vor Lachen und Weisheit und riefen: »Das ist ja gar kein

Vogel!« und erklärten ihm mit Begeisterung, warum der Hase kein Vogel

sei! O Gott, wenn Münz und Morieux, und gar der Herr Oberlehrer

dagewesen wären! Überhaupt fand er, daß es den Kindern ein besonderes

Vergnügen bereitete, wenn er sich recht dumm stellte und sich dann von

ihnen aufklären ließ. Der alte Sokrates kannte seine Leute.

Natürlich stieß er trotzdem noch täglich, ach, stündlich in seinem

Fahrwasser auf Klippen, Untiefen und Stromschnellen. Da hatte er ihnen

das Märchen vom Froschkönig und dem eisernen Heinrich erzählt. Der

Frosch hatte der Königstochter ihren goldenen Ball aus dem Brunnen

geholt unter der Bedingung, daß er mit ihr an einem Tische essen und

in einem Bettchen schlafen dürfe. Und sie hatte es ihm doch hoch und

heilig versprochen. Als nun der Frosch ins Schloß kam, wollte sie ihr

Königswort nicht halten. Das ist mit Königsworten öfters so, ist aber

unsittlich. Und Asmus wollte entwickeln, daß man sein Wort halten

müsse, und wenn es auch noch so schwer sei.

»Warum wollte sie denn nicht mit dem Frosch zu Bett gehen?« fragte

Asmus einen Schüler.

»Ich weiß nicht,« sagte der.

Semper der Jüngling · 第 44 / 292 题