»Und dein Sueton ist ein altes Waschweib.«

Auf solche Weise erwärmte sich nach und nach wieder das

Freundschaftsverhältnis; bald aber sollte es trotzdem für immer

erkalten.

John Herrig schöpfte nämlich aus seinem Freunde noch einen reelleren

Reichtum als den der Weltanschauung. Wenn sie auf ihren Ausflügen

einkehrten, um zu ihrem mitgenommenen Frühstück ein Glas Bier zu

trinken, so zahlte Asmus regelmäßig die Zeche und teilte die vom Vater

erhaltenen Zigarren mit seinem Freunde. Er sagte sich nämlich: Wenn er

Geld hat, so wird er sich natürlich revanchieren; wenn er keins hat,

versteht es sich von selbst, daß der bezahlt, der etwas hat. Und Asmus

erwischte hin und wieder Privatstunden, die mit 50 Pfg. bezahlt

wurden.

Und wenn sie rückkehrend, hungrig, durstig und müde von der

Sonnenhitze, in Oldensund eintrafen, dann fand es Asmus unmenschlich,

den Freund noch eine Stunde weit nach seinem Mittagessen gehen zu

lassen, und er sagte: »Komm mit und iß mit mir; meine Mutter wird wohl

soviel haben.«

Und Frau Rebekka, die für sieben Menschen kochte, darunter für fünf

Söhne, deren Appetit täglich wuchs und sich nach oben hin jedem

Voranschlag entzog, hatte auch noch genug für einen achten, und sie,

die nach einem Worte ihres Gatten so sparsam war, »daß sie den Flicken

eines Flickens flickte«, und das so akkurat, daß Herr Aufderhardt,

der Schneider, ausrief: »Das ist so schön gemacht, daß _ich_ es nicht

besser kann!« – sie, die aus einem Rock eine Weste, aus der Weste eine

Mütze, aus der Mütze einen Handschuh, aus dem Handschuh einen

Putzlappen machte, und so das arme Tuch in Wahrheit zu Tode hetzte, um

es zuletzt noch an den Lumpenhändler zu verkaufen, – sie strahlte von

Heiterkeit und Stolz, wenn ein Gast an ihrem Tische saß und tüchtig

einhieb. Das war eben eine der leichtsinnigen Anmaßungen, die sie von

ihrem Gatten übernommen hatte, daß sie sich für berechtigt hielt,

unbeschränkte Gastfreundschaft zu üben. Wer im Augenblick einer

Mahlzeit als Freund das Semperische Haus betrat, der wurde an den

Tisch gebeten, das war eine Überlieferung von Semperischen Urvätern

her.

Und nun merkte Asmus eines Tages, daß dieser Satan, dieser Herrig,

_doch_ Geld hatte! Und daß es ihm gleichwohl gar nicht einfiel, sich

zu »revanchieren«. Diese Entdeckung machte Asmussen von oben bis unten

gefrieren. Von allen Lastern, soweit er sie bis jetzt kennen gelernt

hatte, war ihm eins immer als das häßlichste erschienen: der Geiz. Und

mit einem Schlage war er aufgetaut, und aus dem Grunde seines Herzens

atmete er auf, als Herrig bald darauf, nachdem er den Freund für die

nächste gemeinsame Arbeit in seine Wohnung geladen hatte, hinzufügte:

»Du kannst ja dann bei mir zu Abend essen.«

Gott sei Dank, dachte Asmus, er ist doch nicht geizig.

Als Asmus am nächsten Sonnabend in die Stube seines Freundes trat,

fiel ihm sofort dessen Verlegenheit auf. Nach einiger Zeit stotterte

Herrig:

Semper der Jüngling · 第 37 / 292 题