16. April 1888.

Soeben kommen wir aus der Kirche zurück. Hauptmann Keller sagte mir

heut beim Frühstück, ich möchte doch heut Helen mit zur Kirche nehmen.

Das gesamte Presbyterium würde heut versammelt sein, und er wünsche,

daß die Geistlichen Helen kennen lernten. Die Sonntagsschule war

im vollen Gange, als wir ankamen, und ich wünschte, Sie hätten das

Aufsehen bemerken können, das Helens Eintritt erregte. Die Kinder

freuten sich so, sie in der Sonntagsschule zu erblicken, daß sie ihren

Lehrern keine Aufmerksamkeit mehr schenkten, sondern ihre Plätze

verließen und uns umringten. Helen küßte sie alle, Knaben und Mädchen,

mochten sie wollen oder nicht. Anfangs schien sie zu glauben, daß die

Kinder sämtlich den fremden Geistlichen gehörten; aber bald erkannte

sie unter ihnen einige kleine Freunde, und ich erzählte ihr, daß die

Geistlichen ihre Kinder nicht mitgebracht hätten. Sie sah enttäuscht

aus und sagte dann: ~I’ll send them many kisses.~ Einer der Geistlichen

bat mich, Helen zu fragen, was nach ihrer Meinung die Geistlichen

täten. Sie erwiderte: ~They read and talk loud for people to be

good.~ Er schrieb sich diese ihre Antwort in sein Notizbuch. Als der

Gottesdienst begann, geriet Helen in eine solche Aufregung, daß ich es

für das beste hielt, sie aus der Kirche hinauszuführen, aber Hauptmann

Keller sagte: Lassen Sie nur; es wird schon gehen. So blieb mir nichts

übrig, als auszuharren. Es war unmöglich, Helen zu bewegen, sich ruhig

zu verhalten. Sie herzte und küßte mich und den ernst blickenden

Geistlichen, der auf der anderen Seite neben ihr saß. Er gab ihr seine

Uhr zum Spielen, aber dies brachte sie nicht zur Ruhe; sie wollte

sie durchaus dem kleinen Knaben zeigen, der hinter uns saß. Als die

Abendmahlsfeier begann, roch sie den Wein und schnüffelte so laut, daß

jedermann in der Kirche es hören konnte. Als der Wein unserem Nachbar

gereicht wurde, mußte er aufstehen, um zu verhüten, daß sie ihm den

Kelch wegnahm. Ich saß wie auf Nadeln und war froh, als wir die Kirche

verlassen konnten. Ich suchte Helen rasch hinauszudrängen, aber sie

hielt ihren Arm ausgestreckt, und jeder Geistliche, den sie berührte,

mußte sich umdrehen und die Anzahl der Kinder angeben, die er zu Hause

gelassen hatte, und die entsprechende Menge Küsse in Empfang nehmen.

Jedermann lachte über ihre Possen, und man hätte eher glauben können,

in einem Vergnügungslokale zu sein als in einer Kirche. Hauptmann

Keller lud einige der Geistlichen zu Tisch ein. Helen war ganz außer

Rand und Band. Sie beschrieb in den lebhaftesten Pantomimen, die sie

durch Buchstabieren zu ergänzen suchte, was sie in Brewster tun wolle.

Endlich stand sie vom Tisch auf und tat so, als sammle sie Seetang

und Muscheln auf und wate im Wasser umher, wobei sie ihre Röcke höher

aufhob, als es unter den gegenwärtigen Umständen schicklich war. Dann

warf sie sich zu Boden und begann so energische Schwimmbewegungen zu

machen, daß ein Teil der Gäste fürchtete, von den Stühlen gestoßen zu

werden. Ihre Bewegungen sind oft ausdrucksvoller als alle Worte, und

sie ist so anmutig wie eine Nymphe.

Ich möchte gern wissen, ob Ihnen auch die Zeit so unendlich lang wird

wie mir. Wir sprechen und planen und träumen von nichts als von Boston,

Boston, Boston. Ich glaube, Frau Keller hat sich jetzt endgültig

entschlossen, uns zu begleiten, aber sie will nicht den ganzen Sommer

über bleiben.

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Die Geschichte meines Lebens · 第 65 / 70 题