Soeben kommen wir aus der Kirche zurück. Hauptmann Keller sagte mir
heut beim Frühstück, ich möchte doch heut Helen mit zur Kirche nehmen.
Das gesamte Presbyterium würde heut versammelt sein, und er wünsche,
daß die Geistlichen Helen kennen lernten. Die Sonntagsschule war
im vollen Gange, als wir ankamen, und ich wünschte, Sie hätten das
Aufsehen bemerken können, das Helens Eintritt erregte. Die Kinder
freuten sich so, sie in der Sonntagsschule zu erblicken, daß sie ihren
Lehrern keine Aufmerksamkeit mehr schenkten, sondern ihre Plätze
verließen und uns umringten. Helen küßte sie alle, Knaben und Mädchen,
mochten sie wollen oder nicht. Anfangs schien sie zu glauben, daß die
Kinder sämtlich den fremden Geistlichen gehörten; aber bald erkannte
sie unter ihnen einige kleine Freunde, und ich erzählte ihr, daß die
Geistlichen ihre Kinder nicht mitgebracht hätten. Sie sah enttäuscht
aus und sagte dann: ~I’ll send them many kisses.~ Einer der Geistlichen
bat mich, Helen zu fragen, was nach ihrer Meinung die Geistlichen
täten. Sie erwiderte: ~They read and talk loud for people to be
good.~ Er schrieb sich diese ihre Antwort in sein Notizbuch. Als der
Gottesdienst begann, geriet Helen in eine solche Aufregung, daß ich es
für das beste hielt, sie aus der Kirche hinauszuführen, aber Hauptmann
Keller sagte: Lassen Sie nur; es wird schon gehen. So blieb mir nichts
übrig, als auszuharren. Es war unmöglich, Helen zu bewegen, sich ruhig
zu verhalten. Sie herzte und küßte mich und den ernst blickenden
Geistlichen, der auf der anderen Seite neben ihr saß. Er gab ihr seine
Uhr zum Spielen, aber dies brachte sie nicht zur Ruhe; sie wollte
sie durchaus dem kleinen Knaben zeigen, der hinter uns saß. Als die
Abendmahlsfeier begann, roch sie den Wein und schnüffelte so laut, daß
jedermann in der Kirche es hören konnte. Als der Wein unserem Nachbar
gereicht wurde, mußte er aufstehen, um zu verhüten, daß sie ihm den
Kelch wegnahm. Ich saß wie auf Nadeln und war froh, als wir die Kirche
verlassen konnten. Ich suchte Helen rasch hinauszudrängen, aber sie
hielt ihren Arm ausgestreckt, und jeder Geistliche, den sie berührte,
mußte sich umdrehen und die Anzahl der Kinder angeben, die er zu Hause
gelassen hatte, und die entsprechende Menge Küsse in Empfang nehmen.
Jedermann lachte über ihre Possen, und man hätte eher glauben können,
in einem Vergnügungslokale zu sein als in einer Kirche. Hauptmann
Keller lud einige der Geistlichen zu Tisch ein. Helen war ganz außer
Rand und Band. Sie beschrieb in den lebhaftesten Pantomimen, die sie
durch Buchstabieren zu ergänzen suchte, was sie in Brewster tun wolle.
Endlich stand sie vom Tisch auf und tat so, als sammle sie Seetang
und Muscheln auf und wate im Wasser umher, wobei sie ihre Röcke höher
aufhob, als es unter den gegenwärtigen Umständen schicklich war. Dann
warf sie sich zu Boden und begann so energische Schwimmbewegungen zu
machen, daß ein Teil der Gäste fürchtete, von den Stühlen gestoßen zu
werden. Ihre Bewegungen sind oft ausdrucksvoller als alle Worte, und
sie ist so anmutig wie eine Nymphe.
Ich möchte gern wissen, ob Ihnen auch die Zeit so unendlich lang wird
wie mir. Wir sprechen und planen und träumen von nichts als von Boston,
Boston, Boston. Ich glaube, Frau Keller hat sich jetzt endgültig
entschlossen, uns zu begleiten, aber sie will nicht den ganzen Sommer
über bleiben.
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