10. Februar 1888.

Gestern abend kamen wir nach Hause. Wir haben eine köstliche Zeit in

Memphis verlebt, aber ich kam wenig zur Ruhe. Nichts als Aufregung

vom frühen Morgen bis zum späten Abend -- Ausflüge, Einladungen zu

Tisch, Besuche und alles, was drum und dran hängt, wenn man ein

lebhaftes, unermüdliches Kind wie Helen stets um sich hat. Sie sprach

unaufhörlich. Ich weiß nicht, was ich hätte tun sollen, wenn nicht

einige junge Leute gelernt hätten, sich mit Helen zu unterhalten. Sie

erleichterten mir meine Aufgabe soviel wie möglich. Aber selbst so

habe ich niemals eine ruhige halbe Stunde für mich gehabt. Immer hieß

es: Ach, Fräulein Sullivan, kommen Sie doch, bitte, her und sagen Sie

uns, was Helen meint -- oder: Fräulein Sullivan, wollen Sie nicht die

Güte haben, dies Helen auseinanderzusetzen. Wir können es ihr nicht

verständlich machen. -- Ich glaube, die halbe weiße Bevölkerung von

Memphis sprach bei uns vor. Helen wurde gehätschelt und geliebkost, daß

ein Engel dadurch hätte verwöhnt werden können; aber ich glaube nicht,

daß es möglich ist, sie zu verwöhnen; sie hat dafür ein viel zu naives

Empfinden.

Es gibt viele gute Geschäfte in Memphis, und ich habe alles Geld

ausgegeben, das ich bei mir hatte. Eines Tages sagte Helen: ~I must

buy Nancy a very pretty hat.~ Sie besaß einen Silberdollar und ein

Zehncentstück. Als wir in dem Laden waren, fragte ich sie, wieviel sie

für Nancys Hut ausgeben wolle. Sie antwortete rasch: ~I will pay ten

cents.~ Auf meine Frage, was sie mit dem Dollar machen wolle, erwiderte

sie: ~I will buy some good candy to take to Tuscumbia.~

Wir besuchten die Börse und ein Dampfboot. Für dieses letztere

interessierte sich Helen ungemein und ließ sich alles zeigen von der

Maschine an bis zur Flagge auf dem Top.

~Dr.~ Bell schreibt in einem Briefe an Hauptmann Keller, daß Helens

Fortschritte in der Geschichte der Taubstummenerziehung ganz

beispiellos seien, und sagt viel Artiges über ihre Lehrerin. ~Dr.~

Edward Everett Hale beruft sich auf seine Verwandtschaft mit Helen und

scheint auf seine kleine Nichte sehr stolz zu sein.

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Die Geschichte meines Lebens · 第 63 / 70 题