Gestern abend kamen wir nach Hause. Wir haben eine köstliche Zeit in
Memphis verlebt, aber ich kam wenig zur Ruhe. Nichts als Aufregung
vom frühen Morgen bis zum späten Abend -- Ausflüge, Einladungen zu
Tisch, Besuche und alles, was drum und dran hängt, wenn man ein
lebhaftes, unermüdliches Kind wie Helen stets um sich hat. Sie sprach
unaufhörlich. Ich weiß nicht, was ich hätte tun sollen, wenn nicht
einige junge Leute gelernt hätten, sich mit Helen zu unterhalten. Sie
erleichterten mir meine Aufgabe soviel wie möglich. Aber selbst so
habe ich niemals eine ruhige halbe Stunde für mich gehabt. Immer hieß
es: Ach, Fräulein Sullivan, kommen Sie doch, bitte, her und sagen Sie
uns, was Helen meint -- oder: Fräulein Sullivan, wollen Sie nicht die
Güte haben, dies Helen auseinanderzusetzen. Wir können es ihr nicht
verständlich machen. -- Ich glaube, die halbe weiße Bevölkerung von
Memphis sprach bei uns vor. Helen wurde gehätschelt und geliebkost, daß
ein Engel dadurch hätte verwöhnt werden können; aber ich glaube nicht,
daß es möglich ist, sie zu verwöhnen; sie hat dafür ein viel zu naives
Empfinden.
Es gibt viele gute Geschäfte in Memphis, und ich habe alles Geld
ausgegeben, das ich bei mir hatte. Eines Tages sagte Helen: ~I must
buy Nancy a very pretty hat.~ Sie besaß einen Silberdollar und ein
Zehncentstück. Als wir in dem Laden waren, fragte ich sie, wieviel sie
für Nancys Hut ausgeben wolle. Sie antwortete rasch: ~I will pay ten
cents.~ Auf meine Frage, was sie mit dem Dollar machen wolle, erwiderte
sie: ~I will buy some good candy to take to Tuscumbia.~
Wir besuchten die Börse und ein Dampfboot. Für dieses letztere
interessierte sich Helen ungemein und ließ sich alles zeigen von der
Maschine an bis zur Flagge auf dem Top.
~Dr.~ Bell schreibt in einem Briefe an Hauptmann Keller, daß Helens
Fortschritte in der Geschichte der Taubstummenerziehung ganz
beispiellos seien, und sagt viel Artiges über ihre Lehrerin. ~Dr.~
Edward Everett Hale beruft sich auf seine Verwandtschaft mit Helen und
scheint auf seine kleine Nichte sehr stolz zu sein.
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