Hoffentlich haben Sie Helens Brief erhalten. Denken Sie sich, die
kleine Spitzbübin hat es sich in den Kopf gesetzt, nicht mehr mit
Bleistift schreiben zu wollen. Sie sollte heut morgen an Onkel Frank
schreiben, hatte aber keine Lust dazu und sagte: ~Pencil is very
tired in head. I will write Uncle Frank braille letter.~ Auf meinen
Einwand, Onkel Frank könne doch die Brailleschrift nicht lesen,
erwiderte sie: ~I will teach him.~ Ich setzte ihr auseinander, Onkel
Frank sei alt und könne die Brailleschrift nicht so leicht erlernen.
Sofort antwortete sie jedoch: ~I think Uncle Frank is much old to read
very small letters.~ Endlich brachte ich sie dazu, einige Zeilen zu
schreiben, aber sie brach die Bleistiftspitze sechsmal ab, ehe sie
fertig wurde. Ich sagte zu ihr: Du bist ein unartiges Mädchen, aber
sie entgegnete: ~No, pencil is very weak.~ Ich glaube, ihr Widerwille
gegen das Schreiben mit Bleistift läßt sich leicht daraus erklären,
daß sie soviel zur Probe für Bekannte und Fremde hat schreiben müssen.
Sie wissen, wie widerwärtig dies den Kindern im Institut ist. Es ist
mühsam, weil es so langsam von statten geht und sie nicht lesen können,
was sie geschrieben haben, um die Fehler zu verbessern.
Helen interessiert sich immer mehr für Farben. Als ich ihr sagte,
Mildreds Augen seien blau, fragte sie: ~Are they like wee skies?~ Bald
nachdem ich ihr gesagt hatte, eine Nelke, die ihr geschenkt worden
war, sei rot, warf sie ihre Lippen auf und sagte: ~lips are like one
pink.~ Ich kann mir nicht denken, daß die Eindrücke von Farben, die sie
während der ersten achtzehn Monate ihres Lebens, in denen sie sehen
und hören konnte, erhalten hat, gänzlich verschwunden sein sollen.
Alles, was wir gesehen und gehört haben, bleibt an irgend einer Stelle
des Gedächtnisses haften. Es mag zu unbestimmt und verworren sein,
um deutlich wiedererkannt zu werden, aber es ist nichtsdestoweniger
vorhanden wie die Landschaft, die wir bei hereinbrechender Dämmerung
aus dem Gesicht verlieren.
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