12. Dezember 1887.

Ich kann mir kaum vorstellen, daß Weihnachten vor der Türe steht,

trotzdem Helen von nichts anderem spricht. Wissen Sie noch, wie

glücklich wir das Fest voriges Jahr verlebten?

Helen kennt jetzt die Zeiteinteilung, und ihr Vater will ihr eine Uhr

zu Weihnachten schenken.

Wie jedes hörende Kind, das ich kenne, wünscht auch Helen fortwährend,

daß man ihr Geschichten erzähle. Ich habe ihr die Geschichte von dem

kleinen Rotkäppchen so oft erzählen müssen, daß ich fast glaube, ich

könnte sie von rückwärts her aufsagen. Sie liebt Geschichten, über

die sie weinen muß -- ich glaube, es geht uns allen so -- es ist so

angenehm, sich traurig zu fühlen, wenn man keinen besonderen Grund hat,

traurig zu sein. Ebenso lehre ich Helen kleine Gedichte und Verschen.

Sie prägen ihrem Gedächtnis Gedanken in schöner Form ein. Auch glaube

ich, daß sie die Entwickelung aller Anlagen des Kindes fördern, weil

sie die Phantasie anregen. Natürlich lasse ich mich nicht darauf ein,

alles zu erklären. Wenn ich es täte, würde kein Raum für das freie

Spiel der Phantasie bleiben. Zuweit gehende Erläuterungen lenken die

Aufmerksamkeit des Kindes auf Wörter und Sätze, sodaß es ihm unmöglich

wird, den Gedankengang im ganzen aufzufassen.

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Die Geschichte meines Lebens · 第 60 / 70 题