Ich kann mir kaum vorstellen, daß Weihnachten vor der Türe steht,
trotzdem Helen von nichts anderem spricht. Wissen Sie noch, wie
glücklich wir das Fest voriges Jahr verlebten?
Helen kennt jetzt die Zeiteinteilung, und ihr Vater will ihr eine Uhr
zu Weihnachten schenken.
Wie jedes hörende Kind, das ich kenne, wünscht auch Helen fortwährend,
daß man ihr Geschichten erzähle. Ich habe ihr die Geschichte von dem
kleinen Rotkäppchen so oft erzählen müssen, daß ich fast glaube, ich
könnte sie von rückwärts her aufsagen. Sie liebt Geschichten, über
die sie weinen muß -- ich glaube, es geht uns allen so -- es ist so
angenehm, sich traurig zu fühlen, wenn man keinen besonderen Grund hat,
traurig zu sein. Ebenso lehre ich Helen kleine Gedichte und Verschen.
Sie prägen ihrem Gedächtnis Gedanken in schöner Form ein. Auch glaube
ich, daß sie die Entwickelung aller Anlagen des Kindes fördern, weil
sie die Phantasie anregen. Natürlich lasse ich mich nicht darauf ein,
alles zu erklären. Wenn ich es täte, würde kein Raum für das freie
Spiel der Phantasie bleiben. Zuweit gehende Erläuterungen lenken die
Aufmerksamkeit des Kindes auf Wörter und Sätze, sodaß es ihm unmöglich
wird, den Gedankengang im ganzen aufzufassen.
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