Helen macht von Tag zu Tag, ja beinahe von Stunde zu Stunde
Fortschritte. Alles muß jetzt einen Namen haben. Bei allen unseren
Ausgängen fragt sie voller Eifer nach den Bezeichnungen für die
Dinge, die sie nicht zu Hause gelernt hat. Sie wird nicht müde mit
Buchstabieren und will jeden, dem sie begegnet, das Alphabet lehren.
Sobald sie das betreffende Wort kennt, wendet sie ihre früheren Zeichen
und Pantomimen nicht mehr an, und das Erlernen eines neuen Wortes
bereitet ihr das lebhafteste Vergnügen. Auch bemerken wir, daß ihre
Züge von Tag zu Tag ausdrucksvoller werden. -- Ich habe mich dazu
entschlossen, Helen augenblicklich noch nicht regelmäßigen Unterricht
zu erteilen. Ich behandle sie genau wie ein Kind von zwei Jahren.
Es kommt mir widersinnig vor, zu verlangen, daß ein Kind zu einer
bestimmten Zeit in ein bestimmtes Zimmer geht und bestimmte Lektionen
hersagt, wenn es noch nicht über einen genügenden Wortschatz verfügt.
Ich fragte mich: Wie lernt ein normales Kind sprechen? Die Antwort
lautete einfach: Durch Nachahmung. Das Kind kommt mit der Fähigkeit, zu
lernen, auf die Welt und lernt von selbst, vorausgesetzt, daß es ihm an
dem erforderlichen äußeren Anreize nicht fehlt. Es sieht, wie andere
bestimmte Dinge tun, und versucht, sie ebenfalls zu tun. Es hört andere
sprechen und versucht selbst zu sprechen. Lange bevor es sein erstes
Wort spricht, versteht es, was man zu ihm sagt... Diese Erwägungen
weisen mir den richtigen Weg, Helen das Sprechen beizubringen.
Ich muß ihr in die Hand sprechen, wie wir dem kleinen Kinde in
das Ohr sprechen. Ich nehme an, daß sie dieselbe Assimilations-
und Nachahmungsgabe besitzt wie ein normales Kind. Ich werde in
vollständigen Sätzen zu ihr sprechen und ihr, wenn nötig, die Bedeutung
durch Gesten und ihre beschreibenden Zeichen klarmachen, aber nicht
versuchen, ihre Aufmerksamkeit auf +nur+ einen einzigen Gegenstand
zu lenken. Ich will alles tun, was in meinen Kräften steht, um Helen
anzuregen und anzuspornen, und geduldig das Ergebnis abwarten.
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