Wir bringen fast unsere ganze Zeit im Garten zu, wo alles sproßt und
blüht und grünt. Nach dem Frühstück gehen wir hinaus und sehen den
Leuten bei ihrer Arbeit zu. Helen liebt es, zu graben und im Schmutze
herumzuspielen wie jedes andere Kind. Heut früh pflanzte sie ihre Puppe
in die Erde und deutete mir an, sie erwarte, die Puppe werde so groß
werden wie ich.
Um zehn Uhr gehen wir hinein und reihen einige Minuten lang Perlen
auf. Helen kann sie schon in sehr verschiedener Weise zusammenstellen
und denkt sich öfters selbst neue Arten aus. Dann überlasse ich es
ihrer Wahl, ob sie nähen, stricken oder häkeln will. Stricken lernte
sie sehr schnell und fertigt jetzt einen Waschlappen für ihre Mutter
an. In der vergangenen Woche machte sie ihrer Puppe eine Schürze und
kam damit so gut zustande wie jedes andere Kind ihres Alters. Um elf
Uhr haben wir Turnen. Sie kennt alle Freiübungen mit und ohne Hanteln.
Die Stunde von zwölf bis eins wird zur Erlernung neuer Wörter benutzt.
Sie dürfen aber nicht glauben, daß dies die einzige Zeit ist, in der
ich mit Helen buchstabiere; ich buchstabiere ihr im Gegenteil alles,
was wir den ganzen Tag über tun, in die Hand, obgleich sie bis jetzt
noch keine Ahnung hat, was das Buchstabieren eigentlich bedeutet. Nach
dem Mittagessen ruhe ich eine Stunde, und Helen spielt mit ihrer Puppe
oder tummelt sich im Hofe mit den kleinen Negern umher, die vor meiner
Ankunft ihre beständigen Spielgefährten waren. Später geselle ich mich
zu ihnen, und wir machen dann die Runde durch die Wirtschaftsgebäude.
Wir besuchen die Pferde und Maultiere in ihren Ställen, suchen nach
Eiern und füttern die Truthühner. Oft gehen wir, wenn das Wetter schön
ist, von vier bis sechs Uhr spazieren oder besuchen Helens Tante in
Ivy Green oder ihre Verwandten in der Stadt. Helen hat einen stark
entwickelten Geselligkeitstrieb; sie liebt es, Menschen um sich zu
haben und ihre Bekannten zu besuchen, zum Teil allerdings, wie ich
glaube, weil diese stets einige Leckerbissen für sie übrig haben. Nach
dem Abendessen gehen wir in mein Zimmer und vertreiben uns die Zeit
mit allerlei Beschäftigungen bis um acht, dann ziehe ich das kleine
Fräulein aus und bringe es zu Bett. Helen schläft jetzt bei mir. Frau
Keller wollte mir eine Wärterin für sie geben; ich glaube aber, es ist
besser, ich bin ihre Wärterin, als daß ich eine dumme, faule Negerin zu
beaufsichtigen habe. Außerdem ziehe ich es vor, daß Helen ganz allein
auf mich angewiesen ist, und ich finde es viel leichter, sie bei allen
sich bietenden Gelegenheiten zu unterrichten als zu festgesetzten
Stunden.
Am 31. März fand ich, daß Helen achtzehn Substantiva und drei Verba
kannte. Hier eine Liste dieser Wörter. Die mit einem Kreuz bezeichneten
sind Wörter, nach denen sie selbst fragte: ~doll~, ~mug~, ~pin~,
~key~, ~dog~, ~hat~, ~cup~, ~box~, ~water~, ~milk~, ~candy~, ~eye~
(×), ~finger~ (×), ~toe~ (×), ~head~ (×), ~cake~, ~baby~, ~mother~,
~sit~, ~stand~, ~walk~. Am 1. April lernte sie die Substantiva ~knife~,
~fork~, ~spoon~, ~saucer~, ~tea~, ~papa~, ~bed~ und das Verbum ~run~.
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