3. April 1887.

Wir bringen fast unsere ganze Zeit im Garten zu, wo alles sproßt und

blüht und grünt. Nach dem Frühstück gehen wir hinaus und sehen den

Leuten bei ihrer Arbeit zu. Helen liebt es, zu graben und im Schmutze

herumzuspielen wie jedes andere Kind. Heut früh pflanzte sie ihre Puppe

in die Erde und deutete mir an, sie erwarte, die Puppe werde so groß

werden wie ich.

Um zehn Uhr gehen wir hinein und reihen einige Minuten lang Perlen

auf. Helen kann sie schon in sehr verschiedener Weise zusammenstellen

und denkt sich öfters selbst neue Arten aus. Dann überlasse ich es

ihrer Wahl, ob sie nähen, stricken oder häkeln will. Stricken lernte

sie sehr schnell und fertigt jetzt einen Waschlappen für ihre Mutter

an. In der vergangenen Woche machte sie ihrer Puppe eine Schürze und

kam damit so gut zustande wie jedes andere Kind ihres Alters. Um elf

Uhr haben wir Turnen. Sie kennt alle Freiübungen mit und ohne Hanteln.

Die Stunde von zwölf bis eins wird zur Erlernung neuer Wörter benutzt.

Sie dürfen aber nicht glauben, daß dies die einzige Zeit ist, in der

ich mit Helen buchstabiere; ich buchstabiere ihr im Gegenteil alles,

was wir den ganzen Tag über tun, in die Hand, obgleich sie bis jetzt

noch keine Ahnung hat, was das Buchstabieren eigentlich bedeutet. Nach

dem Mittagessen ruhe ich eine Stunde, und Helen spielt mit ihrer Puppe

oder tummelt sich im Hofe mit den kleinen Negern umher, die vor meiner

Ankunft ihre beständigen Spielgefährten waren. Später geselle ich mich

zu ihnen, und wir machen dann die Runde durch die Wirtschaftsgebäude.

Wir besuchen die Pferde und Maultiere in ihren Ställen, suchen nach

Eiern und füttern die Truthühner. Oft gehen wir, wenn das Wetter schön

ist, von vier bis sechs Uhr spazieren oder besuchen Helens Tante in

Ivy Green oder ihre Verwandten in der Stadt. Helen hat einen stark

entwickelten Geselligkeitstrieb; sie liebt es, Menschen um sich zu

haben und ihre Bekannten zu besuchen, zum Teil allerdings, wie ich

glaube, weil diese stets einige Leckerbissen für sie übrig haben. Nach

dem Abendessen gehen wir in mein Zimmer und vertreiben uns die Zeit

mit allerlei Beschäftigungen bis um acht, dann ziehe ich das kleine

Fräulein aus und bringe es zu Bett. Helen schläft jetzt bei mir. Frau

Keller wollte mir eine Wärterin für sie geben; ich glaube aber, es ist

besser, ich bin ihre Wärterin, als daß ich eine dumme, faule Negerin zu

beaufsichtigen habe. Außerdem ziehe ich es vor, daß Helen ganz allein

auf mich angewiesen ist, und ich finde es viel leichter, sie bei allen

sich bietenden Gelegenheiten zu unterrichten als zu festgesetzten

Stunden.

Am 31. März fand ich, daß Helen achtzehn Substantiva und drei Verba

kannte. Hier eine Liste dieser Wörter. Die mit einem Kreuz bezeichneten

sind Wörter, nach denen sie selbst fragte: ~doll~, ~mug~, ~pin~,

~key~, ~dog~, ~hat~, ~cup~, ~box~, ~water~, ~milk~, ~candy~, ~eye~

(×), ~finger~ (×), ~toe~ (×), ~head~ (×), ~cake~, ~baby~, ~mother~,

~sit~, ~stand~, ~walk~. Am 1. April lernte sie die Substantiva ~knife~,

~fork~, ~spoon~, ~saucer~, ~tea~, ~papa~, ~bed~ und das Verbum ~run~.

* * * * *

Die Geschichte meines Lebens · 第 41 / 70 题