Und aus diesem dünkelhaften Wahne stammt denn auch das unglückselige

Not- und Hilfszeichen. Dasselbe kann und wird niemals einen andern

Sinn haben, als daß man nur +Brrn.+ helfen müsse, anderen Menschen

aber nicht. Derjenige, der auf das N. u. H. Z. hin helfend eingreift,

würde also in demselben Falle nichts tun, d. h. unter Umständen den

Betreffenden ruhig zu Grunde gehen lassen, wenn derselbe kein Maurer

wäre! Soll das irgend etwas mit Humanität zu tun haben? Steht da der

verächtlich behandelte „Profane“ der ohne Zeichen und Ausweis als

Mensch hilft, nicht weit höher? Ein Br., der als Soldat den, der das

Zeichen macht, schont, den Andern aber niederhaut, -- ein Br., der als

Lootse ein Schiff mit der dem Zeichen gleichstehenden maurerischen

+Notflagge+[6] (Z. u. W. auf blauem Grunde) rettet, das eines

Nichtmaurers aber untergehen läßt, -- handelt er aus irgend welchen

menschlichen Regungen, aus humanem Pflichtgefühl, und nicht vielmehr

aus ungern und zögernd beobachtetem Logengehorsam?

Wir halten daher das N. u. H. Z. für eine ganz inhumane und daher, weil

Humanität der Inhalt der freimaurerischen Form ist, auch unmaurerische

Erfindung und befürworten die gänzliche Abschaffung dieser ohnehin

veralteten und unpraktischen, vor allem aber die Humanität fälschenden

und höhnenden Einrichtung.

Ist ein Br. in äußerer persönlicher Gefahr -- -- und nur diesen Zweck

hat das N. und H. Zeichen -- so reicht bei sittlich zuverlässigen

Menschen der Hilferuf vollkommen aus.

Wir haben nichts mehr beizufügen, als die Hoffnung, die Brr. möchten

immer mehr erkennen, daß sie nicht besser sind als andere Menschen,

daß niemand das Recht hat, andere als „profan“ zu verachten und daß

wir Freimaurer höhere Pflichten und einen höhern Beruf haben, als

längst breitgetretene und überall bekannte moralische Lehren immer

noch breiter zu treten und zum Überdruß zu wiederholen und uns selbst

zu betören, daß damit etwas Verdienstliches geschehe, ohne daß jedoch

darin der mindeste Nutzen für irgend jemanden bewirkt wird!

[6] Diese hat indessen noch mehr Berechtigung, indem sie die Nähe von

Brüdern anzeigt.

6. Die Zieraten.

Mit unsern Gunsten, sei’s mit unserm Willen,

der schauen will, was wir verhüllen.

+Goethe Faust+ II.

~a~) Der Loge.

Unter „Zieraten“ verstehen verschiedene freimaurerische

Quellenschriften ziemlich verschiedenes. Im allgemeinen kann angenommen

werden, daß unter „Zieraten“ die Ausschmückungsgegenstände der Loge

verstanden werden, während man unter „Kleinodien“ die von den einzelnen

Brrn. getragenen Verzierungen (Dekorationen, Ornamente) zusammenfaßt.

Wir bringen hier beides unter +einen+ Titel, erlauben uns aber, davon

dasjenige auszunehmen, was nach unserer Ansicht besser in ein anderes

Kapitel fällt, und das um so mehr, als der Name wie gesagt, ohnehin

schwankend ist. Meistens ist das, was hier wegfällt, dasjenige, was

nach unserer Auffassung eine höhere, ideale und historische Bedeutung

hat.

Als Sammelplatz der Logenzieraten, wie auch der nachher zu behandelnden

Werkzeuge und Sinnbilder, jedoch in einer nach den Lehrarten

verschiedenartigen Anordnung und Zahl, ist der +Teppich+ (~Tapis~)

zu betrachten. In den ersten Zeiten des Bundes wurde in Mitte der

Loge, gewissermaßen als ihr verkleinertes Abbild, oder wie man sagte,

als solches des Salomonischen Tempels, vor Beginn der Arbeit mit

Kohle oder Kreide ein längliches Viereck auf den Boden gezeichnet

und nach Beendigung der Arbeit wieder ausgewischt. In der Mitte des

18. Jahrhunderts begann man, um diese mühsame Arbeit zu ersparen, an

die Stelle des länglichen Vierecks einen ebenso geformten Teppich zu

legen, den man nach den Teppichen der mosaischen Stiftshütte (2. Mos.

26) erklärte. Seit 1761 wurden auf den Teppich je nach dem Geschmacke

oder der Lehrart Gegenstände der freimaurerischen Symbolik gemalt, an

manchen Orten erst später; hier und da begnügte man sich statt des T.

gemalter und zusammengefügter Bretter. Der T. wird auch Lehrlingstafel

genannt, weil den Lehrlingen die auf ihm angebrachten Zeichnungen als

Sinnbilder von Tugenden und religiösen Ideen erklärt werden.

Das verhältnismäßig junge Alter des T. hat gelehrte Brr., trotz der

Verschiedenheit seiner Darstellungen, nicht verhindert, aus diesen

tiefe Geheimnisse einer alten Religionslehre herauszulesen. Weil es

den Gründern des Bundes, welche insgesamt orthodoxe Christen, und zwar

nach englischer Art mit besonderer Vorliebe für das Alte Testament

waren, gefiel, den Teppich als Bild des Tempels Salomos zu betrachten,

sollte er nach früher allgemein herrschender Ansicht auch aus diesem

Bauwerke stammen. Damit aber waren die Brr. M. S. Polak in Amsterdam

und ~Dr.~ Joh. Leutbecher (1801-1878) in Erlangen noch lange nicht

zufrieden. Diese Brr. gehen von den Geheimnissen (Mysterien) einer

Urreligion aus, die sich in Indien durch in patriarchalischen Anstalten

erzogene Führer ausbildete und von dort aus durch Kolonien nach allen

Himmelsgegenden verbreitet wurde, wo dann überall solche Anstalten

entstanden, die den Logen ähnlich waren. So kamen sie über Persien und

Syrien nach Griechenland und Westeuropa, ja sogar nach Amerika vor

dessen Entdeckung, wie auch nach Ägypten und Palästina. Die Fabeln,

die in den Schriften der ersten Freimaurer figurieren, werden für

bare Münze gehalten und kommen den Teppicherklärern wohl zu statten.

So pflanzte sich nach dieser Lehre das, was heute Freimaurerei ist,

unter verschiedenen Formen von einer geheimen Gesellschaft auf die

andere fort und ist in den heutigen Logengebräuchen ungeachtet mancher

Änderungen noch vorhanden. So sieht z. B. Polak den Ursprung der 3

freimaurerischen Reisen in den Reisen Abrahams, Jakobs und Josephs nach

Ägypten, wo die Hebräer am rohen Steine gearbeitet und nach Begehung

der Wasser-, Feuer- und Gewitterprobe durch Moses die Weihe erhalten

haben sollen. An dieser Probe von Konfusion möge es genügen.

Am westlichen Rande des T. befindet sich als Zierrat das sog.

+musivische+ (d. h. aus Mosaik bestehende, fälschlich mosaische)

+Pflaster+, das den Vorhof im Tempel Salomos (1. Kön. 6,36) vorstellen

und an den Reichtum und die Mannigfaltigkeit der göttlichen Gaben,

aber auch an die Wandelbarkeit des menschlichen Glücks erinnern und

uns mahnen soll, im Glück demütig und im Unglück stark, allzeit aber

hilfreich zu sein gegenüber der Not unserer Brüder.

Das den Osten, Norden und Süden des T. umziehende ineinander

geschlungene und mit Fransen gezierte +Seil+ (das an die den Vorhang

zum Allerheiligsten im Tempel Salomos dienende Schnur abbilden soll)

hat die Bestimmung, alle Brr. zur Ehre Gottes, zur Ausübung der

Tugend und zur Wohlfahrt des Menschengeschlechts zu vereinigen und

zusammenzuhalten.

Die gezackte +Einfassung+ des T. gilt als Symbol einerseits des

die im T. dargestellte Erde umflutenden Weltmeers, anderseits der

mannigfaltigen Annehmlichkeiten des Lebens und der im Jenseits zu

erhoffenden.

Die +Troddeln+ in den Ecken des T. sollen die vier Haupttugenden der

Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Standhaftigkeit und Klugheit bedeuten.

Die nur in England auf dem T. abgebildete +Jakobsleiter+ gilt als

Sinnbild des Weges zum Himmel. Sie erscheint dort mit 3 Sprossen,

während sie nach der Legende vom Traume des flüchtigen Betrügers

Jakob, da auf ihr die Engel auf- und abstiegen, deren unzählige haben

müßte. An diesen Traum schließt sich der Vertrag Gottes mit Jakob, dem

unverdienterweise die noch heute nicht erlangte Weltherrschaft seines

Volkes verheißen worden wäre, sofern er (wenn er sich besserte!) die

Gebote Gottes getreu erfüllte. Nach dem englischen Ritual ruht die

Leiter auf der Bibel, um den Lehrling zu erinnern, daß er nur mit

Hilfe der Bibel den Weg zum Himmel finden werde! Die drei Sprossen

sollen Glauben, Liebe, Hoffnung bedeuten. Der geistliche Schriftsteller

Honorius (um 1100) nahm zehn Stufen (Städte, wie er sie nannte) auf

der Himmelsleiter an, die er nach soviel „freien Künsten“ benannte:

Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie,

Astronomie, Physik, Mechanik und Ökonomik (vergl. oben S. 22 die 7 fr.

K. u. S. 8 die Ansicht des Celsus vom Mithrasdienste).

Wie im 1. Gr. die Jakobsleiter, so nimmt das engl. System im 2. Gr. die

+Wendeltreppe+ aus dem Tempel Salomos (1. Kön. 6,8) als Weg zu Höherem,

hier zur Erforschung der Geheimnisse der Wissenschaft an und gibt ihr

3 Stufen (Geburt, Unwissenheit und Lehre) oder 5 (die Ordnungen der

Baukunst) oder 7 (nach den Planeten, den Tagen der Woche, den Jahren

des Tempelbaues u. s. w.). Die Gesamtheit dieser Stufenzahlen (15) hat

ebenfalls sinnbildliche Bedeutung, indem sie bei den in ein Quadrat

gestellten 9 Ziffern in jeder Richtung als Summe herauskommt.

+---+---+---+

| 8 | 1 | 6 |

+---+---+---+

| 3 | 5 | 7 |

+---+---+---+

| 4 | 9 | 2 |

+---+---+---+

Zu den Zieraten der Loge zählen wir auch deren +Abzeichen+. Als

+Farben+ der Freimaurerei (in den 3 alten Graden) sind blau (Treue) und

weiß (Unschuld) anerkannt. Es kommen auch Farben einzelner Grade und

Logen vor, sowie die 4 Farben der Stiftshütte, welche die 4 Elemente

bedeuten (weiß die Erde, purpur das Wasser, blau die Luft und scharlach

das Feuer). In den Hochgraden spielen noch mehr Farben eine Rolle.

Auch freimaurerische +Banner+ oder Fahnen gibt es bei den in Amerika

üblichen öffentlichen Aufzügen, in den Hochgraden, in französischen

Logen u. s. w., in Deutschland bei Festlichkeiten am Logenhause (blau

mit Zirkel und Winkelmaß). +Wappen+ und +Siegel+ haben wohl alle Logen

mit einem Sinnbilde oder einer den Namen der Bauhütte ausdrückenden

Figur.

~b~) Der Brüder.

Was die Logenmitglieder außer ihrem gewöhnlichen Anzuge während der

Arbeit tragen, wird meist schlechtweg die maurerische Bekleidung

genannt. Wenn Schauberg aus diesem Ausdrucke schließt, daß der

+Schurz+, der den wichtigsten und ältesten Teil der maurerischen

Bekleidung bildet, ursprünglich die einzige Bekleidung der Menschen

gewesen, so ist die Schlußfolgerung überflüssig; man braucht nur

die Leute vom Volke auf ägyptischen oder babylonischen Wandbildern

(sogar die Könige des Nillandes) und die heutigen Eingeborenen der

meisten tropischen Länder anzusehen, um davon überzeugt zu sein.

Der Maurerschurz, der seit 1723 bezeugt ist, also wohl schon seit

Gründung des Bundes (1717) gebräuchlich war, stammt einfach von den

Steinmetzen und ist daher an sich schon ein Nachweis vom wahren

Ursprunge der Freimaurerei. Daß er sauberer ist, als jener der

Handwerker, hat seinen einfachen Grund im Mangel an rauher Arbeit bei

seinem Tragen. Seine weiße Farbe und sein Stoff (Lammfell) bedeuten die

Unschuld, mit welcher der Mensch ins Leben tritt (was ja die Aufnahme

versinnbildlicht), und die mit den Graden an Umfang zunehmende blaue

Verzierung die zunehmende Treue gegen den Bund und seine Grundsätze.

Dem pomphaften Wesen der Hochgrade entspricht es, daß diese die Schurze

zu einer Art maurerischer Bildergalerie machen.

An manchen Orten gehört auch, oder gehörte früher, aber in den ersten

Zeiten des Bundes noch nicht, der aufgesetzte +Hut+ als Zeichen des

freien Mannes, wird aber, weil oft lästig, immer mehr weggelassen. Ihn

und den Schurz sogar bei der Tafelloge zu tragen, ist eine unnütze, die

Heiterkeit störende Quälerei, die, wo sie noch besteht, abgeschafft

werden sollte.

Zur maurerischen Bekleidung gehören ferner +Bänder+, in den alten

Graden blaue, an denen die Beamtenabzeichen und die Logenzeichen (diese

öfter im Knopfloch) getragen werden; besondere Auszeichnungen fügen

Goldstickerei dazu. An Großlogenversammlungen tragen Schurzeinfassungen

und Bänder oft die Landesfarbe (in der Schweiz rot und weiß).

Jünger als der Schurz sind die ebenfalls weißen +Handschuhe+,

zum Zeichen, daß die Hände von Schuld rein sein sollen. Außer

seinen eigenen erhält der neu Aufgenommene noch ein Paar weiße

Frauenhandschuhe, je nach seinem Stande für seine wirkliche oder

künftige oder zum Andenken an die hingeschiedene Gattin, womit gezeigt

wird, daß die Loge die Ehe hochhält und auch den Schwestern eine

gewisse Zugehörigkeit zum Bunde zuerkennt.

Am Sommerjohannisfeste, also in der Zeit der höchsten Blüte des

Tageslichtes, einem wahren Lichtfeste, werden den Brüdern frische

+Rosen+ ausgeteilt, als Sinnbilder der Jugend, Schönheit, Liebe,

Freude und Verschwiegenheit. Diese Bedeutungen hatte die Königin der

Blumen schon im Altertum, und schon damals wurde die Zeit des längsten

Tages als ein Fest des Sonnengottes gefeiert. Auch der Tag selbst hat

seine Bedeutung als derjenige eines Mannes, der einen größeren, den

Heiland der Welt, das höchste Licht der Menschheit, verkündet, dessen

Geburt, deren Tag unbekannt ist, gerade um ein halbes Jahr früher, an

die Stelle derjenigen des Sonnengottes (~natales Solis invicti~ d. h.

Geburtstag der unbesiegten Sonne) gesetzt wurde, also in die Zeit,

in der die Tage wieder länger werden und eine Zunahme des Lichtes

bevorsteht.

Die Rosen waren stets den schönsten Göttinnen geweiht, der ägyptischen

Isis, der armenischen Anahita, der griechischen Aphrodite. Diese, den

toten Adonis betrauernd, färbt nach der Sage mit ihrem Blute die weiße

Rose rot. Adonis selbst, bei den Hebräern Adonai, ist der Herr des

Lichtes, den die finstere Zeit tötet und die helle wieder auferweckt.

Bei den römischen Festen der Blumengöttin Flora, einer Gestalt der

Venus (Aphrodite), trugen die Feiernden Blumen, besonders Rosen. Mit

Rosen bekränzte man von der griechischen Zeit bis heute die Gräber,

um den Übergang in ein schöneres Leben zu versinnbildlichen und die

Friedhöfe (Friedhof ist ein schönes Mißverständnis für Frithof, d. h.

eingefriedigter Ort) heißen oft Rosengärten, so auch der Kampfplatz der

Nibelungen bei Worms. Maria trat als Rosenbekränzte an die Stelle der

abgeschafften Göttinnen.

Als Sinnbild der Verschwiegenheit trugen bei den ägyptischen

und griechischen Mysterien (Geheimgötterdiensten) die Neophyten

(Neuaufgenommenen) Rosen. Unter einer in einem Kranze aufgehängten Rose

(~sub rosa~) vertrauten sich die Römer und alten Deutschen Geheimnisse

an. Das Gebet, das an die Geheimnisse der Religion anknüpft und die

dabei dienende Perlenkette wurde „Rosenkranz“ genannt.

Ursprünglich war in den Logen das Tragen eines +Degens+ (oder

Schwertes) unbekannt und blieb es auch bis jetzt überall, wo Hochgrade

nicht aufkamen und das ältere, das englische System bestehen blieb,

so in Deutschland (mit Ausnahme des schwedischen Systems) und in

Großbritannien, wohl auch in Nordamerika. In diesen Ländern mußten

sogar jene Männer, die nach der Sitte des 18. Jahrhunderts einen Degen

trugen, diesen außerhalb der Loge lassen, wie auch heute noch die

Offiziere. Schauberg beklagt dies und hält fest, daß die Freimaurer als

Kämpfer und Ritter des Lichtes das Schwert tragen sollen. Er begründet

dies mit dem Beispiele der alten Götter und Heroen, Könige und Fürsten

als Verteidiger ihrer Völker und deren Herden und führt aus, daß das

Schwert ein Sinnbild des Lichtes sei.

All dies hat nichts mit dem Tragen einer Waffe in der Loge, die

ein friedheiliger Ort ist, zu tun. Angriffe auf die Loge sind

ausgeschlossen, und zu einer Verteidigung genügte nicht das Schwert,

sondern gehörten auch Übung, Taktik und Schießgewehre. Seitdem und

überall wo die Freimaurer nicht mehr Ritter spielen, bedürfen sie des

Schwertes nicht. Wir sollen mit dem +Geiste+ kämpfen.

7. Die Werkzeuge.

Niemand soll und wird es schauen

was einander wir vertraut;

denn aus Schweigen und Vertrauen

ist der Tempel aufgebaut.

Br. +Goethe+, Logenlieder.

~a~) Die symbolischen Hauptwerkzeuge.

Das hauptsächlichste sinnbildliche Werkzeug ist in der Freimaurerei

nach unserer Auffassung der +Hammer+, weil er als Zeichen der Macht,

nur den vorsitzenden Meistern zukommt. Er war auch, in den Urzeiten

der Menschheit aus Stein geformt, das älteste Werkzeug ja schon von

der Natur in der geballten Faust am schwingenden Arme vorgebildet. Er

war bei den alten Germanen das Abzeichen ihres ältesten Gottes Thor

oder Donar und hatte bei ihm dieselbe Bedeutung wie der Donnerkeil in

der Hand des griechischen Obergottes Zeus (bei den Römern Jupiter).

Der Hammer spielte im Kriege (als Streithammer) sowohl als im Frieden,

wo ihn die nützlichen Handwerker führten, seine Rolle, und Schauberg

vergleicht die drei hammerführenden Meister, den Meister vom Stuhl

und die beiden Aufseher oder Vorsteher mit den Götterdreiheiten

der alten Religionen; dieselben vertreten auch die drei Pfeiler der

Freimaurerei: Weisheit, Stärke und Schönheit. Der Hammer ist daher

das Sinnbild der Macht, und zwar für uns Freimaurer der Macht, Gutes

zu tun und Edles zu vollbringen. Man darf ihn daher auch ein Attribut

des höchsten Lichtes, des A. B. d. W. nennen; denn er gehört besonders

dem Baumeister. Schon vorchristliche Zeit ahnte in dem Demiurgos

den einzigen, den allmächtigen Schöpfer. Äußerst zahlreich sind die

Beispiele hammerführender Halbgötter und Heroen, wie der Kabiren, der

uralten griechischen Werkmeister. Auch christlichen Heiligen wurde der

Hammer in die Hand gegeben und der Papst selbst führt ihn, wenn er

bei Eröffnung eines Jubiläums an die goldene Pforte der Peterskirche

klopft, in die dann eine Öffnung gebrochen wird. Es ist wahrlich nicht

zuviel, wenn wir ihm die Spitze der Dreiheit einräumen, die er mit

Winkelmaß und Zirkel bildet.

Wie der Hammer den vorsitzenden, so gehören Winkelmaß und Zirkel

zusammen den übrigen Meistern, das Winkelmaß allein den Gesellen und

der Zirkel allein den Lehrlingen. Das +Winkelmaß+ ist das Zeichen oder

Sinnbild des zweiten der drei höchsten Lichter, des Gewissens, dieses

Vermittlers zwischen Gottheit und Menschheit. Im alten Ägypten war

es Osiris, der Totenrichter, der es trug. Die Pythagoreer hielten es

als das Maß des Raumes, der Zeit und der Zahl hoch. Es soll in der

Freimaurerei zunächst den Gesellen lehren, das rechte Maß zu halten und

die Meßkunst, d. h. Lebenskunst zu erlernen. Seine rechtwinklige Form

lehrt den Maurer, alles rechtwinklig, d. h. redlich und gewissenhaft zu

betreiben, überhaupt gewissenhaft zu leben, das richtige Maß zwischen

Freiheit und Ordnung zu finden, weder in Zuchtlosigkeit, noch in

Untertänigkeit zu verfallen. Die Hellenen fanden zuerst das richtige

Maß in Kunst und Leben, und bei den alten Deutschen war die „Maße“

die Richtschnur des Verhaltens. Die beiden Arme des Winkels weisen

auf Recht und Pflicht hin, die stets in einem rechten Winkel, d. h.

im richtigen Verhältnis stehen sollen; denn das Winkelmaß läßt nichts

Ungleichmäßiges zu. Es lehrt daher auch das echt maurerische Verhalten

unter den Brrn. und berührt sich hierin mit dem Zirkel.

Der +Zirkel+ beschreibt den Kreis und ist daher das Sinnbild eines

Kreises von Menschen im allgemeinen und von Brüdern im besonderen. Er

wird deshalb zur feierlichen Aufnahme in den Bund und zur Beförderung

in die beiden höheren Grade verwendet. Er ist somit ein Sinnbild für

die Menschheit, als drittes höchstes Licht, und zugleich für die

Brüderschaft. Der von ihm beschriebene Kreis ist die vollkommenste

Figur, da er weder Anfang noch Ende hat und überall vom Mittelpunkte

gleich weit entfernt ist, daher er auch die Ewigkeit bedeutet. Der

Zirkel ist ferner Sinnbild nicht nur einer Gemeinschaft überhaupt,

sondern auch einer möglichst vollkommenen tadellosen Gemeinschaft. Wie

die beiden Arme des Winkelmaßes, so müssen auch die beiden Schenkel des

Zirkels das Gleichgewicht zwischen Recht und Pflicht bedeuten. Da aber

der Kreis geschlossen ist, so zeigt er auch, daß Recht und Pflicht ihre

angemessenen Grenzen haben.

Endlich ist der Zirkel auch ein Bild der Ordnung im Weltall, in dem

sich alle abhängigen Gestirne, Monde und Planeten, im Kreise (genauer

in der kreisähnlichen Ellipse) um ihre Richtkörper (Planeten und

Sonnen) bewegen, während zudem alle Weltkörper kugelförmig sind, also

ihr Durchschnitt wieder einen Kreis (oder eine Ellipse) bildet.

So umfassen Hammer, Winkelmaß und Zirkel gewissermaßen im Bilde die

gesamte unsichtbare und sichtbare Welt, die äußere sowohl als die

innere des Menschen.

~b~) Die Nebenwerkzeuge.

Den drei Hauptwerkzeugen entsprechen weitere von untergeordneter

Bedeutung, die aber doch in der Freimaurerei Beachtung genießen.

Dem Hammer zunächst steht der +Spitzhammer+ (oder Pickel?), von dem

gesagt wird, er werde vom Lehrling geführt, um den rohen Stein zu

bearbeiten, d. h. an sich selbst Besserung zu üben. Die nämliche

Bestimmung hat der +Meißel+, aber in etwas höherer Auffassung. Das

Gemüt des Menschen wird, wo von ihm die Rede ist, einem ungeschliffenen

Diamanten verglichen, dessen leuchtender Kern durch die Arbeit mit dem

Meißel zutage treten soll. Es ist damit die Erziehung gemeint, durch

welche die verborgenen Tugenden geweckt werden sollen. Der Meißel ist

aber auch das Werkzeug des Künstlers, der mit ihm aus einem rohen

Block ein wundervolles Werk hervorzaubern kann.

Dem Winkelmaß am nächsten steht das +Senkblei+. Es dient, vermöge des

Gesetzes der Schwere dazu, ein Bauwerk senkrecht aufzuführen, trägt

also zu dessen Geradheit und Festigkeit bei, wofür das sittliche

Gleichnis sich von selbst ergibt. Das Winkelmaß und das Senkblei

bilden in der Logensprache mit der +Wasserwage+ (auch Bleiwage oder

Richtscheit genannt) die 3 beweglichen Kleinodien der Loge. Die

Wasserwage dient dazu, die Steine aneinander zu fügen, so daß sie eine

wagerechte Ebene bilden, sie ist daher ein Sinnbild der Gleichheit,

die unter allen Brrn. in Rechten und Pflichten herrschen soll, des

moralischen Gleichgewichts unter ihnen. Sie ist das Abzeichen des

ersten Aufsehers, wie das Senkblei das des zweiten und das Winkelmaß

das des Meisters vom Stuhl.

Dem Zirkel nahe (weil auch dieser zum Messen dient) steht der +Maß-+

oder +Zollstab+, auch der 24zöllige genannt und als Werkzeug des

Lehrlings (neben dem Spitzhammer) bezeichnet. Seine 24 Zolle (also

2 engl. Fuß) bedeuten die 24 Stunden des Tages und der Nacht, die

in 4 Teile zu je 6 Stunden eingeteilt sein sollen, nämlich 6 zur

Arbeit, 6 zum Gottesdienst, 6 zum Freundes- oder Bruderdienst und 6

zum Schlafe. Natürlich ist das wörtlich zu nehmen unmöglich und soll

nur den hohen Wert dieser 4 Beschäftigungen dartun, den Maurer an

gute und nützliche Verwendung und Einteilung seiner Zeit mahnen. Die

Einteilung des Tages in 24 Stunden war schon den Ägyptern und nach

ihnen den Griechen bekannt und ist später allgemein geworden. Das

Duodezimalsystem beherrschte auch das Leben der Assyrer und Babylonier,

und die Stundenzahl des Tages hängt mit den 12 Monaten des Jahres,

deren 3 auf eine der 4 Jahreszeiten kommen, also auch mit den zwölf

Sternbildern des Tierkreises zusammen. Eine Teilung des Tages in 4

Teile zu 6 Stunden hat auch das schwedische System; sie werden Wachen

genannt und heißen, von 6 Uhr früh an gerechnet, Mittag, Hochmittag,

Mitternacht und Hochmitternacht. Die 6 Stunden jeder Wache entsprechen

den 6 Werktagen der Woche.

Ein für sich, ohne Dreiheit, bestehendes Werkzeug der Freimaurerei ist

die +Kelle+. Sie wird als Sinnbild der Freimaurerei und der Arbeit

im allgemeinen betrachtet und oft als Logenzeichen verwendet. Da sie

zum Streichen des Mörtels dient, bedeutet sie festes Zusammenhalten,

harmonische Ausbildung der Kräfte und treue Pflichterfüllung. Sie

mahnt, ihrem Zwecke gemäß, zur Fernhaltung schädlicher Einflüsse

vom Bunde und von den Brüdern. Nach einer Lehrart soll die Kelle

des Lehrlings unpoliert, die des Gesellen aber poliert sein, um den

Fortschritt dieses Grades in der Ausgleichung der Gegensätze zu

bezeichnen.

Kurzgefaßte Symbolik der Freimaurerei. · 第 3 / 8 段