Etwas später bekam Jenny ein Gipsrelief der Freundin mit diesen Zeilen:
Ludwigslust, den 27. Sept. 1834.
"Um einen freundlichen Blick meiner lieben Jenny möchte ich bitten,
indem ich ihr das unbedeutende Dingelchen in die Hand drücke, welches
meine Züge vor ihre Augen führen möchte. Ruhen sie von Zeit zu Zeit auf
dem kalten toten Gips, so werden sie auch Leben hinein hauchen und die
Seele hervorrufen, die es verbirgt, die die Ihrige liebt und versteht
und sich in froher Vergangenheit vertraut mit ihr fühlte.
"Mag auch jene Vergangenheit immer mehr zur Vergangenheit werden --
mögen gleich tausend Eindrücke das Gemüth berühren, sie wird nimmer
zurückgedrängt, sondern wie ein Glanzpunkt meines Lebens mir theuer und
unvergeßlich bleiben. Sie, liebe Jenny, waren eine der freundlichsten
Erscheinungen derselben, und Ihr Andenken wird sich nie verwischen, es
erweckt nur den Wunsch in mir, Ihnen näher treten zu können, und tiefer
noch in Ihre liebliche zarte Seele blicken zu dürfen.
"Sollte uns auch eine lange Zeit trennen, ich glaube, wir werden uns
doch immer wieder verstehen und gleich nahe stehen. Meine innigsten
Wünsche für Ihr Glück werden Sie umgeben. 'Es gehe dir nie anders als
wohl,' sage ich mit Jean Paul, 'und die kleine Frühlingsnacht des Lebens
verfließe ruhig und hell -- der überirdische Verhüllte schenke dir darin
einige Sternbilder neben dir und nicht mehr Gewölk, als zu einem schönen
Abendrot vonnöten ist!' Denken Sie, wenn Ihr Herz sich freut, auch
einmal an