Der älteste Verehrer J. W. v. Goethe.
"Zu meinem Geburtstag schenkte mir der verehrte Greis einen goldenen
Ring, dessen Stein eine lanzenartige Spitze zeigt.[67] Er nannte diese
mit freundlich-galanten Worten einen Pfeil. Die Zeit und die genauen
Worte, mit denen er allegorische Beziehungen zu freundschaftlich
überschätzten Gaben in mir bezeichnen wollte, habe ich vergessen, doch
fällt das Geschenk in Goethes letzte Lebensjahre. Auch einen
Separatabdruck seiner Iphigenie schenkte er mir mit der auf rosa Papier
geschriebenen Widmung:[68]
Freundlich treuer Gruß und Wunsch zum siebenten September 1830.
Weimar.
Goethe.
"Noch einmal wurde mir die Freude eines poetischen Grußes zuteil. Gräfin
Vaudreuil, die schöne Frau des französischen Gesandten, hatte mich für
sich in Buntstift zeichnen lassen. Sie schickte das Bild zur Ansicht an
Goethe, der, in der Meinung, ich habe es ihm gesandt, mir folgende Verse
zukommen ließ:
Der Bekannten, Unerkannten.
Dich säh ich lieber selbst,
Doch könnt ich nur verlieren,
Wer dürfte dann dein Auge so fixieren.
Am 16. Januar 1832.
Goethe.
"Auf dringende Bitten meiner Schwester und liebsten Freundin Pauline,
welche Nonne im Kloster _Notre dame des oiseaux_ in Paris war, schenkte
ich das Manuskript dieser Verse, vielleicht die letzten von Goethes
Hand, der Bibliothek dieses Pariser Klosters. Der damalige Bibliothekar
war ein sehr gelehrter Abbé, der in Göttingen studiert hatte und
deutsche Literatur, Goethe besonders, kannte und liebte.
"Ein anderes Blatt, das Goethe mir einmal für die Autographensammlung
eines Freundes, der aber inzwischen plötzlich gestorben war, geschenkt
hat, enthält folgenden Vers:
Nun der Fluß die Pfade bricht,
Wir zum Nachen schreiten,
Leuchte, liebes Himmelslicht,
Uns zur andern Seiten.