Jerome.
Gourdex, den 14. Okt. 1850.
Meine geliebte Jenny!
Ich erhalte soeben Deinen lieben Brief vom 4., und ich antworte sofort,
um mich mit Dir, die mich so gut versteht, zu unterhalten. Ich bin
wirklich in einem reizenden, bequemen Haus sehr gut und nach jeder
Richtung hin angemessen unterbracht; die Marquise und ich sind fast
immer allein, selbst mein Adjutant darf nur kommen, wenn er gerufen
wird. Mein lieber Napoleon kommt alle acht Tage, um 24 Stunden mit uns
zuzubringen und dann nach Paris zurückzukehren, wo er eine Arbeit
vollendet, die ihm Ehre machen wird. Ich verlasse Gourdex nur, um meine
liebe Pauline, die recht leidend war, zu sehen; der Weg von Chartres
nach Paris ist eine Spazierfahrt von nur drei Stunden.
Ich bin weit davon entfernt, liebste Jenny, der Politik zuzustimmen, die
die Regierung einschlägt; ich habe mich auch vollkommen von den
Geschäften zurückgezogen; ich bleibe in meinen alten Tagen mit meinen
Erfahrungen allein.
Mit Freude sehe ich, meine Jenny, daß, wenn die politische Situation es
nicht verhindert, die Dinge sich so arrangieren, daß Du binnen kurzem
mit Deinem Mann und Deinen Kindern einige Wochen in Gourdex zubringen
kannst. Ich werde Dir demnächst Näheres darüber schreiben, ebenso über
einen schon halb reifen Plan, den ich für meinen lieben Napoleon habe.
-- Lebwohl, geliebtes Kind, grüße Deinen Mann, küsse zärtlich Deine
Kinder im Namen von Mamas altem Freunde, der ihnen seinen Segen schickt.
Ich drücke Dich an mein Herz, mein liebes Kind.