Jerome.
Chateau de Gourdex, 17. September 1850.
Meine gute und innig geliebte Jenny!
Dein lieber Brief vom 10. vorigen Monats beweist mir wieder, daß mein
liebes Kind ihren Vater, der sie so zärtlich liebt, nicht vergißt, und
das macht mich um so glücklicher, als mein Herz von andrer Seite so
unnatürlich erkältet wird! Es ist ein Ersatz, den Gott mir gab, und für
den ich ihm täglich danke. Unsere liebe Pauline ist immer gut, zärtlich,
liebevoll und befindet sich trotz des schlechten Sommers nicht übel. Ich
bin seit gestern hier, beim schönsten Wetter der Welt, in einer
reizenden Gegend, in vollster Ruhe und allein, ich habe nicht einmal
einen Adjutanten bei mir; ich bedarf der Ruhe, denn die Dinge stehen
schlecht bei uns, und Niemand kann voraussehen, wohin sie führen werden.
Ich habe mich vollkommen von der Politik zurückgezogen, und indem ich
aufs Land ging, habe ich dies öffentlich konstatieren wollen. Ich
vermisse nur meine liebe Pauline, denn Napoleon wird mich nächsten
Sonnabend besuchen. Daß ich Euch, meine Jenny, nicht Alle bei mir haben
kann: Dich, Deinen Mann und Deine Kinder, von denen ich hoffe, daß sie
sich um ihre Liebe für mich nicht erst bitten lassen müssen! Lebwohl,
meine Jenny, ich drücke Dich an mein Herz; küsse Deine Kinder und ihren
Vater, der Dich glücklich macht.