Es ist mir doch noch in dunkler Erinnerung, daß sie niedlich war. --

Und daß ich mein junges Weib im Brautstaat auf das Fleckchen Erde

hinstellte, wo ich mich zum ersten Male im Leben glücklich fühlte, und

wo sich die ersten grünen Sprossen an der bis dahin siechen Pflanze

meiner Künstlerbegabung zeigten, in Laurents Garten in Grèz-par-Nemours

Dep. Seine und Marne, das wird Euch sicher verständlich sein.

Dorthin begaben wir uns unmittelbar nach der Hochzeit. Dort, wo ich

meine Braut in meinem eignen Reich empfing, war es wie im Märchen.

Die alten Männer und Frauen standen die Dorfstraße entlang voller

Erwartung an ihren Gartenpforten, und die Pensionäre der beiden

Künstlerpensionate mit Bewohnern aus aller Herren Länder gaben ein

großes Fest. Essen mit Tanz, Bowlen und Toaste. Spada sang: „=Ah che

dolore, ah Mama mia= ...“ und „der Sarg“ (Coffin war sein englischer

Name) röchelte: „=John Browns body lays at mouldering in the grave= ...“

Aber in der Nacht klang unter unseren Fenstern das schwedische

Quartett: „Welche Blitze aus den Augen Brunhildens ...“ und auf mir

ruhten Karins dunkle ernste Kuhaugen ...

* * * * *

Gott gab mir mein liebes Weib Karin. Und sie gab mir die kleine

Suzanne. -- Mein Leben war jetzt ebenso licht und freudig wie der

Haarschopf der Kleinen.

In einer Ecke des Ateliers stand versteckt das Randstück eines

kassierten Bildes, welches ich einst im Verdruß in Stücke geschnitten

und unter Freunde und Bekannte verteilt hatte. Aber ein Stück behielt

ich selbst. Als bitteres Andenken. Unter anderem war ein Rokokostuhl

darauf gemalt. Darauf kleckste ich das Bild des kleinen lachenden

Würgels, festgehalten von ihrer Mutter.

So setzte ich diesen lichten Punkt auf einen Hintergrund von Sorge, als

Ausdruck jubelnden Glückes!

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration: =Im Schlafzimmer der kleinen Mädchen.=]

[Illustration: =Das neue Buch.=]

[Illustration: Im Atelier.]

[Illustration]

In Paranthese.

Es ist wieder einmal Schriftstellerwetter. Zum Malen taugt er nicht,

dieser Sommer 1902. Das heißt, es geht schon stark dem Spätherbst zu.

Es gießt, und die ganze Natur macht den Eindruck einer nassen

Kompresse. Dennoch finden wir es herrlich, über die Wiesen zu wandern,

weich auf dem schwankenden Moos, wenn es unter den Füßen schwipp,

schwapp sagt. Man geht der Nase nach, den Bach entlang, man schlürft

die neblige Luft, welche anscheinend die Lungen vom Staube rein wäscht,

in sich hinein. Und, denk einmal an, keine Mücken und Schnaken, man

kann sich ganz ungestört seines Lebens freuen.

Und keine Vereine und dergleichen Überflüssigkeiten, erfunden von

dem männlichen Teil der Bevölkerung, welcher all’ dieses als Ausrede

gebraucht, um sich in Kaffeehäusern und Gasthöfen festkneipen zu können.

Jetzt werde ich die Schuhe wechseln, in die Hütte hineinschlüpfen

und von mir und den Meinen schreiben! Wenn ich doch wenigstens,

wie ein richtiger Schriftsteller, zusammenlügen dürfte, soviel ich

Lust hätte. Aber hier bin ich beauftragt, Euch alle meine kleinen

Familieninterieurs auf die Nase zu hängen. Abgesehen von der verdammten

Mühe, bedenkt doch meine persönliche Schüchternheit ...

[Illustration]

[Illustration: Ulf zu Pferde.]

Ulf und Pontus.

In einer Oktobernacht, nachdem ich eine Stunde geschlafen hatte, wurd’

ich um eins geweckt, und Karin sagte mit einem leidenden Lächeln: „Mein

armer Junge, ich hätte es Dir so gern gegönnt, etwas zu schlafen, aber

Du wirst wohl Madame Chose holen müssen“.

In jener Zeit arbeitete ich am eifrigsten an meinem Triptychon,

hatte Modelle für das Gemälde von früh 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr,

und für die Skulpturen von 8 bis 12 Uhr abends, so daß ich wirklich

abgearbeitet war.

Aber dieses war doch ein Beweis dafür, was für eine tapfere Seele meine

Frau ist, und das wollte ich hier nicht unerwähnt lassen. Eine Stunde

später fand sich der Junge ein.

Als ich in dieser freien Republik und im sozialistischen 22. Revier

der Stadt Paris den Bengel Björn nennen wollte, wurde mir das mit der

Bemerkung, daß dieses kein Name sei, ganz einfach verweigert. (Daß

er Pontus heißen sollte, wurde mir erst einige Tage später klar!)

Sie verwiesen mich auf sechs starke Bände, die Namen der gesamten

Christenheit und aller Heiligen enthaltend, worin ich nach der Meinung

dieser Beamtenseelen „=tout ce que fairait votre bonheur=“ finden

würde. Idioten!

Ich nannte ihn vor Ärger auf der Stelle Robert, weil ich am selben

Morgen von jemanden diesen Namen mit der Bemerkung, daß er häßlich sei,

hatte nennen hören.

Jetzt aber steht er jedenfalls in dem schwedischen Kirchenbuch als

Pontus Robert eingetragen, während er in einigen Jahren aus den

französischen Geburtslisten aufgerufen werden wird als der „=Citoyen

Robert=“ geboren von ausländischen Eltern.

~Ulfs~ Name ~träumte~ ich. Obgleich damals statt seiner, seine

Schwester Suzanne ankam: ~Selbst~ kam er erst zwei Jahre später.

Ob diese Jungens irgendwelche militärische Veranlagung besitzen, wird

sich zeigen, wenn „jemand unseren Felsen zu nahe kommen sollte“.

Ich für meine Person hoffe, daß sie tapfer in und durch das Leben

wandern werden, um einmal, wenn der Zeitpunkt da ist, dem Tode mit

Ruhe ins Auge schauen zu können. Ich erinnere sie an die Worte unserer

heidnischen Vorfahren:

~Es gibt nur ein Unglück, und das ist die Schande.~

[Illustration: „Papa, ich esse Waffeln!“]

[Illustration]

Kersti ist das liebenswürdigste kleine Kind, welches es gibt.

Wenigstens kann man sich kein braveres denken. Sie ist immer vergnügt

und langweilt sich nie, ganz gleich, ob sie mit Kameraden oder

Geschwistern spielt oder ob sie allein ist. Vor einigen Jahren war sie

zart und durchsichtig. Wenn sie uns damals weggerafft wäre, hätten wir

das ganze natürlich gefunden und wir wären davon überzeugt gewesen,

daß sie bei der Jungfrau Maria als Hofdame einherginge. Denn ein

solch’ kleines Juwel zu entbehren hätte selbst das Himmelreich sich

nicht leisten können. Alles, was sie in die Hände bekommt, wird ein

Spielzeug. Und oft redet sie in Reimen und Versen.

[Illustration: Bei der Arbeit.]

[Illustration: Liebhabertheater.]

Brita und ich.

So, jetzt wurde ich der Kleinen habhaft und zufällig gerieten wir vor

den Spiegel. Welch’ ein Motiv! Ohne Brita erst los zu lassen, ordnete

ich eine Staffelei, langte mir ein Papier und ergriff eine Feder.

Das Haus in der Sonne · 第 7 / 9 题