Und der Kranke redete immer weiter, ohne zu sehen, wie bleich Willy
war, wie er die Nägel in die Innenfläche der Hand krallte, um nur
ruhig zu bleiben.
Er forschte und fragte immer aufs neue, was der Arzt gesagt habe.
Ein herzzerreißendes Mitgefühl bemächtigte sich Willys. Er konnte es
nicht länger ertragen, die Mutter aus diesem Munde wie einen Engel
gepriesen zu sehen.
Und er rettete sich endlich.
* * * * *
Er schloß sich in sein Zimmer ein, um über diese Qual fortzukommen.
Jetzt erst wußte er, was sie dem Kranken gewesen war. Daß er all
seine Leiden so ruhig und geduldig ertrug, nur weil sie in seiner Nähe
war.
Er hatte nicht mehr die Kraft des ersten Schmerzes, sie anzuklagen und
zu verdammen.
Seit er sie hilflos, ohne Bewußtsein hatte daliegen sehen, so
verändert, bleich und abgezehrt, gealtert um mehr als zehn Jahre;
seit er den wühlenden Schmerz in ihrem zusammengezogenen Gesicht, in
den verkniffenen Lippen gesehen hatte, wagte er nicht mehr, sie zu
verachten, wie er das gestern getan hatte.
Aber eine Erbitterung ohnegleichen hatte sich seiner gegen Reinhold
Petri bemächtigt. Er haßte ihn, denn ~er~ allein war in seinen
Augen der Schuldige.
Einen Augenblick lang kam ihm der Gedanke, ihm gegenüberzutreten und
Rechenschaft zu fordern, -- dann das lähmende Bewußtsein: es war sein
~Vater~, dem er das Leben verdankte, ein Leben, das er jetzt am
liebsten von sich geworfen hätte.