Das Herz schlug ihm, als er zu dem Manne emporstieg, der ihm bis
gestern als sein Vater gegolten hatte.
Aengstlich wartend saß der Kranke in seinem Stuhle, mit bleichem,
eingefallenem Gesichte; seine mageren, durchsichtigen Finger irrten
unruhig spielend auf der Decke, die über seine Knie gebreitet war.
Als Willy eintrat, flog ein Lächeln der Erlösung über das abgehärmte
Gesicht, und er ließ die Hand nicht los, die ihm Willy mit rascher
Ueberwindung hingestreckt hatte.
Er mußte sich neben ihn setzen, und er zog ihn an sich, während er
ängstlich nach der Mutter forschte.
Ahnungslos saß der Aermste da, wie angefesselt.
Und nun fiel es Willy wie eine untilgbare Schuld auf das Gewissen.
Er hatte ihn nie besonders geliebt, sein Leben hatte einzig der Mutter
gehört. Erst jetzt, wo er ihn verloren hatte, keimte eine opferwillige
Kindesliebe in ihm auf, die ihn alles vergessen ließ. Der Schmerz
brachte sie einander nahe, wie zwei gute Freunde.
Wie er um die Mutter bangte und sorgte.
All die verschlossene Liebe, die er je für sein Weib empfunden hatte,
kam ihm auf die Lippen.
Willy saß neben ihm und mußte das mit anhören, jeden Augenblick im
Begriff aufzuspringen, um hinauszustürzen, weil die Qual unerträglich
ward.
Der Kranke hielt ihn an der Hand, zog ihn näher zu sich heran und
erzählte von vergangenen Tagen.