Und er schlich sich in sein Zimmer und holte sich Mantel und Hut. --

* * * * *

Dann irrte er durch die Nacht, mechanisch seinen Weg suchend, ohne zu

wissen, wohin er sich wandte.

So wenig achtete er auf den Weg, daß er hie und da an einen Stein

stieß und zu fallen drohte.

Die Berliner Straße wurde umgepflastert, er geriet einmal in den Teil,

der aufgerissen war, und er stürzte auf einen Steinhaufen nieder, daß

er sich die Hand blutig schrammte.

Dann kam er unter dem Stadtbahnbogen durch, wo sich gerade zwei Züge

kreuzten, und er sah den roten Lichtern nach, wie sie bei der Krümmung

verschwanden.

So gelangte er in den Seepark und ging am Ufer des Neuen Sees hin, auf

dessen totenstillem Wasser der bleiche Mondschein so breit lag, still

und friedlich, als ob es in der Welt nichts gab, was ein Menschenherz

bis in die dunkelsten Tiefen erschüttern konnte.

Er blieb stehen und strich sich über die Stirn, auf der kalter Schweiß

stand.

Seine ~Mutter~! ...

Seine Mutter, die er so abgöttisch verehrt hatte, die er unerreichbar

für den Schmutz der Welt gehalten hatte -- sie war nicht anders als

andere Frauen.

Eine Frau, die ihren Mann betrogen hatte, seinen Vater. Und nicht

minder der jähe Schreck: es war ja gar nicht sein Vater! --

Er konnte diesen Gedanken nicht fassen, daß ein ~anderer~, neben

dem er achtlos hingelebt hatte, mehr Recht auf ihn haben sollte als

der Kranke.

Seit dem Tage, da er erfahren, daß der Professor seine Mutter einmal

geliebt hatte, seitdem war eine unterdrückte Abneigung in ihm

aufgestiegen, die zuweilen sich zum Haßgefühl steigerte.

Und nun sollte ~dieser~ Mann sein ~Vater~ sein!

Eine verzweiflungsvolle Wut bemächtigte sich seiner, daß er durch

~ihn~ seine Mutter für immer verloren hatte. Von seiner

grenzenlosen Liebe war nichts geblieben als ein unendliches Wehgefühl,

wie sie ihm einst alles gewesen war und nun all sein Glaube an sie

zunichte geworden war.

So jählings überraschend war es gekommen, daß er sich noch immer nicht

zu fassen vermochte, daß eine blinde Todessehnsucht ihn überkam,

seiner Qual ein Ende zu machen.

Im Augenblicke fehlte ihm dazu die Energie.

Er empfand eine sinnlose Wollust, sich vorzureden, er sei wahnsinnig

geworden, und alles sei eine Lüge. Aber dann wußte er wieder, daß es

keine Lüge war.

Warum hatte er nicht weiter gelebt in der Lüge.

Mutter!.. · 第 20 / 62 题