Er dachte: „Und schließlich findest du heim ...“

Aber er sagte es nicht. Die Bewegung schnürte ihm den Hals vollends zu.

Sie aber starrte auf den Tisch herab und krampfte die Hände ineinander.

Es waren Minuten, die sich zu Ewigkeiten dehnten.

„Selbstverständlich führe ich Buch über alles, was du schickst. Was

übrigbleibt am Ende des Monats, geht zum Teil an die Sparkasse auf

Isoldens Namen, zum Teil an eine Versicherung. Wenn sie zwanzig Jahre

alt ist, wird ihr eine nette Summe ausgezahlt. Sie kann dann etwas

anfangen oder heiraten ... kurz, sie kann sich ihr Leben schaffen ...“

Karla sah ihn mit großen, feuchten Augen an.

„Das ist schön von dir, Ernst ...“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein. Das ist selbstverständlich. Dazu sind die Eltern da ... Das ist

Notwehr gegen das Leben. Das lernt man an Beispielen.“

Sein Ton wurde wieder lehrhaft, ohne daß er es wollte. Und dieser Ton

gab sie der Wirklichkeit zurück.

„Nächsten Sommer singe ich in Bayreuth -- weißt du das schon?“

Sie sagte es sehr feierlich. Was gab es denn auch Größeres für sie als

ihr Kind, ihre Liebe und Bayreuth?!

Es waren die Gipfelpunkte ihres Lebens, um die all ihre Sehnsucht, alle

ihre Gedanken kreisten. Bayreuth -- das hatte sie noch erleben wollen

-- bevor sie dem Warten Erfüllung gab.

Bayreuth sollte ein Abschied und ein Wiedersehen sein -- ein

glanzvolles Ende und ein seliges Beginnen!

Aber sie brachte nichts von alledem über ihre Lippen.

Er sah ihre Bewegung. Deutete er sie richtig oder falsch --? Er ergriff

ihre beiden Hände, drückte sie an die Lippen und ging.

Sie rührte sich nicht, lehnte totenbleich an der Wand. Hatte er

verstanden? Oder hatte er Hoffnung geschöpft -- eine Hoffnung, die sie

nicht erfüllen konnte ...?

Die ganze folgende Nacht war er aufgeblieben. Hatte sich zu Ronacher

gesetzt und hatte den König-Schampus getrunken, war zu den Schrammeln

gefahren und dann von Café zu Café bis zum frühen Morgen. Hatte sich in

seinem Hotelzimmer aufs Bett geworfen und war dann abends in die Oper

gegangen ... ganz oben, „aufs Paradies“ hinauf, wo die Enthusiasten

sich aneinanderdrängten.

Und die verwöhnte Wiener Jugend raste, wie einst die Kieler Jugend, wie

die Neger und die Brasilianer gerast hatten.

Aber damals war er es gewesen, der ihre Schritte leitete, sie schützte;

jetzt bedurfte sie seines Schutzes nicht mehr, war ihm entwachsen,

entflohen ...

Der Vorhang fiel ein zweites Mal herab. Brausende, tosende Rufe

erfüllten die heiße Luft.

Karla erschien wieder und immer wieder. Durch sein großes Opernglas

konnte er jeden Zug in ihrem Gesicht erkennen. Er sah auch, wie sie

plötzlich stutzte, wie durch die Schminke hindurch ein heißes Rot

ihr in die Schläfen stieg und ihre Augen sich starr auf eine Loge

richteten. Er beugte sich vor, hob sein Glas bis zur Höhe des ersten

Ranges. Da schoß auch ihm das Blut zu Kopf, und seine geraden, dichten

Brauen zogen sich heftig zusammen.

In einem nilgrünen, tief ausgeschnittenen Samtkleid, Brillanten

und Perlen um den blendend weißen, schlanken Hals, zwei flimmernde

Brillantsterne im tiefgewellten, leuchtend roten Haar saß Mariette

de Santos. Neben ihr John Russel, in Frack und weißer Binde, den

kühnen Abenteurerkopf vorgebeugt über die Brüstung, die Hände mit den

krallenartigen Nägeln zu lautem Klatschen vorgestreckt. Hinter dem

Stuhl seiner Frau stand Don Pedro de Santos. Sein Bart lag jetzt lang

und breit wie ein Fächer auf dem bläulichweißen Frackhemd. Er stand da,

regungslos, feierlich, wie es seine Art war, mit dicken, müden Lidern

und sattem Besitzerlächeln.

Elegant und temperamentvoll schlug Madame de Santos ihren Spitzenfächer

gegen den Rücken ihrer Hand, auf die Gefahr hin, ihn zu zerbrechen,

ergriff dann einen Teerosenstrauß, der vor ihr auf dem roten Samt der

Logenbrüstung lag, und warf ihn mit graziösem Schwung auf die Bühne.

Er flog Karla zu Füßen. Sie bückte sich nicht nach ihm und übersah es,

daß ein Kollege ihr ihn reichte. Mit einer letzten Verneigung ging sie

ab und kam trotz allen Rufens und Tobens nicht wieder.

Die Luft wurde Altmann eng und schwül. Er glaubte ersticken zu müssen.

Mit den Ellbogen bahnte er sich einen Weg aus dem Menschenknäuel heraus

und stürzte die endlosen steinernen Treppen hinunter.

Auf der stillen, frostig kalten Ringstraße aber blieb er stehen und

schöpfte tief Atem.

Hatte er das nicht schon einmal empfunden? Hatte er das alles nicht

schon einmal erlebt ...? Wo nur? ... Wann? ...

Und plötzlich wußte er es.

An jenem Abend war es, da die Nordeni von ihrem Elternhause sprach, von

ihrem Vater, der gekommen war, sie zu hören, und dann davongegangen war

auf Nimmerwiederkehr ... an jenem Abend, da auf einer mondbeglänzten

Terrasse Brasiliens ein rotes Schöpfchen vor ihm hergegaukelt war, ihn

um all seine Besonnenheit gebracht hatte ...

Kaum je war ihm der Abend noch eingefallen. Nie hatte er mehr dieses

kurzen Abenteuers gedacht, und nie anders, als mit heimlichem Ärger

über sich, mit kalter Verachtung gegen das kokette Pariser Grisettchen.

Er hatte Karla albern und geschmacklos gescholten, als sie einst darauf

zurückgekommen war, hatte es nicht mal der Mühe wert gefunden, sich

ihre Verzeihung zu erbitten -- und nun hatte er gesehen, wie auch jetzt

noch alles harte Abwehr in ihr war gegen die Frau, um die er ihrer nur

auf kurze Stunden vergessen? War er denn selbst an allem schuld, an

der Entfremdung, der Ferne zwischen ihnen? ... Hatte diese Entfremdung

nicht schon damals begonnen in Brasilien, und hätte er den Weg noch

finden können zu ihr, als sie aus bangem Schauer heraus ihm an den Hals

geflogen war am Totenbett der Nordeni?

Altmanns Schritte hallten in den menschenleeren engen Gassen der

fremden Stadt, die ihn dünkte wie ein unentwirrbares Labyrinth. Nun

stand er zum fünften oder sechsten Male vor der Stefanskirche. Aber er

mochte nicht fragen, ließ sich die Richtung nicht gerne weisen. Und

so war er immer denselben Weg gegangen, und es war immer der falsche

gewesen!

In Wien! Im Leben! In seiner Ehe!

Hatte sich im Kreise herumgedreht und war zum Ausgangspunkte

zurückgekehrt -- in der Sackgasse stecken geblieben -- bei „seinen

Leuten“.

Da fiel ihm das Kind ein.

Und wie ein Sonnenstrahl durchbrach es das dunkle Gewölk um ihn herum.

Mochte sein Leben verpfuscht, vernichtet sein -- das Kind hielt ihn

aufrecht. Die Liebe seines Kindes sollte die Nacht erhellen, die sich

um ihn zusammenballte. -- -- --

Und jetzt, nach so langen Wochen, saß Schmerzchen auf seinen Knien und

fragte, wie Kinder fragen, die lächelnd auf Wunden treten:

„Warum fahren wir nicht nach Wien?“

„Du dummes, dummes Schmerzchen du ...“

So gab auch er ihr, aus verbissenem Weh heraus, den Namen, den die

Mutter ihr gegeben, aus schmerzerfüllter Seligkeit.

[Illustration]

Diese letzten Wiener Herbsttage -- Karla vergaß sie nicht so bald. Auch

ihre Empfindungen nicht, an jenem Opernabend, da sie Mariette de Santos

in der Loge erblickt hatte.

Der Theaterdiener brachte ihr die Teerosen in ihre Garderobe, wo

bereits ein großer Korb mit Riesenorchideen von John Russel stand.

Sie warf die Rosen der Ankleidefrau zu.

Die zornige Erregung über die Dreistigkeit der in all ihrer

Millionenpracht immer noch grisettenhaften kleinen Pariserin überwog

fast die Freude über die Anwesenheit John Russels.

Doch er kam zu ihr am nächsten Tage. Halb Freund, halb Geschäftsmann,

in alter brutaler Offenheit.

„~Well~, Karla König ... ich hätte nicht geglaubt, daß Sie noch immer

in Gefühl machen, wie man in Berlin sagt. Ich habe die de Santos’ in

Paris getroffen, und wir sind zusammen hergereist. Von Paris aus hatten

wir telegraphisch die Loge bestellt. ~Dear me~, die kleine Frau hat vor

Wut über Sie einen Weinkrampf bekommen im Zwischenakt -- sonst wäre

ich schon gestern in Ihre Garderobe gekommen. Ich wußte, daß Ihr ...

daß Mister Altmann in Berlin geblieben ist. So nahm ich an ... ~well~,

wir wollen nicht davon sprechen. Man häutet sich alle sieben Jahre --

schöne Frauen sollen sich sogar öfter häuten.“

Karla lächelte und legte ihre Hand in seine Pranke.

„Sie haben es immer nur gut mit mir gemeint. ... Aber das muß ich Ihnen

sagen, mit dem Häuten ist es nichts bei mir.“

„Hat auch was Gutes, Karla König ... das macht dickfellig mit den

Jahren ... unverwundbar ... Und dann geht’s einem erst recht gut!“

Sie schüttelte leise den Kopf.

Aber John Russel war nicht gekommen, um zu philosophieren. Er kam

mit sehr bestimmten Vorschlägen. Wie lange lief der Vertrag mit der

Wiener Oper? Bis zum übernächsten Jahr vorläufig? Schön. Dann sollte

sie nicht verlängern, nicht anschließend jedenfalls. Ein Jahr sollte

sie sich frei halten für die Metropolitan in New York. Im Juni acht

Vorstellungen in London. Wenn sie vernünftig wäre, konnte er für das

darauffolgende Jahr mit St. Petersburg abschließen. Er bot ihr ein

Vermögen.

Aber sie schüttelte wieder den Kopf. Sie war nicht „vernünftig“ in

seinem Sinne.

Er lehnte sich zurück in den Sessel und legte die Beine übereinander.

Es schwante ihm -- das gab eine lange Sitzung.

„Ich muß Ihnen was sagen, Karla König, es ist ja diesmal gut

ausgegangen -- aber dem Kapelle hab’ ich eins ’reingewürgt. War

ja Unsinn mit Berlin. Berlin ist Ende, nicht Anfang. Das eine Mal

hat man Sie gehen lassen, ein zweites Mal nicht. Hofoper ist eine

Lebensversicherung! Der Tod für den Künstler. Dazu sind Sie zu jung.

Ein Name muß rollen. Rauf und runter. Muß Spektakel machen, anwachsen,

groß werden von allem, was er angesammelt hat, was an ihm hängen

geblieben ist! Sie sagen Bayreuth. Kapelle besauft sich vor Entzücken.

Aber ich sage: Bayreuth ist wie ein Orden. Ich biete Ihnen mehr! Ich

biete Ihnen Gold. Millionen. Weltruf.“

Karla saß vor ihm in einem einfachen hellgrauen Kleid und hatte die

Hände über dem Knie verschlungen. Sie hielt ihre sprechenden braunen

Augen unter den kaum angedeuteten, hochgezogenen Brauen beharrlich

gesenkt. Nur ihre Wangen brannten und verrieten ihre innere Bewegung.

Sie dachte an Schmerzchen. Dachte daran, daß es ihre Pflicht war, für

sie zu sorgen. „Ihr Kind soll das meine sein“, hatte Gaudlitz gesagt

.... Wenn aber Altmann die Sorge des fremden Mannes um das Kind, das

ja auch das seine war, zurückwies? Welchen Leiden ging sie entgegen,

wenn ihr Schmerzchen, ihr erstes, angebetetes Kind, in kümmerlichen

Verhältnissen groß wurde, während ihre künftigen Kinder in Reichtum

aufwuchsen, auf den Höhen des Lebens wandelten ...?

John Russel kniff seine scharfblickenden Habichtaugen zusammen. Holla

... war da wieder ein Mann im Spiel? Wieder einer, den er mitzerren,

durchfuttern mußte? Wieder ein Sekretär, Begleiter, Geliebter oder

künftiger Gatte?

„~Well~, Karla König, überlegen Sie nicht lange. Freie Reise für Sie

und Zofe und -- für noch eine Person, wenn Sie wollen ...“

Da mußte sie lachen.

Und das Lachen gab ihr den Selbsterhaltungstrieb zurück, das stärkste

Gefühl für ihr ureigenstes Recht als Frau. Wie kleinmütig sie nur

gewesen war. Sie schlug die Hände zusammen und lachte wieder, hell,

froh und im tiefsten Innern beglückt über ihr befreiendes Lachen.

„Also abgemacht?“ John Russel hielt ihr die Hand hin.

Sie aber sagte, noch immer vergeblich mit dem Lachen kämpfend:

„Abgemacht ist, daß Sie jetzt bei mir speisen werden. Sonst nichts.

Nicht New York, nicht St. Petersburg -- nicht einmal Wien. Ich

verlängere den Vertrag nicht und schließe keinen anderen.“

Sie legte ihren Arm in den des zum erstenmal vor Verblüffung

sprachlosen John Russel und zog ihn mit sich fort in das kleine

Eßzimmer.

An diesem Nachmittag aber schickte auch sie ihr erstes Lebenszeichen an

Gaudlitz:

„Warten bis nach Bayreuth.“ -- -- --

-- -- -- Lang und still dehnten sich die Tage in Adelens neuer, kleiner

Wohnung. Wenn sie mit Hilfe der Bedienungsfrau ihre drei Stuben instand

gesetzt, ihren Marktbesuch erledigt und das Mittagessen gekocht hatte,

setzte sie sich auf den hohen Tritt vor dem Fenster und spähte nach

ihrem Manne aus. Eines Tages ließ sie sich sogar den unter altem

Gerümpel gefundenen „Spion“ am Fenster anbringen. Der brachte ihr die

größte Zerstreuung, indem er ihr das Bild der Straße in ihre stille

Stube warf. Und auch während ihr Mann seinen Nachmittagsschlaf hielt

oder seine Privatstunden gab, saß sie vor dem stummen Berichterstatter

des Straßentreibens und flickte und stickte. Es war ihr kaum bewußt,

daß sie dasselbe tat, was ihr einst in jungen Mädchenjahren als der

Gipfel des Stumpfsinns an ihrer Mutter erschienen war.

Es waren seltene Festblicke, wenn Vickis „Nurse“ an ihrer Tür läutete

und den eigenwilligen, stets opponierenden Robbi hereinzerrte. Robbis

Gunst war nur von Gassenjungen zu erringen. Großmamas Kuchen und

Schokolade machten ihm nicht den mindesten Eindruck. Von dem Zeug

bekam er zu Hause so viel er wollte. Er greinte und war so lange

unausstehlich, bis er wieder draußen war.

Der Enkel war ein Ruppsack, Vicki in ihrer Fahrigkeit kaum noch für ein

ernstes Gespräch zu brauchen. Sie hatte nie Zeit. Nicht in, nicht außer

dem Hause. Kein gemütliches Fleckchen gab es bei ihr, wo sich Adele

zum Geplauder hätte niederlassen wollen, und wenn es klingelte, zuckte

Vicki zusammen -- ob es am Telephon oder an der Wohnungstür war. Es gab

immer Plötzlichkeiten: Besuche, die kamen oder gemacht werden mußten,

ein Auftrag ihres Bodo, der keinen Aufschub erduldete, ein Brief, der

jetzt in dieser Stunde aufzugeben war. Vicki war immer auf dem Sprung,

immer unruhig, zerstreut, auf Meilen entfernt mit allen Gedanken ...

Und wenn gar der Schwiegersohn nach Hause kam: „... die Mama ist

da? ... So ... ja ... ’Tag, aber ... auf mich bitte zu verzichten

... ich hab’ zu arbeiten ... ich habe Geschäftsbesuch ... ich muß

verreisen ...“ Dann klappten Türen -- zwei -- drei, als wollte er sich

verstecken! Vicki lief wie ein Irrwisch umher, von ihm zu ihr -- von

ihr zu ihm, rote Flecke auf den Wangen ....

Adele kannte diese heißen roten Flecken! Wußte, was an Hast und

Erregung hinter ihnen steckte ... Nein -- Vickis Haus war nichts

für sie. Das war ähnlich, wie wenn man zwischen zwei elektrischen

Straßenbahnen und einem Automobil eingeklemmt war und nicht ’raus

wußte! Diese Aufregung genoß sie zehn Mal am Tage an anderen -- wenn

sie in ihren „Spion“ blickte ... Dafür dankte sie.

Blieb Fritz.

Adele’s Augen leuchteten und feuchteten sich zugleich, wenn sie an ihn

dachte.

Alle Frauen sahen sich nach ihm um auf der Straße, so ein hübscher,

flotter Leutnant war er. Flott ... ja ... zu sehr. Unbekümmert,

liebenswürdig dreist.

„Kram’ in deinem Strumpf, alte Dame ... da findest du noch ein paar

Goldfüchse, wie?“

„Heute nehme ich meine alte Dame mit ins Schauspielhaus ... he? Kabale

und Liebe! Was zum Weinen ... entzückend!“

Er brachte ihr ein Veilchensträußchen für einen Groschen, eine

Schachtel Pralinés für fünf Mark, bestand auf einem Wagen, dem er die

„Tour“ bei ihrem Einsteigen bezahlte, und holte sich am nächsten Morgen

„was aus ihrem Strumpf“.

Sie schüttelte den Kopf, sie weinte sogar. Er aber lachte.

Lachte sorglos beruhigend.

„Meine alte Dame“ -- „Mein alter Herr“ -- es klang feudal. Es brachte

einen Hauch von Vornehmheit in die bürgerliche Dreizimmerwohnung. Adele

bestand darauf, daß ihr Mann den Zylinder aufsetzte, wenn er mit seinem

Sohne ausging. Und sie sah, wie auch seine Augen aufleuchteten, wenn er

den frischen blonden Jungen mit den strammen, schlanken Gliedern vor

sich stehen sah.

Selbst Vicki fand Zeit, mit dem Bruder auszugehen, wenn er aus Küstrin

über Sonntag Berliner Luft schnappen kam. Völkels waren überhaupt

„patente Menschen“, erklärte Fritz zur großen Beruhigung der Mutter,

die sich über die neue geschwisterliche Zusammengehörigkeit freute.

Manchmal frühstückte er mit dem Schwager, beim Austermeyer. Es waren

Bodo Völkels beste Stunden, und er war dann einem kleinen Pump sehr

zugänglich. Selbst einem Pump, der nie zurückgezahlt wurde.

Schwieriger wurde Fritz sein Verhalten zu Altmann und Luise. Er wußte

mit diesen zwei starren, ernsten Menschen, deren Leben so streng

geregelt war, nichts anzufangen.

Wenn auch Luise ihm noch manchmal mit der hageren Hand über das blonde

gescheitelte Haar strich, Altmanns Hand legte sich nur schwer auf seine

Schulter, um der Frage Nachdruck zu geben:

„Keine Dummheiten gemacht, wie? Alles in Ordnung? Ich möcht’ es mir

auch ausbitten!“

Das war kein Ton, der ihm eine Beichte erleichtert hätte.

Bei Tisch saß er strammer, als wenn er der Kommandeuse seine Aufwartung

machte.

Er wußte nicht, wohin mit seinen Beinen und seinen Worten -- so ernst

blickten der Onkel, die Tante und selbst das kleine Bäschen mit den

braunen Zöpfen.

Selbst nach der „Tante Karla“ wagte er kaum zu fragen, seit die

Antworten so merkwürdig einsilbig gelautet hatten und Vicki ihm unter

dem Siegel des Vertrauens einmal zugeraunt hatte:

„Weißt du ... da ist was mulmig ... Daran würde ich in der

Landgrafenstraße lieber gar nicht tippen. Bodo sagt, sie wäre jetzt

eine ganz große Nummer in Wien -- da kann man sich ja denken, nicht

wahr? Mir tut nur das Kind leid. Herrgott, hat sie sich mit ihrem

‚Schmerzchen‘ gehabt! Es war wirklich nicht mehr schön -- na, und was

steckt hinter allen ihren Worten? ... Gar nichts. Das ist eben so am

Theater. Mama hat schon ganz recht, wenn sie sagt, daß Onkel Ernst im

kleinen Finger wertvoller ist als sie. Ja ... er hat eben der Bühne

entsagt und sich ganz der Erziehung seines Kindes gewidmet. Das ist

doch gewiß hochachtbar ... da bin ich ganz Mamas Meinung.“

Einmal, zwischen zwei Zigaretten, im Zimmer des Vaters, brachte Fritz

das Gespräch auf Karla -- schnodderig, ein bischen überlegen.

„Amüsiert sich wohl in Wien, die gute Tante, wie? ...“

Aber er brach ab, als er sah, wie der Vater erblaßte.

„Untersteh’ Dich nicht ... hörst Du ... untersteh’ Dich nicht, in

diesem Ton von ihr zu sprechen! Noch ein Mal -- und Du kriegst es mit

mir zu tun!“

Das junge Blut huschte Fritz über die Stirn. Er stand auf, zupfte an

seinem Kragen.

„Bitte gehorsamst um Verzeihung ... es lag mir fern ... es lag mir

wirklich ganz fern.“

Innerlich dachte er: Sieh Einer meinen alten Herrn an! Hätt’ ich ihm

gar nicht zugetraut! ...

Es war anerkennend; aber ihm war nicht mehr ganz behaglich in der

einfachen Studierstube, mit dem alten bequemen Sessel, den gestrichenen

Bücherregalen und der großen Nietzschebüste auf dem Sockel hinter dem

Schreibtisch.

An den Weihnachtsabend erinnerte er sich genau, da der Vater sie zum

Geschenk erhalten, und erinnerte sich auch noch, wie die Mutter mit

spitzen Fingern die Bücher hochgehoben, die der Vater geschenkt hatte.

Donnerwetter ja ... sein alter Herr mochte wohl was übrig haben für

die hübsche, lustige Schwägerin mit der schönen Stimme ... Er selber

war ja auch verknallt in sie gewesen. Eigentlich nett von seinem alten

Herrn ... Da fiel plötzlich all der dicke, klebrige Schulstaub ab, und

es kam der Mann zum Vorschein, der Kamerad, der Geschlechtsgenosse zum

mindesten, der sich ritterlich vor der Frau aufpflanzte, der seine

Verehrung galt ...

„Ehrenwort, Papa ... war ganz harmlos, die Frage ... ganz harmlos ...“

Alwin Maurer löschte in der Erregung seine halbgerauchte Zigarre.

„Na ja, mein Junge ... das will ich auch annehmen. Denn Du ... gerade

Du ...“

Er dachte an das Schweigen, zu dem er sich Altmann gegenüber

verpflichtet hatte, als er Karlas Hilfe angenommen hatte, und winkte

mit der Hand ab.

„Na ja ... also ... Kein Wort weiter.“

Fritz ruhte nicht eher, als bis der Vater mit ihm ausging, Versöhnung

feiern und ein Glas leeren auf das Wohl der Tante.

„Wir zwei allein, alter Herr ... in einem gemütlichen Eckchen -- is’

recht?“

~Dr.~ Maurer sah ihn an, und ein blasses Lächeln überflog

sein graues Gesicht. Was aus dem Rüpel doch geworden war! Aus dem

„verdammten Bengel“, den er bis zu seinem vierzehnten Jahr in der

Furcht des Stockes gehalten hatte. Bis zu dem Tage, da Karla gekommen

war und von dem Apothekerssohn erzählt hatte -- mit ihrer jungen,

warmen Stimme.

Diese Stimme hatte ihm den Stock aus der Hand gewunden ... hatte

vielleicht in letzter Stunde den neuen Weg gezeigt, den er als Vater zu

gehen hatte. Hatte ihn Milde, Nachsicht, Verständnis gelehrt, hatte ihm

einen Kameraden geschenkt in seinem Sohn!

„Gehen wir, Junge.“

Und heimlich, auf Zehenspitzen, damit Adele sich nicht an sie hinge mit

Fragen und Einwänden, schlichen sie ins Vorzimmer, holten ihre Mäntel

vom Riegel und zogen die Tür leise hinter sich ins Schloß.

Eine Stunde später ging eine Karte ab nach Wien, Kärntner Straße:

„Meine liebe Karla! Sitze hier mit meinem Jungen und trinke mit ihm

auf Dein Wohl, Deinen Erfolg und Dein Glück. Alwin.“ Und darunter in

eleganter, flüchtiger Schrift: „Handkuß von Deinem gehorsamen Neffen

und Bewunderer Fritz.“

Als sie heimkehrten, Fritz bereichert um einen blauen Lappen,

~Dr.~ Maurer in gehobener Stimmung, sagte er:

„Wollen wir doch wiederholen, die kleine Kneiperei -- was, mein Junge?“

„Selbstredend, alter Herr! Wird mir ein Hochgenuß sein ...!“

Und er trug Grüße für Mama auf und verabschiedete sich mit herzlichem

Händedruck vor dem Haustor -- weil er „nach Küstrin zurückmußte“! ...

In Wirklichkeit hatte er eine Verabredung mit Kameraden bei Hiller.

-- -- --

-- -- Zum Frühjahr ließ Alwin Maurers Gesundheitszustand wieder viel zu

wünschen übrig. Es stellten sich ernstere Beschwerden und schließlich

Anfälle von Gallenkolik ein. Der Arzt warnte vor Aufregungen und

Überarbeitung.

Adele lief jetzt wieder alle Tage zu Luise, klagte ihr Leid.

Luise erbot sich, mit dem Bruder zu sprechen. Alwin mußte diesmal nach

Karlsbad -- unweigerlich! Adele nickte und trocknete die Augen.

Gewiß. Das Geld dafür war ja auch zusammen. Aber die Ferien mußten

abgewartet werden. Und bis dahin ...

Wieder fing sie an zu weinen.

Luise legte ihre hageren Arme um die vollen Schultern der Schwester.

„Na, was ist denn noch?“

Adele wickelte ihr feuchtes Taschentuch um die Hand. Leicht gesagt,

keine Aufregungen! Fritz dachte nicht daran, sie ihnen zu ersparen! Er

„aaste“ mit dem Gelde! Alle paar Wochen kam er mit einem Schuldenzettel

an. Sie hatte zusammengerechnet: sechshundert Mark waren in den letzten

acht Wochen zusammengekommen.

Luise schlug entsetzt die Hände zusammen:

„Was habt ihr denn gemacht?“

„Gezahlt natürlich. Erst hat Alwin gelacht. Ich sollte dem Jungen sein

bißchen Leben nicht vergällen mit meinen Predigten! Dann ging er wieder

mal ein Glas Wein trinken mit ihm, um ihm den Kopf zurechtzusetzen --

aber zum Schluß war er nur wieder einen Hunderter los oder sechzig,

siebzig Mark ... Und das reißt nicht ab ... Wenn er sich anmeldet, dann

schlägt mir immer das Herz bis hier oben herauf ...“

Adele schluchzte auf, empfand plötzlich die Tragik ihres Lebens. Alles

war falsch gewesen. Alles, was sie je getan, geraten, gefordert,

erbettelt! Nun stand sie da, verängstigt von der Erfolglosigkeit ihres

Tuns, verprügelt vom Leben, wollte schützen, wollte retten. Konnte

nicht das eine -- nicht das andere.

Blieb wieder nur der Bruder.

Doch er war härter geworden in diesen letzten Jahren, verschlossener

als früher.

Luise hatte einmal gesagt:

„Weißt du, Adele, manchmal kommt es mir vor, als gäbe er uns schuld an

Karlas unverantwortlichem Benehmen!“

Und Adele hatte verständnislos ihre Augen aufgerissen:

„Uns?! Ja ... was können denn wir dafür? Wir, die wir uns immer nur für

sie aufgeopfert haben?“

Mit Mühe hatte Luise sie davon abgehalten, eine Auseinandersetzung

zwischen dem Bruder und ihnen beiden herbeizuführen.

„Tu das nicht ... glaube mir ... Er ist wie eine allzu straff gespannte

Saite. Empfindlich war er immer -- jetzt aber verträgt er kaum eine

leise Berührung! Man muß ihn schonen.“

Und auch jetzt sagte Luise:

„Man muß ihn schonen. Wenn er erfährt, daß Fritz ...“

Sie hatte lauter gesprochen, als sie beabsichtigt, und sie beide hatten

es nicht gemerkt, daß er ins Eßzimmer gekommen war.

„Ist schon wieder was mit dem Jungen los?“

Die Schwestern schraken zusammen. Adele wollte alles vertuschen,

abstreiten. Altmann aber runzelte die Stirn.

„Ich verbitte mir die Geheimniskrämerei. Ich muß wissen. Wenn wir nicht

im Einverständnis handeln, dann ist alles zwecklos. Ihr habt keine

Ahnung, wie man mit solchem Burschen umgeht! Alwins Art ist ein Verderb

für den Jungen! Nicht einen Pfennig darf er über seinen Zuschuß hinaus

kriegen, nicht einen halben Pfennig! Er muß es lernen, auszukommen,

muß es lernen, sich etwas zu versagen!“

Er schlug gegen seine Gewohnheit heftig auf den Tisch.

Fühlte denn Adele nicht, daß es noch immer Karlas Geld war, das der

Junge bekam? Fühlte sie nicht, daß es vielleicht eine Zeit geben würde,

da er keinen Pfennig mehr von Karla würde annehmen dürfen, für sich

oder einen der Seinen --?

„Kann ich Isoldchen noch sehen?“, fragte Adele im Aufstehen.

Altmann machte die Korridortür auf. Er rief:

„Schmerzchen! ... Tante Adele ist da!“

Die Schwestern tauschten einen Blick. Luise nickte dabei: Ja ... ja ...

so nannte er das Kind jetzt oft ...

Adele seufzte auf.

Schmerzchen kam herein; nicht sehr eilig. Ein weißes Schürzchen mit

gestickter Krause deckte fast vollständig das dunkelblaue, an den

Ellbogen geflickte Kleidchen. Ihr Haar war in zwei ordentliche Zöpfe

geflochten, die eine schwarze Schleife zusammenhielt. Ihr Gesichtchen

war länglich und zart, die Brauen gerade und dunkel. Kurze, dichte

Wimpern umschatteten die großen braunen Augen, die rund waren, wie die

ihrer Mutter. Sie knixte, sagte guten Abend. Ihr Lächeln hatte einen

wehmütigen Zug. Ihre Augen blickten meist vorbei an dem, der mit ihr

sprach -- blickten geradeaus durchs Fenster oder zur Tür, als müßte in

der Luft draußen etwas Ersehntes vorüberschweben oder zur Tür irgendwas

Erwartetes eintreten.

Das war ihr nicht abzugewöhnen. Es lag darin eine große, fast

unheimliche Gleichgültigkeit für ihre Umgebung. Nur ihrem Papa und

Pauline, die sie ganz selten einmal besuchte oder zum Großpapa abholte,

sah sie lange und mit heiterer oder ernster Aufmerksamkeit ins Gesicht.

Und auf dem Grunde ihres Ernstes, ihrer Heiterkeit lag es immer wie

eine stumme Frage.

Denn die Erwachsenen hatten ihr verboten, zu fragen -- so oft zu

fragen, wann die Mama käme. „Im Sommer“, sagte Papa ausweichend.

Schmerzchen bekam wunderschöne Ansichtskarten von der Mama, mit so

vielen, vielen Küssen darauf, daß sie sie gar nicht zählen konnte.

Schmerzchen las Mamas Schrift wie Gedrucktes und war sehr stolz darauf.

Mama schrieb so zärtlich, hatte so viele, gute, schöne Wörtchen für

sie. Die Mamas der anderen Kinder hatte sie nie so zärtliche Worte

sagen hören!

Ja ... aber die anderen Mamas blieben bei ihren Kindern, gingen nie

fort von ihnen ... nie. Sie hatte es manchmal aufgeschnappt, wenn Damen

unter sich sprachen: „Ich könnte mich von meinem Kinde nicht trennen

--“, „Ohne mein Kind -- nein, dazu habe ich es viel zu lieb“. Das gab

Schmerzchen jedesmal einen bösen, heftigen Stich.

Seit nun aber der Papa gesagt hatte: „Im Sommer“, hatten Schmerzchens

Zukunftsvorstellungen einen gewissen Umriß erhalten. Sie würde weiße

Kleider tragen und mit Mama spazieren gehen wie andere Kinder. Mama

würde sie von der Schule abholen, und sie würde sagen: „Ich habe keine

Zeit, mich mit euch herumzubalgen, meine Mama wartet unten.“ Ganz laut

würde sie sagen „meine Mama“, daß die ganze Klasse es hörte! Und auf

der Straße würde sie sich von ihrer Mama küssen lassen ... da konnten

die anderen sehen, wie die Mama sie lieb hatte.

Die Aprilsonne brannte bereits durch die Fensterscheiben. Aber wen sie

auch fragte -- noch war es nicht Sommer. -- -- --

Das Fenster stand weit auf, und die warme Abendluft kroch über die

Weinranken und Geranientöpfe der kleinen Loggia in Adelens Eß-

und Wohnstube. Auf dem Tisch lag die Wäsche ihres Mannes. Auf den

Stuhllehnen hingen die Röcke, auf dem Boden standen Stiefel, braune

Schuhe, Pantoffeln. Adele zählte alles durch, trug es auf zwei weiße

Blätter ein, unter die Überschrift: „Verzeichnis“. Sie holte noch eine

Flasche Kölner Wasser, drei Seifenstücke und eine Schachtel Zahnpulver

aus dem Schlafzimmer. Dann stand sie noch einmal auf und holte den

Schwamm, den Waschhandschuh. Zu dumm, wie ihr Gedächtnis nachgelassen

hatte. Bald hatte sie dies, bald das vergessen und jenes übersehen.

Seit Wochen hatte sie nichts getan, als geplättet, geflickt, geputzt,

gekauft. Sie war wie zerschlagen! Der Mann verreiste auf kaum einen

Monat, und es machte ihr fast ebensoviel zu schaffen, wie Vickis

Hochzeit. Wie hatten doch ihre Kräfte nachgelassen in den paar Jahren!

Im Grunde war sie es zufrieden, daß sie allein blieb. Ganz allein. Daß

sie nur sich selbst leben konnte, nicht kochen, nicht räumen brauchte.

Ausruhen durfte. Endlich mal ausruhen! Auch die Bedienungsfrau durfte

ihr nicht ins Haus.

Alwin Maurer kam herein, blinzelte mit den Augen im grellen Weißlicht

der Gaskrone. Er fuhr streichelnd mit der Hand über Adelens Rücken.

„So viele Mühe machst du dir ...“

„Ach was ... komme du nur gesund zurück. Ja und dann bitte ich dich

Alwin ... gib Acht auf deine Sachen. Sieh mal her ...“

~Dr.~ Maurer nickte zerstreut.

„Ja ... ja, gewiß ... danke schön .. Sag’ mal, hat Fritz nichts

geschrieben? Noch immer nicht?“

Sie neigte den Kopf tiefer, drückte das Kinn an die Brust. Daß ihr Mann

gerade jetzt ...

Alwin Maurer baute die Seifenstücke aufeinander. Tiefe Schatten

lagen um seine Augen. Die heftigen Schmerzen, die er in der letzten

Zeit ertragen mußte, hatten eine scharfe Leidenslinie um seinen Mund

eingegraben, die der kurze, rötliche, grauuntermischte Bart kaum

verdeckte.

„Der Junge gefällt mir nicht ... schon eine ganze Weile nicht. Paß auf.“

„Ich soll aufpassen ... ich! Ich kann mich nicht zwischen ihn und

meinen Bruder stellen. Das weißt du. Du kennst Ernst genau so gut wie

ich. Früher war er anders, aber jetzt ... Er hat Worte, die wie scharfe

Messer sind. Wenn er so mit Fritz gesprochen hat ... Fritz ist kein

kleiner Junge mehr ... Fritz ist Offizier. Er selbst hat es ihn ja

werden lassen. Er konnte sich denken, daß ein Leutnant anders auftreten

muß als ein kleiner Schauspieler, ein Lehrer.“

Zum ersten Male in ihrem ganzen Leben gab Adele den heißgeliebten

Bruder der Kritik ihres Mannes preis. Zum ersten Male klagte sie ihn

an, verurteilte ihn.

Jetzt wußte sie erst, wie er war, wie er sein konnte. Jetzt klammerte

sie sich an ihren Mann, erwartete von ihm Trost, Beruhigung, Abhilfe.

„Du mußt noch vor deiner Reise mit Ernst sprechen. Mußt ihm sagen ...“

Aber Alwin Maurer schüttelte den Kopf, und sein Gesicht wurde noch

grauer.

„Wir haben freiwillig auf unser Elternrecht verzichtet, Adele, an

dem Tage, da wir das Anerbieten deines Bruders annahmen. Unsere

+Sorge+ um unsere Kinder gibt uns ein Recht auf sie -- nicht der

Umstand, daß wir sie in die Welt gesetzt haben.“

Adele führte die grobe, dunkle Schürze an die Augen.

„Darum ist er aber doch immer unser Kind ...“

„Ja ... wie Vicki unser Kind ist, seitdem ihr Mann für sie sorgt. Genau

so. -- Zum Packen ist auch noch morgen Zeit. Komm, Adele, laß uns einen

Abschiedsschoppen irgendwo trinken.“

„Ach ja, Alwin ... das wollen wir.“

Sie kleidete sich um, tupfte ein Stückchen Watte in Reismehl und suchte

so die Spuren ihrer Tränen und die heißen Flecken auf den Wangen zu

verwischen.

„So, Alwin ... nun wollen wir vergnügt sein.“

Denn es blieb ja doch das Beste in ihrer langen Ehe, diese Ausgänge

zu zweien, an Sommerabenden, wenn der Flieder blühte oder die Linden

ihren starken Duft ausströmten und sie in der verschwiegenen Stille

eines entlegenen Gartenlokals, beim flackernden Schein einer einsamen

Laterne einander zutranken, und wenn sie sich zurückversetzte in jene

längst vergangene Zeit, da solche Abende, durchduftet von Sommer und

Hoffen, zu den schönsten Augenblicken ihrer einst so schwer erkämpften

Brautzeit gehörten. -- -- --

Die Familie brachte Alwin Maurer zur Bahn, wie einst Karla. Sogar Vicki

erschien mit einem Körbchen, das sie sich mit hastig zusammengekaufter

Backware hatte füllen lassen.

Schmerzchen blickte mit gespanntem Ausdruck auf Onkel Alwin.

„Fährst du nach Wien, Onkel?“ fragte sie.

Alwin Maurer beugte sich über ihr zartes, ernstes Gesicht. Er wurde

ganz rot dabei. „Vielleicht“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Aber das

wissen nur du und ich!“

„Ja“, nickte Schmerzchen.

Und nun wurde auch sie rot. Denn es war ein wichtiges Geheimnis, das

der Onkel ihr anvertraut hatte, und ihr kleines Herz schlug ganz

schrecklich schnell vor Freude darüber.

Alwin Maurer drückte noch ein letztes Mal die ausgestreckten Hände.

„Fritz ist richtig nicht gekommen!“ sagte er.

Altmann überhörte es. Alwin war unverzeihlich in seiner Schwäche. Es

war nur gut, daß er dem Jungen letzthin mal eine ordentliche Standpauke

über seinen „katastrophalen“ Leichtsinn gehalten hatte. Wenn er

noch ein einziges Mal Dummheiten machte, dann würde die Zulage auf

die Hälfte herabgesetzt! Dann sollte er sehen, wie er fertig wurde.

Natürlich -- jetzt maulte er. Spielte den Beleidigten!

„Mach’ dir keine Sorgen, Alwin ... denk’ an dich und nur an dich. Hast

dir’s verdient!“

Altmann schüttelte ihm kräftig die Hand. Ging noch eine Strecke mit dem

langsam abfahrenden Zuge.

„Du ... +sie+ wird wohl jetzt in Bayreuth sein ... Vielleicht ..“

Das „Vielleicht“ war das letzte, was Alwin Maurer noch hörte. Und er

sah die Frauen mit ihren wehenden Tüchern nicht mehr.

Wie aus einem tiefen Schacht heraus brach das Bewußtsein hervor, daß

er mit diesem ratternden Zuge nicht nur der Heilung entgegenfuhr --

sondern auch Karla. Und dies Bewußtsein weckte aufs neue jenes Sehnen

in ihm, das wie ein wildes, wärmendes Licht die traurigsten und ödesten

Strecken seines ereignisarmen Lebens verklärt hatte.

„Vielleicht ...“

Ein letztes, banges Hoffen sprach aus diesem Wort -- aus dem Blick, der

es begleitet hatte ...

Alwin Maurer ließ die Luft um sein Gesicht streichen. Wie wohl das tat

... wie das erfrischte! Anderes Land, andere Menschen ...

Nur gesund werden ... stark ... lebensfroh ...

Und dann ...

Vielleicht brachte er sie wirklich heim -- dem Manne, dem Kinde ... und

sich.

Vielleicht ...

[Illustration]

Im kleinen Speisesaal des Reichenbergschen Palais am Schwarzenbergplatz

wurde von zwei Lakaien das Obst um den ovalen Tisch gereicht.

„Befehlen Durchlaucht den Mokka im Wintergarten?“ fragte der alte

Haushofmeister.

„Hast du noch Zeit?“

Alice Reichenberg sah ihren Bruder an.

Gaudlitz blickte auf die Uhr, nickte.

„Reichlich.“

Fürst Reichenberg, unnachahmlich vornehm und elegant, mit seiner müden,

vornübergebeugten, hageren Gestalt, tauchte die Fingerspitzen in die

silberne Wasserschale.

„Eine furchtbare norddeutsche Gewohnheit, dieses ewige

Auf-die-Uhr-schauen“, meinte er. „Habt ihr den Rhythmus der Zeit nicht

im Blut -- aus der Westentasche seine Tagesbefehle holen ... nehmt’s

mir nicht übel, aber das find’ ich schrecklich! Das könnt’ mir das

Leben verleiden. Oder brauchens auch immer den Metronom, gnä’ Frau?“

Er küßte Karla die Hand -- ein bißchen lässig, wie er alles tat, aber

mit einem in seiner Weichheit fast zärtlichen Blick in den gleichsam

ausgewaschenen, hellen, länglichen Augen.

Karla lachte.

„Ich komme immer zu spät -- trotz all meiner Uhren, denn ich sehe nie

hin.“

Gaudlitz faßte ihre beiden Hände, umschloß sie mit den seinen.

„Ich seh’ schon -- jetzt muß ich dir eine Uhr schenken. Die wirst du

doch ansehen ... oder etwa nicht?“

Er sagte es flüsternd, daß nur sie allein das „Du“ hören konnte. Aber

sie wurde doch rot. Zu rasch war alles gekommen. Noch war ihr diese

äußere Nähe zu ungewohnt. Keine Werbung war vorangegangen, kaum eine

Frage.

Während sie mit Reichenbergs am Morgen nach ihrem letzten Auftreten in

Bayreuth im Hotelgarten frühstückte, war er plötzlich die kurze Allee

heruntergekommen, hatte seinen Strohhut geschwenkt, war an den Tisch

getreten.

„So. Nun habe ich lange genug gewartet!“

Schob mit lachendem Gesicht einen Stuhl zwischen seine Schwester und

Karla, reichte dem Schwager über den Tisch die Hand.

„Jetzt wollen wir wenigstens Vorverlobung feiern -- bei einem Glase

Milch und Butter, mit Honig. Das soll das Symbol unserer Ehe werden,

Karla.“

Sogar Alice Reichenbergs Gesicht wurde flammend rot.

„Du bist unmöglich, Hans Jochen. Ein Wilder.“

Aber Reichenberg meinte:

„Warum denn, Alice? Ich find’ das sehr fesch. Grüß dich Gott, Hansel!

Schad’, daß du die gnä’ Frau gestern nit g’hört hast! ... Also weißt,

wenn Wagner noch lebte ... Heut’ sind wir zum Tee in Wahnfried. Wenn du

willst, führ’ ich dich ein ...“

Gaudlitz schüttelte lachend den Kopf.

„Danke verbindlichst. Das könnt’ uns passen, heute ... Karla, wie?

Sagen Sie selbst?“

Sie widersprach eifrig.

„Doch, Graf Gaudlitz ... ich muß hingehen.“

Gaudlitz gab ihr einen Klaps auf die Hand.

„Erstens: nicht Graf Gaudlitz, sondern Hans Jochen. Nur nicht Hansel!

Mein Schwager hält mich scheint’s für einen Kanarienvogel. Ich möchte

mir’s verbeten haben. So. Und zweitens +müssen+ Sie nichts anderes tun,

als was Sie +wollen+. Von heute ab ist es so. Verstanden? Und was Sie

wollen, das muß genau dasselbe sein, was ich will.“

Karla faßte lachend und nicht ohne Verlegenheit die Hand der Fürstin.

„Alice, schützen Sie mich -- vor diesem Manne.“

Es nahm Karla den Atem. Sie war wirklich nicht vorbereitet auf diesen

Zwiespalt, nicht vorbereitet auf das Kommen von Gaudlitz. Sie hatte an

einen Telegrammwechsel gedacht; an lange Briefe, an ein sich langsames

Gewöhnen -- nun war er da. Lachte sie mit seinen blauen Augen an, als

wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, daß er da war, sie

„Karla“ nannte vor seiner Schwester, von der Ehe mit ihr sprach, ihr

seinen Willen aufzwang ...

Und wenn das Herz ihr auch vor Seligkeit schlug -- da war doch noch

anderes. Viel anderes ... ihr Leben bisher, ihr Erfolg hier ... Ehren,

die ihr -- ganz allein galten ... Verpflichtungen, die sie allein

erfüllen mußte, als selbständiger, freier Mensch -- als Künstlerin ...

Aber nein -- sie mußte richtig absagen in der Villa Wahnfried. Mußte

Alice Reichenberg bitten, sie mit Migräne zu entschuldigen. Durfte

keine Zeitung ansehen, die doch alle Depeschen gebracht hatten, alle

ihren Ruhm verkündeten! Mußte einen Boten zu dem berühmten Maler

schicken, der sie gebeten hatte, ihm zu einer Skizze eine halbstündige

Sitzung zu gewähren; konnte kaum die Karten durchsehen, die für sie

während des Vormittags abgegeben worden waren, die Briefe und Depeschen

lesen, die sich auf dem Schreibtisch ihres kleinen Hotelsalons

stapelten, -- ja, es blieb ihr schließlich nichts anderes übrig, als

in einem weiten Staubmantel, einen dicken Schleier vor dem Gesicht,

in ein Auto zu steigen und sich von Gaudlitz ganz weit weg von allen

abgeklapperten Ausflugsorten entführen zu lassen, nur damit er seinen

Willen hatte und sie ganz für sich behielt an diesem ersten Tage.

Als sie dann am späten Nachmittag heimkehrte, da wußte ihr Mädchen

nicht recht, was mit ihrer „gnä’ Frau“ geschehen war. So glückstrahlend

und geistesabwesend hatte sie sie nie gesehen.

Am selben Abend noch wurde gepackt. Und auch die Rückreise mit

Reichenbergs nach Wien war wie eine Entführung.

Aber Gaudlitz erklärte, er müsse gleich wieder zurück aufs Gut. Das

könnte ihn jetzt nicht entbehren. Die neuen Maschinen wären gerade

eingetroffen, von denen der alte Verwalter nichts hatte wissen wollen.

Da gälte es, seinen Willen durchzusetzen. Die Maschinen müßten in

seiner Gegenwart zusammengesetzt und aufgestellt werden ... Aber vorher

wollte er mit Karla am Tisch und im Hause seiner Schwester ein Glas

Sekt trinken.

Das sollte die Weihe sein.

Fürst Reichenberg lächelte sein müdes, ein bißchen ironisches Lächeln.

„Sozusagen -- die zweite Vorverlobung. Sag’s lieber gleich, Hansel, wie

oft du dich noch mit der gnä’ Frau zu verloben gedenkst ...“

Gaudlitz lachte. „So oft ich wiederkomme: im Herbst und im Winter und

nächstes Frühjahr ... und so weiter -- bis es ans Heiraten geht! Und

darauf, daß es bald ist, wollen wir zusammen anstoßen. Denn viel Zeit

zu verlieren haben wir nicht mehr. Jeder Augenblick muß ausgenutzt

werden!“

Im Wintergarten des Reichenbergschen Palais sagte er ihr noch einmal:

„Keine Minute dürfen wir versäumen. Darum sollst du die Uhr von mir

haben. Mir darfst du nicht zu spät kommen -- hörst du, mir nicht!“

Es flackerte plötzlich wie eine Unruhe, wie eine Angst in seinen

lachenden, blauen Augen auf.

Jetzt, da Karla vor ihm stand, im Hause seiner Schwester, im einfachen

Sommerkleid, war sie ihm so nahe, so vertraut. Als hätte er nicht bloß

in Sehnsucht an sie gedacht diese endlos lange Zeit, sondern als hätte

sie bereits sein Leben geteilt, als wäre sie bereits wirklich durch

die großen hellen Räume des großen weißen Hauses geschritten, des

Grafenhauses, wie die auf Pinnow sagten. Als hätte nicht nur in seinen

wachen Träumen ihre wundervolle Stimme die Halle durchbraust, in der

noch ein alter, verstimmter, langer Klapperkasten stand.

Aus dem Holze wollte Gaudlitz eine Wiege zimmern lassen ... Das gab es

her. Und an dieser Wiege würde Karla sitzen; ihre Stimme würde über

sie fluten, aus dem Schnitzwerk würde es widerklingen. So sollte jedes

seiner Kinder von Vergangenheit und Gegenwart träumen in seinem ersten

Schlaf, Vergangenheit und Gegenwart einen, durch das Singen der Mutter,

das Singen der Wiege ...

Auch ein langer Tisch sollte in der Halle des Grafenhauses stehen ...

so ein Tisch, von dem Karla manchmal geträumt hatte ...

Ein hastiger, herzlicher Abschied. Ein Winken vom Fenster, ein Winken

zurück aus dem Auto. Ein kurzes Ankurbeln, Fauchen und Rattern, und in

stolzem Bogen glitt der dunkelgrüne Wagen mit den zwei Schwägern die

Auffahrt hinab. Wie betäubt blieb Karla noch eine Weile stehen, dann

warf sie sich Alice Reichenberg an die Brust.

-- -- -- Es war heiß in Wien. Es war unerträglich. Und trotz der Hitze

erhob sich von Zeit zu Zeit ein kurzer heftiger Windstoß, jagte den

Straßengängern den Kalkstaub in die Augen.

Reichenbergs waren wieder abgereist, auf ihre Besitzung. Karla sollte

sie besuchen, wenn „das“ überstanden war.

„Das“ ... Die Aussprache mit Altmann.

Karla wollte nicht sprechen. Wollte schreiben. Aber sie hatte schon

zwanzig Briefe begonnen und wieder zerrissen. Es gab ja zu viel zu

sagen! Ihre Feder kam ihren Empfindungen nicht nach.

Auch mit Gaudlitz war es mehr ein Depeschenwechsel. Es war keine

Seltenheit, daß sie drei, vier Telegramme täglich von ihm bekam. War

es nur eines, zitterte sie vor Unruhe. Er ritt Gäule ein, stellte sich

selbst an die Dreschmaschine, um sie auszuprobieren ... kam ein anderes

Mal wieder den ganzen Tag nicht aus dem Sattel und warf sich dann zur

Abkühlung in den kleinen See, wo er eine Stunde lang herumschwamm.

Sie lernte die Angst kennen um einen geliebten Menschen, hatte die

plötzlichen Besorgnisse einer allzu ängstlichen Mutter. Telegraphierte:

„Beschwöre, vorsichtig zu sein. Andern Gaul reiten“ oder „Kaltes Baden

nach Reiten Wahnsinn. Bin außer mir“. Depeschen kamen zurück, aus denen

sein Lachen ihr entgegenschallte: „Liege in Watte gepackt auf Ruhebett,

beginne ungefährliche Stickerei“ oder „gleich um Verzeihung bitten

wegen Feigheit. Pfui.“

Sie lachte, sie weinte, sie stampfte ärgerlich mit dem Fuße auf und

drückte sein Bild an die Lippen.

Sie liebte, wie sie mit zwanzig Jahren nicht zu lieben gewußt hätte --

auch wenn sie ihm begegnet wäre.

Er schickte ihr Blumen: „aus unserm Garten“, Perlen, die „seiner Mutter

gehört hatten“, Bücher, die „er gelesen hatte“.

Die Blumen kamen welk an, und sie legte sie in ihren Wäscheschrank. Vor

den Perlen der Gräfin Gaudlitz hatte sie eine heilige Scheu und hätte

sie nicht eher angelegt, als bis sie den gleichen Namen führte. Die

Bücher legte sie auf ihren Nachttisch, las abends und morgens darin

und wußte doch nichts von ihrem Inhalt, weil ihre Gedanken nach allen

Richtungen hin flatterten.

Ihr Bayreuther Erfolg hatte ihr eine vertrauliche „ganz private“

Anfrage von einer der Berliner Generalintendanz nahestehenden Seite

gebracht, ob sie nicht ....

Russel hatte in einem hundert Worte langen Telegramm sein Angebot

erneuert, die Hofmarschälle zweier regierenden Fürsten luden sie zu

einem Hofkonzert ein. Fast jede Post brachte Gastspielanträge aus allen

großen Städten Deutschlands und Österreichs.

Auch Liebesbriefe liefen ein, schamlos kalte, mit Versprechungen,

die sich in fünfstelligen Zahlen äußerten, überschwänglich

leidenschaftliche, von Narren und Spekulanten; schüchterne von kaum

dem Kindesalter entwachsenen Jünglingen; flammende von hysterischen,

unverstandenen Frauen, denen sie den Weg weisen sollte „aus ihrem

großen, alles verstehenden Künstlertum heraus“. Bettelbriefe kamen: mit

Kronen in der linken Ecke und andere mit Fettflecken am Rand; anonyme

Anträge und Schmähungen, Rechnungen über Gegenstände, die sie nie

gekauft, und Schmuck mit beigelegter Quittung.

Sie dachte an die Zeit, da Altmann ihr alles so klug und bedacht

ferngehalten, was ihr nicht nähertreten durfte, da sie ihn beratend,

oft bestimmend an ihrer Seite gehabt hatte, keinen Finger zu rühren

brauchte, da alles ihr aus dem Wege geräumt war, sie vor keiner

Besudelung, keinem Irrtum Angst zu haben brauchte, da ihr Haus wie eine

Festung gewesen war, unter deren Schutz sie ihrer Kunst gelebt hatte ...

Und wieder würde solch eine Festung sie umschließen, schirmender,

schützender als die erste. Würde auch ihre Kunst mit einschließen -- --

Manchmal durchfuhr es sie dann wie ein leiser Schrecken -- mit

eigentümlichem Prickeln in der Haut und dem Aussetzen eines

Herzschlages.

Die Primadonna · 第 30 / 51 题