Ehrwürd'ge deutsche christliche Gesellschaft,
Edle, biedere Tischgenossenschaft!
Indem ich, als bestellt zum Sprechen,
Zum erstenmale das Schweigen will brechen,
Bitt' ich, dass man es günstig verspüre,
Wenn ich im Knittelvers haranguire;
Denn eingefasst von Rindfleisch und Braten
Dürfte die Prosa zu vornehm gerathen!
* * * * *
Zuvörderst sollt' ich mit zierlichen Worten,
Wie es gebräuchlich aller Orten,
Mit Bezeugung schuldiger Devotion
Ihnen danken für die Decoration,
Die Sie durch dieses Amt mir verlieh'n.
Doch: danke durch Thaten, spricht deutscher Sinn!
Wie hoch ich es schätze im Herzensgrunde,
Mit Ihnen zu bleiben im freundlichen Bunde,
Und allen Ihren Wunsch und Willen
Auch meinerseits gern mag erfüllen:
Beweise, dass mit Herzlichkeit
Ich Ihrem Wunsche mich geweiht;
Beweise, wie ich die Geschäfte,
So lang's verstatten meine Kräfte
Und meine sonst besetzte Zeit,
Werd' immer führen mit Heiterkeit.
Was Sie an Gelde mir werden geben,
Das werd' ich sorgfältig aufheben
Und treulich bewahren und verwalten.
Auch über die Gesetze will ich halten,
Ohn' alles Anseh'n der Person.
Zeigt gute Laune sich oder Liederton,
Will ich, so gut ich kann, mitsingen.
Auch die Gesundheiten will ich ausbringen;
Und erscheint einst der festliche Pokal,
Geziert mit dem Juden Simson zumal,
So werd' ich um weitere Vorschrift bitten,
Und diese sey nie überschritten.
[Fußnote 43: Ueber die Veranlassung zu dieser Rede in Versen hat ihr
Einsender uns zugleich Folgendes mitgetheilt: »A. v. Arnim hatte in
Berlin eine christlich deutsche Gesellschaft errichtet, deren Vorsitz
Fichte an jenem Tage übernahm. Bei dieser Veranlassung hielt er einen
Vortrag in Knittelversen, welcher damals ungemein ansprach und auch, wie
ich bestimmt weiss, noch jetzt in Ehren gehalten wird. Da ich das
Tagblatt besitze, worin dieser Vortrag aufgeschrieben ist, so macht es
mir ein grosses Vergnügen, Ihnen denselben mittheilen zu können.«]
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Im Uebrigen kann ich von meinem Sprechen
In voraus eben nicht viel versprechen.
Zum Beispiel: Witzig zu seyn aus heiler Haut
Ist ein Talent, nicht Jedem anvertraut;
So selten fast als reine Vernunft, ist reiner Witz,
Und beide, denk' ich, sind gleich viel nütz'.
Wer witzig ist, ist's über Was und nebenbei,
Denn Witz ist ja nicht Gold, noch Silber, noch Zinn, noch Blei,
Sondern von Allem nur die Façon!
So Jemand den Witz recht wollte pflegen und nähren,
Der müsst' ihm nur reichlichen Stoff gewähren
Durch tolle Streich' und Narrheiten viel,
Und nur ihn treiben lassen sein Spiel,
Und ja sich hüten, was übel zu nehmen.
Zu dem Ersten wird die ehrbare Gesellschaft sich nie bequemen;
So muss sie denn eben ohne Witz vorlieb nehmen!
Zudem sind die bisherigen Stoffe verbraucht;
Nicht Jude, nicht Philister mehr taugt,
Um an ihnen zu finden ein Körn'chen Spass,
Das nicht schon einigemale dawas! --
Auch will es in der That was bedeuten,
Ueber dergleichen zu spotten vor Leuten,
Dass der Spott nicht auf uns selbst sitzen bleibe.
Den Juden schiebt man sich wohl noch vom Leibe,
Man ist nicht beschnitten; -- ^ergo^ ist man keiner.
Mit dem Philister ist die Sache schon feiner.
Streng genommen, Keiner sich durchschaut,
So lang er steckt in der sündigen Haut,
In Unschuld Keiner soll waschen die Hände,
Wie Keiner selig ist vor seinem Ende!
Ob wir durchaus nicht Philister waren,
Werden wir im ewigen Leben erfahren.
Doch es giebt auch für sterbliche Augen
Kennzeichen, die zur Prüfung taugen,
Dass man sich orientiren kann.
Das Eine geb' ich im Gleichniss an.
Es geschieht wohl, dass Einer träume, er wache,
Und sich's versichre, und glaublich mache,
Und ist doch gerade dies sein Traum!
Wer wirklich wacht, kurzum der wacht,
Und ist nicht weiter auf's Wachen bedacht.
So, wer in der That nicht Philister ist,
Der denket dessen zu keiner Frist;
Ohne seinen Dank und Willen, und schlechtweg er's nicht ist.
Wer aber sich's hin und her beweist
Und Gott am Morgen und Abend preist,
Dass er nicht ist, wie andre Leut,
Ist vom Philisterthum nicht weit;
Ja ihm sitzt die Philisterei
Gerade im Denken, dass er's nicht sey!
Da dieses sich so weit erstreckt
Und bringen kann gar schlimmen Ruhm,
So bleibt vor mir wohl ungeneckt
So Juden- wie Philisterthum!
* * * * *
Doch reinige sich der Gedanke,
Der über Niedrem schwebte,
Um mit dem Höhern ganz sich auszufüllen!
Füllet die Gläser! --
Es lebe die Krone,
Sie steig' auf in der alten Pracht,
Ausgerüstet mit der alten Kraft,
Umgeben von der alten Treue!
C.
Uebersetzungen aus dem Portugiesischen, Spanischen und
Italiänischen.