(Ungedruckt.)
Die Herausgeber, ein Pränumerant.
Die Herausgeber.
Euer Edlen sind, hören wir, ein braver Mann,
Nehmen sich auch der leidenden Menschheit an;
So kommen wir denn von gleichem Triebe
Beseelt und bitten Sie um die Liebe,
Dass Sie doch möchten pränumeriren
Ein Thaler quartaliter auf ein Journal:
Wir werden's Vesta nennen zumal,
Womit wir nächstens die Welt wollen zieren.
Der Pränumerant.
Ihr Journal und die Menschheit in Leiden,
Wie hängen denn zusammen die beiden?
Die Herausgeber.
Die Armen sollen haben ohne Verdruss
Von unserm Gewinne den Ueberschuss!
Der Pränumerant.
Ich verstehe! -- Doch nach welchem Plan oder Geist
Werden Sie denn schreiben allermeist?
Nach welchem wählen die Genossen?
Die Herausgeber.
Nach keinem: -- »Keiner ist ausgeschlossen,
Und jeder Freund der Wahrheit, Anmuth und Kraft
Ist uns willkommen« -- sofern er uns was schafft!
Der Pränumerant.
Ich verstehe ganz: -- ein Allerlei
Von Sauer und Süss mit Façon dabei!
Die Herren, so denk' ich mir's, jucket der Kitzel
Gedruckt zu sehen ihre Papierschnitzel.
Kein Verleger mag sie; für eigenes Geld
Sich drucken zu lassen ihnen auch nicht gefällt.
Da muss die Noth helfen aus der Noth:
Nun können sie eher, ohne zu werden roth,
Antragen auf Pränumeration,
Und den Willigen wünschen ein Gotteslohn!
Wer auch ihres Schreibsels nicht begehrt,
Denkt, es sey den Armen ein Almosen beschert.
Kann's leiden, dass man das Heft mir bringt;
Niemand ist ja, der's zu lesen zwingt.
Indess stehen die Herrn schon schwarz auf weiss,
Mehr wollten sie nicht und sie haben ihren Preis.
Drum genug, ihr Herrn! Hier ist mein Thaler,
Wünsch' Ihnen recht viele und reichliche Zahler,
Damit Ihre geistige Armuth und Noth
Den leiblich Armen schaff' ein Stück Brot!
[Fußnote 42: Zeitschrift, erschienen zu Königsberg 1807.]
Die Herausgeber.
So muss man es durchaus nicht anseh'n,
Obwohl wir selber, wie uns gescheh'n
Nicht recht zu wissen gern bekennen.
Wir wollen für hohe Zwecke entbrennen,
Eingreifen gewaltig in's Rad der Zeit,
Dem Bedürfniss, dem Niemand Hülfe beut,
Auch keiner als wir es kennt, reichen die Hand!
Der Pränumerant.
Ei sieh, Ihr seyd wohl gar auch arrogant?
Die Herausgeber.
Das wollen wir hoffen; -- dies gilt bei den Leuten,
Succurs und Beifall sich zu bereiten!
Drum darf auch die Zeitschrift sich nicht schämen,
Irgend ein Erhab'nes zum Vorwand zu nehmen.
»Wer für den Staat auch nicht die Waffen trägt,
Der ist durch heil'ge Bürgerpflicht bewegt,
Dass er ableite des Volkes Aufmerksamkeit
Von dem die Kriege begleitenden Leid,
Damit er dessen Blicke wende
Von dem unvermeidlichen Kriegselende.«
Der Pränumerant.
Elend nur sieht und er nur sieht das Elend,
Wer selber elend ist im Innersten;
Denn seiner Leere, seines tiefen Grams,
Seiner Zerrüttung Bild steigt aus dem Herzen
In's Aug' empor und lagert ihm sich hin
Ueber der Dinge breite Oberfläche;
Sie geben stets ihm nur ihn selbst zurück!
So auch wer in sich klar und mit sich Eins ist,
Er bleibt gewiss der ew'gen Harmonie
Im trüben, wildverschlungenen Gewirre
Ird'scher Erscheinung; und ihm leuchtet hell
Im Jammer selbst die immer nahe Hülfe! -- --
Ein Herausgeber (ihm nachsehend).
Der Mensch ist ein seltsam Kunstproduct,
Vorweltlich, in alt ogygischem Stil!
Der andere.
Sey ruhig, Herr Bruder, wir sind ja gedruckt;
Das Andre bedeutet uns nicht so viel!
Und wo wär' Etwas von eigenem Werth,
Wogegen sich nicht die Misgunst kehrt?
Beide.
Das ist der plausibelste Trost in der Welt,
Dass man stets sich selber am Besten gefällt!