Du edler Keim, der aus der kalten Erde
Sich unaufhaltsam in das Lichtreich drängte,
Du sinn'ge Blume, die, die Sonne fühlend,
Mit allen Regungen nach ihr sich wandte:
Wir streben beide, doch in anderm Sinne
Jedwedes, liebend nach demselben Ziele,
Und mehr als andres, eint uns dieses Streben,
Und weiht mich dir mit inniger Ergebung.
Nimm diese Früchte, die dasselbe Streben,
Auf dir verschwistertem Stamme hat getrieben!
Vielleicht, dass auch aus uns'rer Lieb' ein Zweig entsteht,
Der einstens zeug' von unsrer höhern Liebe.
Philomele.
Meine Stimme von Staub spricht dich gefällig an?
Aber möchtest du erst hören der Sphären Klang!
Ich zwar sing' in dem Chore gezwungen und gerne. Das Ganze
Fasset allein der sinnige Mensch.
Jenseit des Aethers ström' eine Quelle
Des Tones, der Schönheit, -- diese sind Eins, --
Also lehrete mich mein Meister,
Selber er tonlos, doch schlägt er den Tact!
[Fußnote 41: Der Gattin zum Geburtstage, mit dem Geschenke von
Klopstocks Werken, des Oheims derselben.]