Jeder wird leicht begreifen, welchen erschütternden Eindruck die
Erzählung meiner Mutter auf mich machte! Ich hatte gleich beim ersten
Wort begriffen, daß sie von sich selbst und nicht von einer Freundin
sprach; sie hatte sich ja auch einmal versprochen, und dies bestätigte
nur meine Vermutung. Also war dieser Mann, den ich im Traume gesucht und
jetzt auch im Wachen gesehen hatte, wirklich mein Vater. Er war nicht
ermordet, wie meine Mutter glaubte, sondern nur verwundet ... Er hatte
sie wohl besucht und war, durch ihren Schreck erschreckt, davongelaufen.
Plötzlich wurde mir alles klar; das Gefühl der unwillkürlichen
Abneigung, welches meine Mutter zuweilen gegen mich empfand, ihr ewiger
Gram und unsere Zurückgezogenheit ... Ich entsinne mich noch, daß mich
ein Schwindel erfaßte, daß ich mit beiden Händen nach meinem Kopfe
griff, als ob ich ihn festhalten wollte. Aber ein Gedanke setzte sich in
meinem Kopfe fest; ich wollte unbedingt, koste es was es wolle, jenen
Mann wieder aufsuchen! Warum? Welchen Zweck sollte das haben? Darüber
legte ich mir keine Rechenschaft ab, aber ich mußte ihn aufsuchen, das
war mir eine Lebensfrage! Am nächsten Morgen beruhigte sich meine Mutter
endlich, das Fieber wich ... sie schlief ein. Ich überließ sie der
Fürsorge der Hausleute und der Dienerschaft und machte mich auf die
Suche.