Vor allen Dingen begab ich mich selbstverständlich ins Kaffeehaus, wo
ich den Baron zuerst gesehen hatte; aber dort kannte ihn niemand,
niemand hatte den zufälligen Gast auch nur bemerkt. Auf den Mohren
konnten sich die Wirtsleute wohl besinnen, denn dieser fiel zu sehr in
die Augen, aber wer er war und wo er wohnte, wußte niemand. Ich ließ für
alle Fälle im Kaffeehaus meine Adresse zurück und begann dann alle
Straßen in der Nähe des Hafens, alle Quais und Boulevards der Stadt
abzusuchen, sah in alle öffentlichen Lokale hinein, fand aber nichts,
was dem Baron oder seinem Begleiter ähnlich sähe!... Da ich den Namen
des Barons nicht verstanden hatte, war es mir auch nicht möglich, bei
der Polizei Erkundigungen einzuziehen; ich gab aber einigen
Polizeidienern (die mich allerdings erstaunt und mißtrauisch ansahen)
unter der Hand zu verstehen, daß sie von mir eine anständige Belohnung
bekommen würden, wenn es ihnen gelänge, die Spuren jener zwei Personen,
deren Äußeres ich ihnen so genau wie möglich beschrieb, aufzufinden.
Nachdem ich auf diese Weise den ganzen Vormittag umhergelaufen war,
kehrte ich erschöpft nach Hause zurück. Meine Mutter hatte das Bett
verlassen, doch hatte sich zu ihrer gewöhnlichen Trauer etwas Neues
hinzugesellt, eine wehmütige Ratlosigkeit, die mir wie ein Messer in das
Herz schnitt. Den Abend blieb ich an ihrer Seite. Wir sprachen fast
nichts: sie legte Patiencen, und ich sah schweigend in ihre Karten. Sie
kam mit keinem Wort auf ihre Erzählung und auf die gestrigen Vorgänge
zurück. Es war, als ob wir eine stillschweigende Verabredung getroffen
hätten, alle die unheimlichen und seltsamen Vorgänge nicht zu berühren
... Sie bereute anscheinend schon, daß sie sich zu dieser Erzählung
hatte hinreißen lassen; vielleicht erinnerte sie sich auch nicht mehr
genau, was sie mir alles in ihrem Fieberzustand erzählt hatte, und
hoffte, daß ich sie verschonen werde ... Ich schonte sie auch wirklich,
und sie fühlte es; sie wich wie gestern meinen Blicken aus. Ich konnte
die ganze Nacht nicht einschlafen. -- Draußen erhob sich plötzlich ein
furchtbarer Sturm. Der Wind heulte wie toll, die Fensterscheiben
dröhnten und klirrten, die ganze Luft war von verzweifeltem Winseln und
Schreien erfüllt, als ob sich dort oben etwas zerrisse und mit tollem
Weinen über die erschütterten Häuser dahinflöge. Vor Sonnenaufgang
schlummerte ich etwas ein ... plötzlich schien es mir, jemand sei ins
Zimmer getreten und hätte mich mit leiser doch eindringlicher Stimme
beim Namen gerufen. Ich hob den Kopf und sah niemand; doch seltsam! ich
erschrak nicht nur nicht, ich war eher froh: ich hatte plötzlich die
Überzeugung, daß ich jetzt bestimmt mein Ziel erreichen würde. Ich
kleidete mich schnell an und ging aus dem Hause.