Starke, helle, trillernde Schreie erklangen plötzlich über uns und
wiederholten sich gleich darauf etwas weiter vor uns.
»Es sind verspätete Kraniche, die zu euch nach dem Norden ziehen,« sagte
Ellis, »wollen wir uns ihnen anschließen?«
»Ja, ja! Trage mich zu ihnen hinauf.«
Wir schossen in die Höhe und befanden uns im nächsten Augenblick neben
dem Kranichzuge.
Große, schöne Vögel (dreizehn an der Zahl) zogen in einem Dreieck, stark
und nur selten die gewölbten Flügel schwingend. Kopf und Beine straff
ausgestreckt, die Brust gewölbt, flogen sie unaufhaltsam und so rasch,
daß die Luft rund herum pfiff. Es war so seltsam, in einer solchen Höhe,
in einer solchen Entfernung von jedem anderen Leben dieses starke,
glühende Leben, diesen unbeugsamen Willen zu sehen. Unaufhörlich den
Raum besiegend und zerteilend, wechselten die Kraniche ab und zu kurze
Schreie mit ihrem Gefährten an der Spitze des Zuges, und es lag etwas
Stolzes und Wichtiges, etwas unerschütterlich Selbstbewußtes in diesen
lauten Schreien, in dieser luftigen Unterredung. »Wir werden unser Ziel
erreichen, und wenn es auch nicht so leicht ist,« riefen sie sich,
gleichsam einander aufmunternd, zu. Und da fiel mir ein, daß es in
Rußland -- ach, was sage ich Rußland! --, in der ganzen Welt nur wenige
Menschen gibt, die man mit diesen Vögeln vergleichen könnte.
»Nun fliegen wir nach Rußland,« sagte Ellis. Ich habe schon früher die
Bemerkung gemacht, daß sie fast immer meine Gedanken erriet. »Willst du
umkehren?«
»Umkehren?... oder nein? Ich bin schon in Paris gewesen, nun trage mich
nach Petersburg.«
»Jetzt gleich?«
»Sofort ... Bedecke mir aber den Kopf mit deinem Ärmel, sonst wird mir
übel.«
Ellis hob den Arm ... Doch bevor mich noch der Nebel umfing, spürte ich
auf meinen Lippen die schnelle Berührung jenes weichen, stumpfen
Stachels ...