Der letzte Widerhall meiner Worte war noch nicht verstummt, als ich
plötzlich hörte ...
Es fällt mir schwer zu sagen, was ich hörte. Anfangs war es ein
undeutliches, kaum wahrnehmbares, doch unaufhörlich sich wiederholendes
Trompetengeschmetter und Händeklatschen. Es war, als ob irgendwo in
weiter Ferne, in einem Abgrund eine zahllose Menschenmenge wogte -- sie
war in Aufruhr, sie wuchs an, und ihre Rufe klangen kaum hörbar, wie im
Traume, wie aus tiefem, bedrückendem, tausendjährigem Schlafe. Die Luft
über der Ruine begann sich zu regen und dunkler zu werden ... Ich
glaubte Schatten zu sehen, Myriaden Schatten, Millionen Umrisse, hier
abgerundet wie Helme, dort zugespitzt wie Speere; auf allen diesen
Helmen und Speeren sprühten im Mondlichte blaue Funken, -- und die ganze
Armee, die ganze Masse rückte immer näher und näher heran, immer
anwachsend und wie ein Meer tobend ... Eine unsagbare Spannung, eine
Spannung, stark genug, um die ganze Welt aus den Fugen zu heben, schien
diese Menge vorwärts zu treiben, und keine einzige Gestalt trat einzeln
hervor ... Und plötzlich war es mir, als ob durch die Menge ein Beben
ginge, als ob ungeheuere Wogen zurückprallten und sich zerteilten ...
»Caesar, Caesar venit!« rauschten die Stimmen, gleich den Blättern des
Waldes, in den ein plötzlicher Sturm gefahren ist ... Ein dumpfer
Donnerschlag, -- und ein bleiches, ernstes lorbeerbekränztes Haupt mit
gesenkten Lidern, das Haupt des Imperators kam langsam hinter der Ruine
zum Vorschein ...
In der Sprache des Menschen gibt es keine Worte, mit denen ich mein
Entsetzen ausdrücken könnte. Es war mir, als ob ich auf der Stelle
sterben müßte, wenn dieses Haupt die Augen aufschlüge und die Lippen
öffnete. -- »Ellis!« stöhnte ich, »ich will nicht, ich kann nicht, ich
mag nicht dieses rohe, drohende Rom ... Fort, fort von hier!«
»Kleinmütiger!« flüsterte sie, und wir flogen weg. Ich hörte hinter mir
noch einen ehernen, donnernden Aufschrei der Legionen ... dann wurde
alles dunkel.