Der Nebel vor meinen Augen verzog sich, und ich erblickte tief unter mir
eine unendliche Ebene. Schon an der warmen und milden Luft, die meine
Wangen streifte, konnte ich erkennen, daß ich mich nicht in Rußland
befand; auch glich die Ebene gar nicht unseren russischen Ebenen. Es war
eine große dunkle Fläche, so viel ich erkennen konnte, vollkommen nackt
und öde; hie und da glänzten wie kleine Spiegelscherben stehende
Gewässer; in der Ferne konnte ich schwach die Umrisse eines unhörbaren
und unbeweglichen Meeres sehen. Zwischen breiten schöngeformten Wolken
strahlten große Sterne; ein tausendstimmiges, unaufhörliches und dabei
doch nicht lautes Trillern erscholl von allen Richtungen -- wunderbar
war dieses durchdringende und zugleich verschlafene Singen, diese
nächtliche Stimme der Wüste ...
»Die Pontinischen Sümpfe,« sagte Ellis. »Hörst du die Frösche? Spürst du
den Schwefelgeruch?«
»Die Pontinischen Sümpfe ...« wiederholte ich, und sofort war ich im
Banne dieser majestätischen und schwermütigen Stimmung. »Doch warum hast
du mich in dieses traurige verlassene Land gebracht? Bringe mich lieber
nach Rom.«
»Rom ist nahe,« antwortete Ellis, »mache dich bereit!«
Wir ließen uns etwas tiefer herab und flogen die alte Römerstraße
entlang. Ein Büffel erhob langsam seinen großen zottigen Kopf mit den
kurzen Borsten zwischen den zurückgebogenen Hörnern aus dem Morast. Er
schielte mit seinen stumpfsinnig bösen Augen und schnaubte schwer mit
den feuchten Nüstern, als ob er uns witterte.
»Rom ist nahe,« flüsterte Ellis. »Schau vorwärts, vorwärts ...«
Ich erhob die Augen.
Was ist das Schwarze dort am nächtlichen Horizonte? Sind das die hohen
Bogen einer kolossalen Brücke? Über welchen Strom wölbt sie sich? Warum
ist sie stellenweise durchbrochen? Nein, es ist keine Brücke, es ist ein
alter Aquädukt. Rings ist der geheiligte Boden der Campagna, und dort in
der Ferne ragen die Berge von Albano, und ihre Gipfel und der graue
Rücken des alten Aquädukts schimmern schwach in den Strahlen des
aufgehenden Mondes ...
Wir schossen plötzlich in die Höhe und hielten in der Luft über einer
einsamen Ruine. Niemand hätte sagen können, was sie früher einmal
gewesen war: ein Grabmal, ein Palast, ein Turm ... Dunkler Efeu umrankte
sie von allen Seiten mit seiner erstickenden Gewalt, und unten gähnte
wie ein gigantischer Rachen ein halbeingestürztes Gewölbe. Schwerer
Kellergeruch wehte mir aus diesem Haufen kleiner, dicht aneinander
gefügter Steine entgegen, von denen schon längst die Granitbekleidung
abgefallen war.
»Hier,« sagte Ellis und erhob die Hand. »Hier! Sprich laut, dreimal
hintereinander den Namen eines großen Römers aus.«
»Und was wird geschehen?«
»Du wirst es sehen.«
Ich dachte nach. »Divus Cajus Julius Caesar!« rief ich plötzlich. »Divus
Cajus Julius Caesar!« wiederholte ich gedehnt: -- »Caesar!«