~b~) Sind die jungen Strauße aber schon mit den alten auf

Wanderschaft, und schon so groß wie ein ausgewachsenes Huhn, so können

sie bereits sehr rasch laufen. Nun sieht man von weitem die kleinen

Strauße überhaupt nicht, da sie richtige Schutzfarben haben, indem sie

genau die Steppenfarben gelb und braun durch ihre abwechselnd gelb und

schwarz gefärbten Federkiele nachahmen, an denen sich erst nach und

nach die braunen Fahnen entwickeln. Oft sieht man ein Straußenpaar in

der Ferne und kann sofort an seinem Benehmen erkennen, ob es Junge

bei sich führt. Sobald nämlich die Vögel eine Gefahr merken, locken

sie die Jungen herbei, wobei sie mit gespreizten Flügeln seltsame

Tanzbewegungen ausführen. Dies ist für den erfahrenen Fänger das

sicherste Zeichen, daß das Paar Junge bei sich hat. Wenn er von weitem

mit bloßem Auge oder mit dem Glase diese tanzenden Bewegungen sieht,

muß er zur Fangjagd ansetzen. Nun beginnt zu Pferde ein scharfer

Galopp hinter den Straußen her. Zuerst laufen die Jungen wacker mit,

sind sie jedoch schon etwa so groß wie ein Truthahn, so hat die Jagd

keinen Zweck, da es nur mit ausgezeichneten Pferden und unter völliger

Erschöpfung derselben möglich wäre, die jungen Vögel zu fangen.

Sind aber die jungen Strauße noch klein, so suchen sie sich durch

plötzliches Niederstrecken in das gelbe Gras zu verstecken und bleiben

regungslos liegen. Ihre ausgezeichnete Schutzfarbe macht es dem Jäger,

der durch das Reiten und Jagen erregt ist, fast unmöglich, die Tiere

von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Hat man aber sicher gesehen, daß

die Vögel sich niedergelegt haben, so springt man rasch vom Pferde,

ergreift einen, bindet ihm die Beine zusammen und läßt ihn liegen;

so kann man oft mehrere ergreifen, während die anderen davonlaufen.

Ein Gesperre zählt oft bis zu 30 Kücken. Ist das Pferd noch frisch,

so wiederholt sich der Vorgang mehrere Male. Dann heißt es aber auf

den Spuren zurückkehren und die gebundenen Jungen suchen, wenn die

nachfolgenden Schwarzen sie noch nicht gefunden haben. Manchmal steht

man direkt neben dem gebundenen Tier und kann es trotz angestrengten

Suchens nicht finden, da es sich laut- und regungslos verhält, wenn

es den Verfolger bemerkt. In diesem Falle muß man den jungen Straußen

insofern nachahmen, als man sich selbst regungslos hinstellt. Nach

einigen Minuten hebt der junge Vogel den Kopf, läßt ein rollendes

Piepen ertönen und bewegt sich, so daß man ihn endlich bemerkt und

aufnehmen kann. Ist das Gelände mit einigen Büschen versehen, so daß

es dem Jäger möglich ist, sich darin zu verstecken, so kann er, wenn

er sich ganz ruhig verhält, bemerken, daß nach einiger Zeit die alten

Strauße zurückkehren, um die Jungen zusammenzulocken.

Zum Straußenfang gehört ein besonderer Erlaubnisschein der

Kolonialregierung, der nur zum Zwecke der Straußenzucht erteilt wird.

Die Hauptfeinde des Straußes sind, soweit ich feststellen konnte,

Hyänen und Schakale, die sowohl die Gelege zerstören als auch die

Jungen regelrecht jagen. Beim Straußenfang bemerkte ich einmal vier

Schakale, die am hellen Tage jungen Straußen nachstellten und erst beim

Herannahen unserer Pferde von ihrer Absicht abließen. Während unseres

Jagdzuges in Oldonje-Sambu fingen wir im ganzen 28 Strauße.

Die eingefangenen Kücken werden so schnell wie möglich zur Zuchtfarm

gebracht und dort mit Luzerne und Körnerfrüchten gefüttert. Man

beauftragt hiermit immer denselben Wärter, so daß die Strauße sich an

ihn gewöhnen. Nach einigen Tagen kann man ihn mit den jungen Straußen

auf die Weide schicken, wobei er die Tiere beständig lockt und füttert.

Bald sind die Vögel zahm, so daß sie von der Weide willig wieder ihrem

Wärter nach Hause folgen. Bei guter Pflege wachsen die Strauße sehr

rasch, und nach sechs Monaten kann man von ihnen schon die ersten

Federn nehmen.

Das Gelände bei Oldonje-Sambu war auch zum Fang von Oryxantilopen

gut geeignet. Stellenweise trifft man weite Flächen, auf denen weder

Baum noch Strauch steht, sondern welche einen vollkommen reinen

Grassteppencharakter besitzen. So beschaffene Terrains werden aber

gerade von den genannten Antilopen als Äsungsplätze bevorzugt.

[Illustration: ~Kikuyu~]

[Illustration: ~Kikuyuweiber beim Bereiten von Mehl~]

Die Oryxantilope oder Spießbock Deutsch-Ostafrikas (~Oryx callotis

Thos.~) ist eine große, mit Ausnahme des weißen Bauches bräunlich

gefärbte Antilope. An den Ohren befinden sich lange Haarpinsel. Beide

Geschlechter tragen lange, meist gerade oder nur schwach nach hinten

gekrümmte Hörner, die bei den Weibchen eine längere, aber dünnere, bei

den Männchen aber eine kürzere, gedrungene Form aufweisen. In diesen

Hörnern besitzen die Tiere furchtbare Waffen, die sie gegebenenfalls

auch recht geschickt zu gebrauchen verstehen. Der Jäger, der sich

einer angeschweißten Oryxantilope nähert, um ihr den Fangschuß zu

geben, muß stets darauf gefaßt sein, daß ihn das kranke Tier plötzlich

annimmt, um ihn mit seinen langen Spießen zu forkeln. Die Gattung Oryx

ist ziemlich verbreitet. Nahe Verwandte der in Ostafrika lebenden Art

(~callotis~) finden sich in Süd- und Südwestafrika, im Somaliland

und in Arabien.

Wie bei den meisten größeren Vertretern der wild lebenden Tierwelt

kommen auch bei den Oryxantilopen für den Fang nur die Jungen

in Betracht. Drei bis vier Wochen nach der Setzzeit bietet sich

die günstigste Gelegenheit, die Kälber einzufangen. Man verfährt

hierbei gerade wie beim Zebrafang, um sich zu Pferde an das Wild

heranzupirschen und die Jungen von der Herde abzusprengen. Ist man an

die letzten herangekommen, so ist es äußerst schwer, ihnen wegen der

schon ziemlich langen Hörner einen Lasso überzuwerfen. Ist dies aber

geglückt, so hat man es hier mit dem widerspenstigsten Ziegenbock

der Steppe zu tun. Die jungen Oryx gebärden sich wie toll und rennen

mit gesenkten Hörnern gegen jeden an, der sich ihnen nähert. Die

komischsten Szenen erlebt man bei diesem Fang. Beim Verfolgen eines

jungen Oryx flüchtete dieses durch die Krone eines umgestürzten

Mimosenbaumes, und mein Begleiter, der das Pferd nicht mehr ablenken

konnte, sauste hinter ihm drein. Pferd und Reiter kamen durch die

brechenden Dornzweige hindurch, während die schon ziemlich große Oryx

in der Baumkrone hängen blieb.

Auch bei der Fütterung und Zähmung sind die Spießböcke die

widerspenstigsten und undankbarsten Zöglinge und stellen die Geduld des

Pflegers auf die stärksten Proben. Keine andere Antilopenart ist von so

unzugänglichem Charakter.

Es ist eine äußerst anstrengende Arbeit, bis man dem beständig

blökenden und bockenden Tiere Halfter und Fesseln angelegt hat. Im

Laufe des Jagdzuges glückte es uns, zehn Stück Oryx zu fangen. So

unangenehm und ermüdend der Oryxfang selber ist, so wunderbar schön

ist der Anblick einer flüchtenden und dann seitwärts abbiegenden großen

Herde dieser Antilopen, deren über einen Meter lange Hörner bei der

Flucht bei langgestrecktem Halse wie auf dem Rücken zu liegen scheinen.

Ein unauslöschlicher Eindruck verbleibt jedem, der dies gesehen hat und

durch die flüchtende Herde mit dem Pferde gesprengt ist.

Beim Oryx-, Giraffen- und Zebrafang gilt genau das, was ich beim

Elefantenfang von den Jagdhunden geschildert habe, auch für die

Jagdpferde. Wie man auch die mutigsten Jagdhunde an das unbekannte

Wild gewöhnen muß, ehe man sie mit Erfolg verwenden kann, so müssen

ebenso die Jagdpferde die zu jagenden Tiere zuerst kennenlernen und

an sie gewöhnt werden, da jedes Pferd vor einem ihm fremden Tiere

eine instinktive Abscheu hat. Ist aber das zur Jagd zu verwendende

Pferd richtig angeleitet, so lernt es bald seinen Herrn und dessen

Absicht verstehen und hilft ihm, ja es gerät selbst in den höchsten

Jagdeifer, sobald es verstanden hat, worum es sich handelt. Es ist mir

vorgekommen, daß mein Jagdpferd so eifrig beim Zebrafang mitwirkte, daß

es nach dem erreichten Zebra direkt biß. Beim Fang von Oryx, die die

Gewohnheit haben, wenn sie verfolgt werden, in scharfen Winkeln mitten

im Lauf abzubiegen, machte mein Pferd diese Wendungen so schnell von

selbst mit, daß ich die größte Mühe hatte, hierbei nicht aus dem Sattel

zu fliegen.

Dem Pferde am widerlichsten scheint das Warzenschwein zu sein.

Diese Tiere leben in der Steppe in Erdlöchern, welche die Bachen

mit ihren Frischlingen oft am hellen Tage verlassen, um auf

Nahrungssuche zu gehen. Das Warzenschwein (~Phacochoerus aeliani

massaicus Lönnberg~) ist etwa so groß wie unser Wildschwein und

ein Allesfresser mit sehr starkem Gewaff, welches aus zwei scharfen

Gewehren und zwei sehr stark entwickelten, weit aus dem Gebreche

seitwärts hervorragenden Hadesern besteht; zweifellos ist es in seinem

Äußern eines der häßlichsten der heute existierenden Tiere. Hat man

eine Bache mit ihren Frischlingen gesichtet, so geht es in vollem

Galopp hinter ihr drein. Einen komischen Anblick gewährt dabei die

Alte mit ihrem beim Lauf steil nach oben gerichteten Bürzel. Die Sau

sucht sofort eines der Erdlöcher zu erreichen und verschwindet dort mit

ihren Jungen. Es heißt daher, eines oder mehrere Junge abzusprengen

und zu verfolgen. Ist das junge Warzenschwein genügend ermüdet, so

macht es kehrt und nimmt den Reiter an. Nun springt man schnell vom

Pferde und sucht den Frischling zu ergreifen. Am besten packt man ihn

beim Hinterlauf, während er mit aller Macht mit seinem langen Schädel

und den schon scharfen kurzen Waffen um sich haut. Auch versucht er

mit den scharfen Schalen seiner Füße angestrengt sich zu befreien,

so daß wir oft mit zerfetzten Kleidern zurückkamen. Hierbei quieken

diese widerlichen Tiere ohrenzerreißend, was auf die Nerven der

bestdressierten Jagdpferde so wirkt, daß sie oft ausreißen, wenn man

sie nicht festhalten kann. Vorteilhaft ist es, beim Warzenschweinfang

leere Säcke mitzunehmen, um nun die gefangenen Tiere hineinzustecken.

In der Gefangenschaft werden diese urkomisch anzusehenden jungen

Warzenschweine sehr zutraulich und bald gänzlich zahm.

Hieran anschließend möchte ich noch in Kürze des Fanges von Raubzeug

Erwähnung tun. Die Großkatzen, Löwen, Leoparden und Geparden, fängt

man in eigens hierzu konstruierten Kastenfallen, um sie unverletzt in

seine Gewalt zu bekommen, denn nur völlig unversehrte Exemplare haben

für den Tierhandel einen Wert. Am besten ist es, ganz junge Tiere zu

fangen, da diese sich in ganz kurzer Zeit zähmen lassen und auch nur

geringe Fang-, Futter- und Transportkosten verursachen. Beschränkt

man sich auf den Fang junger Großkatzen, so kommt die Verwendung

schwerer Kastenfallen, deren Transport in die Steppe und Aufstellung an

geeigneten Plätzen immer eine sehr zeitraubende Arbeit ist, in Wegfall.

Man schlägt vielmehr hierbei folgenden Weg ein: Durch Eingeborene

wird das Revier abgespürt und es werden die Schlupfwinkel, in welchen

sich die Alten mit ihrem Nachwuchs aufhalten, festgestellt. Ist dies

geschehen, so sucht man sich der Jungen in einer Zeit zu bemächtigen,

in welcher das Muttertier vom Lager abwesend ist. Trifft man die Alte

aber in ihrem Schlupfwinkel an, so ist es natürlich notwendig, dieselbe

zuerst zu erlegen, ehe man die Jungen mitnehmen kann.

Auf eine ganz andere, und zwar sehr einfache Art verfährt man bei

dem Fang von Hyänen. Die hierbei anzuwendende Methode fußt auf der

Tatsache, daß die Sprungfähigkeit dieser Raubtiere infolge ihrer

verhältnismäßig kurzen Hinterbeine eine sehr beschränkte ist, was sich

der Fänger folgendermaßen zunutze macht: Man läßt einen etwa 1,50 Meter

tiefen und 1 Meter breiten Graben mit senkrechten Wänden ausheben,

der kreisförmig ein Stück des Steppenbodens umschließt, das gleichsam

wie eine Insel in seiner Mitte emporragt. Um den äußeren Grabenrand

wird aus Buschzweigen ein kleiner Zaun von etwa 50 Zentimeter Höhe

errichtet, der den Hyänen die Aussicht auf den Graben verdeckt. In der

Mitte der Insel bringt man einen Köder an, der entweder aus Fleisch

oder auch aus einer lebenden Ziege bestehen kann. In der Nacht kommen

die Hyänen, vom Aasgeruch oder vom Meckern der angebundenen Ziege

angelockt, herbei, setzen über den Zaun und stürzen in den Graben. In

der Meinung, daß sie aus demselben herauslaufen können, rennen sie

immerzu, ohne zu merken, daß sie sich beständig im Kreise herumbewegen.

Es ist vorgekommen, daß ich manchmal in einer Nacht mehrere dieser

Tiere in einer solchen Falle fing, bisweilen sogar mehr, als mir lieb

war. Die Hyänen aus dem Graben herauszubringen, ist sehr einfach. Ein

Kasten mit hochgezogener Schiebetür wird hinabgelassen, in blinder Wut

stürzt sich das Raubtier hinein, die Falltür schließt sich, und nun

wird der Fangkasten mit Inhalt wieder hochgehißt. Durch eine zwischen

den Brettern befindliche Ritze wird das Tier in Augenschein genommen,

und von dieser Besichtigung hängt das weitere Schicksal der Hyäne

ab. Ist es ein altes, für Menageriezwecke unbrauchbares Exemplar,

so schenkt man ihm gewöhnlich wieder die Freiheit, denn die Decke

der Hyäne hat wenig Wert, und hier in der freien unbewohnten Steppe

verursachen sie den Menschen keinen Schaden. Ist das gefangene Tier

aber jung und kräftig, so wird es in einen Transportkasten gebracht.

Transportkästen für Hyänen müssen immer mit Eisenblech ausgeschlagen

sein, denn eine Hyäne ist imstande, eine zwei Zoll dicke Bretterwand in

verhältnismäßig kurzer Zeit durchzubeißen.

Auf die oben für den Hyänenfang beschriebene Art fängt man auch

Schakale; da aber Schakale auch sehr leicht in Kastenfallen gehen, die

für andere Tierarten, wie Ichneumons, Ginster- und Zibetkatzen usw.

aufgestellt sind, so ist es nicht nötig, für den Schakalfang allein

derartige Fanggräben anzulegen.

Mit dem Einfangen der Tiere ist es aber nicht allein getan. Kam man

todmüde und ermattet von den anstrengenden Ritten nach Oldonje-Sambu,

so begann hier erst die eigentliche Arbeit, denn jede Tierart mußte

in besonderen Gehegen oder Kästen gehalten werden. Schutzdächer gegen

Sonne und Regen waren zu errichten und den jungen Tieren täglich

mehrere Male ihre Milch oder ihr sonstiges Futter zu verabreichen.

Welche Aufmerksamkeit, peinliche Sorgfalt, Sauberkeit und große

Erfahrung, und vor allem, welches Maß an Tierliebe eine solche

Tier-Kinderstube verlangt, um die Tiere an ihre Gefangenschaft und

den Umgang mit Menschen sowie an das veränderte Futter zu gewöhnen,

kann man sich schwer vorstellen, wenn man es nicht selbst mitgemacht

hat. Die Beschaffung des Grünfutters, die Verabreichung der Milch,

die Pünktlichkeit in der Einhaltung der Futterzeiten erfordern die

beständige, scharfe Aufsicht eines Europäers. Niemals darf man die

Arbeit den Schwarzen allein überlassen. Da ich nun auf Fangzügen oft

mehrere Tage vom Lager abwesend sein mußte, so übernahm meine Frau,

unterstützt von Frau de Beer, die Aufsicht. Das war für mich eine große

Entlastung.

Aber trotz der anstrengenden Arbeit und des vielen Ärgers mit

Negern und Tieren, sind uns die Tage von Oldonje-Sambu unvergeßlich

geblieben. Die Sonn- und Festtage in Gesellschaft der patriarchalischen

Burenfamilie, sowie des trefflichen deutschen Lehrers, Herrn Kaufmann,

beim unvermeidlichen Nationalgetränk der Buren, stark mit Milch und

Zucker versetztem Kaffee, gehören zu unseren schönsten afrikanischen

Erinnerungen.

Bis Ende Januar hatten wir genügend Tiere gefangen und so weit gezähmt,

daß sie mit dem Frühjahrstransport nach Stellingen abgehen konnten, den

ich diesmal selbst leiten wollte.

Ich möchte aber nicht verfehlen, hier noch zu schildern, wie man zu

einer bequemen Jagd mit Burenwagen in die Steppe zieht. Eine solche

Fahrt machte ich mit meiner Frau und der mir befreundeten Burenfamilie

von Oldonje-Sambu aus. Als Vorbereitung fing im Burenhaus ein großes

Backen und Braten an. Einige Schafe wurden geschlachtet, um als

Fleischvorrat für die ersten Tage mitgenommen zu werden. Vorkehrungen

wie zu einer Auswanderung wurden getroffen: der riesige Burenwagen

hergerichtet, die Segelplane ausgespannt, Betten, Stühle, Tische,

Küchengerät aller Art, eine große Fleischhackmaschine und ansehnliche

Mengen von Salz, Gewürz und Mundvorräten auf den Wagen geladen, dessen

hinterer, von der Plane überdeckter Teil immer als Schlafplatz dient.

Hier richteten sich die Frauen häuslich ein. Acht Paar Ochsen, von

einem Buren geleitet, genügten, in dem flachen Gelände der Steppe

den schweren Wagen zu ziehen. Wir Männer ritten voraus, hinter dem

Wagen folgten einige meiner Träger in fröhlicher Stimmung, denn sie

hatten keine Last zu tragen und freuten sich auf die fleischreichen

Tage, die nun kommen sollten. Wir fuhren etwa sechs Stunden durch

die wildreiche Steppe. An einer Wasserstelle unter Akazienbäumen

machten wir halt. Die Ochsen wurden ausgespannt und weideten, von

Schwarzen beaufsichtigt, mit den an den Vorderfüßen gefesselten Pferden

zusammen neben dem Lager. Ganz in unserer Nähe konnten wir zwei

kapitale Oryxantilopen erlegen. Sie wurden aus der Decke geschlagen,

zerwirkt, ein Teil des Wildbrets in etwa zwei Finger dicke und 30

Zentimeter lange Streifen geschnitten, mit Salz bestreut und zum

Durchsalzen wieder in die frischen Decken eingeschlagen. Zum Schutze

vor Hyänen wurden diese mit Fleisch gefüllten Häute über Nacht an den

Akazienbäumen aufgehängt. Ein anderer Teil des Wildbrets wurde mit

mitgebrachtem frischem Hammelfleisch durch die Fleischhackmaschine

getrieben, mit reichlichem Gewürz vermengt und in die sorgfältig

gereinigten Dünndärme der Oryx gefüllt. So entsteht eine Steppenwurst.

Den Rest des Wildes vertilgten unsere Schwarzen gründlich. Die Würste

sowie die gesalzenen Fleischriemen werden auf ausgespannte Stricke

zum Trocknen an der Luft aufgehängt. Frisch gebraten schmeckt die

Steppenwurst ausgezeichnet. Das getrocknete Fleisch ist unter dem Namen

„Biltong“ bekannt, eine bei den Buren geschätzte Konserve. Die Decken

des Wildes verarbeitet der Bure entweder zu Riemen oder er gerbt sie

zu Leder. Die an Stelle der Stricke bei den Buren verwendeten Riemen

werden aus ungegerbten frischen oder wieder aufgeweichten Decken des

Wildes zugeschnitten. Um möglichst lange Riemen zu bekommen, wird das

Fell vom äußersten Rande nach innen zu spiralförmig geschnitten. Durch

ein besonderes Verfahren versteht es der Bure, diese ungegerbten Riemen

dauernd weich und geschmeidig zu halten.

Wir lagerten an dieser Wasserstelle mehrere Tage und machten mit

unseren Pferden herrliche Ritte nach allen Richtungen. Hier konnte

ich wiederum die schon früher erwähnte Tatsache feststellen, daß ein

berittener Jäger vom Wilde viel weniger beobachtet wird als ein Jäger

zu Fuß. Offenbar halten die Tiere die Pferde von weitem für Zebras und

werden dadurch nicht beunruhigt. Deshalb ist es für den berittenen

Jäger ein leichtes, seine Kugel anzubringen und ein angeschweißtes Tier

zu verfolgen.

Somit ist die Jagd mit Burenwagen und Pferden verhältnismäßig

mühelos und bequem. Ich kann daher jüngeren Huberti, die hier in

den Hochländern dem Weidwerk obliegen wollen, diese Art des Jagens

nicht genug empfehlen, denn einerseits ist diese Methode nicht

besonders anstrengend und kostet auch nicht mehr als das Reisen mit

Trägerkarawanen; andererseits gewährt sie viel größere Bequemlichkeit

und die Möglichkeit, große Strecken zu durchstreifen. Wir sahen während

unserer Ritte unglaubliche Mengen von Wild. So konnten wir eines Tages

in nächster Nähe 68 Giraffen zählen, die ruhig an uns vorbeiwechselten.

Es war dies ein sonderbarer Anblick, jedoch hatte diese Herde leider

keine Jungen bei sich, so daß von einem Fang gar keine Rede sein

konnte. Immerhin bot sich mir aber sonst doch Gelegenheit, meinem Beruf

nachzugehen, und so brachte ich von unserem achttägigen Ausflug mit dem

Ochsenwagen drei junge Spießböcke und zwei Zebras nach Oldonje-Sambu

zurück.

Zu dieser Jahreszeit war das Wild selbst hier so zahlreich, daß öfters

des Nachts die Zebras dicht bis an unsere Zelte kamen. Infolgedessen

fehlten auch Löwen nicht. Eines Morgens lag eine zerrissene,

hochtragende Zebrastute nur 600 Meter von unserem Tierkral entfernt.

Der Löwe hatte das Gescheide gefressen, und das ungeborene Junge lag

unberührt neben dem Kadaver. Das zerrissene Zebra vergifteten wir mit

Arsenik, und am nächsten Morgen hatten wir zwei tote Löwen daneben

liegen. Obwohl das Vergiften der Räuber nicht weidmännisch ist, so

mußten wir doch diesmal aus einfacher Notwehr zu diesem Mittel greifen,

um die Pferde und das gefangene Wild zu schützen.

[Illustration: ~Das Resultat monatelanger, mühevoller Fangarbeit~]

[Illustration: ~Mitten im Urwald~]

[Illustration: ~Sichernde Giraffe~]

Die nächsten Wochen galten den Vorbereitungen zum Abtransport der neu

eingefangenen Tiere nach der etwa 100 Kilometer entfernten Bahnstation

„Neu-Moschi“. Der Transport bestand aus 4 Giraffen, 2 Nashörnern,

21 Gnus, 2 Elenantilopen, 10 Zebras, 9 Oryx, 6 Warzenschweinen, 1

Erdferkel, 10 Geparden, mehreren Schakalen, Hyänen und 2 jungen Löwen,

dazu noch Affen, Vögel, Schlangen, Käfer usw. usw.

Es ist durchaus keine leichte und einfache Sache, eine solche

Tierkarawane auf einer durch einsame Steppen führenden Straße nach

ihrem Verladeplatz zu dirigieren. Der Transport von Raubtieren,

Warzenschweinen, Affen, Vögeln und sonstigem Kleingetier ist noch am

einfachsten, da diese Tiere in Kästen verstaut und auf dem Ochsenwagen

oder auf den Köpfen der Neger weiterbefördert werden. Anders verhält

es sich mit den großen Pflanzenfressern, die gewissermaßen mit ihren

Wärtern in Reih und Glied mitmarschieren müssen. Sie sind es, welche

die Aufmerksamkeit des Transportleiters und seiner Leute am stärksten

in Anspruch nehmen und seine Geduld manchmal auf eine harte Probe

stellen, da sie öfters durch ihre Mucken und Launen den Weitermarsch

um beträchtliche Zeit verzögern. Jede Tierart muß während des Marsches

in anderer Weise geleitet oder getrieben werden. So geschah es auch

bei dem diesmaligen Transport. Die größten Tiere, wie Giraffen, Zebras

usw., mußten am Halfter geführt werden und sich zuerst an diese Halfter

gewöhnen. Da die Gnus und Elenantilopen mit Eseln täglich auf die Weide

gegangen waren, hatten sie sich so an diese Esel gewöhnt, daß sie frei

mit ihnen getrieben werden konnten. Am wenigsten Mühe machten uns

jedoch die Nashörner. Sie folgten der Karawane wie Hunde.

Ein unliebsamer Unfall passierte mir mit den Gnus und ihren Wärtern.

Beim Abmarsch ließ ich zu Zuchtzwecken acht zweijährige Gnus auf

der Farm zurück, welche durch den Abtransport ihrer Gefährten in

äußerste Aufregung gebracht worden waren. Deshalb befahl ich meinen

Schwarzen, die Tiere bis zu ihrer völligen Beruhigung nicht auf die

Weide zu treiben, sondern ihnen über den Kralzaun hinweg das Futter zu

verabreichen, zumal sie schon einen Wärter angegriffen hatten. Kaum

war ich mit meiner großen Tierkarawane zwei Tage unterwegs, als mir

ein Bote nachkam mit der Nachricht, daß die zurückgebliebenen Gnus

einen Schwarzen getötet hätten. Die Wärter hatten natürlich meinen

Befehl, die Gnus nicht auf die Weide zu treiben, nicht befolgt. Sie

hatten sie aus dem Kral herausgelassen, und bei dieser Gelegenheit

wurde ein fremder Neger, der sich irgendwie das Mißfallen der noch

immer aufgeregten Tiere zugezogen hatte, getötet. Selbst konnte ich

nicht zurückkehren, beauftragte aber meinen Verwalter, die Sache bei

der Regierung zur Anzeige zu bringen und zu regeln. Später, nach meiner

Rückkehr von Europa, stellte sich bei den Verhandlungen heraus, daß ich

von sechs Elternpaaren belangt worden war, die alle behaupteten, der

von meinen Gnus getötete Mann sei ihr Sohn gewesen. Einige stellten

sogar eine Forderung von 200 Rindern als Schadenersatz. Ich überließ

es dem Gericht, die schwierige Frage zu lösen und zahlte, obwohl

mir keinerlei Schuld an dem Unfall beigemessen werden konnte, eine

mäßige, vom Richter festgesetzte Summe, welche die zur Schau getragene

elterliche Trauer in grinsende Freude umwandelte.

Doch ich kehre zur Schilderung meines Transportes zurück. Langsam nur

ging der Marsch meiner Tierkarawane vonstatten. Ich hatte diesmal

folgende Route gewählt: Von Aruscha über Oldonje-Sambu -- Engare ya

Nyuki --, nördlich um den Meru herum und dann zwischen diesem und dem

Kilimandjaro hindurch zum Kikafu, und von da über Weru-Weru nach der

Station Neu-Moschi.

Auch diesmal wurden wir durch zeitraubende, unliebsame Zwischenfälle,

wie Regengüsse, Ausbrechen der Tiere usw. öfters aufgehalten. So mußte

ich beispielsweise in der freien Steppe an einer Stelle, wo sich um

diese Zeit große Herden Gnus und Zebras als Standwild aufhielten,

meiner Karawane vorauseilen und durch einige Schreckschüsse das Wild

vertreiben. Diese Maßnahme war notwendig, damit sich bei meinen Zebras

und Gnus, die sich gerade mit menschlicher Gesellschaft und der damit

verbundenen Ordnung vertraut gemacht hatten, beim Anblick ihrer wilden

Stammesbrüder das unterdrückte Freiheitsgefühl nicht wieder regte und

sie zur Flucht verleitete.

Auf Großtierfang für Hagenbeck · 第 12 / 14 段