den „großen Kanonen“ wie Raubtiere, Dickhäuter, Wildrinder usw. auch
eine Anzahl der afrikanischen Wildpferde, der Zebras. Vor ihren Gehegen
kann man stets eine größere Ansammlung der Gartenbesucher antreffen,
die sich an der eleganten Gestalt und den graziösen Bewegungen
dieser gestreiften Equiden erfreuen. Eine möglichst vollständige
Musterkollektion der verschiedenen Arten der Gattung „Zebra“, wie sie
beispielsweise der Berliner Garten aufweist, bietet dem denkenden
und sich fortbildenden Naturfreund das schönste vergleichende
Anschauungsmaterial, das er nur finden kann. Hier und da, z. B. im
Stellinger Tierpark, werden Zebras auch zu einer kleinen Rundfahrt vor
einen leichten Wagen gespannt, ein Entzücken für jedes Kinderherz. Auch
von Wandermenagerien und Zirkussen werden die hübschen Tigerpferde
gern begehrt. Kein Wunder, daß daher im Tierhandel nach diesem Artikel
stets eine lebhafte Nachfrage herrscht. Für mich, der ich in der
Heimat der Tiere meinen Wohnsitz hatte, war also die Aufgabe klar
vorgezeichnet: Es galt eine entsprechende Anzahl Zebras zu fangen und
nach Deutschland zu schicken, um so den Bestand meiner Firma stets auf
der erforderlichen Höhe zu halten.
Die zur Familie der pferdeartigen Tiere (Equiden) gehörige Gattung
„Zebra“ (~Hippotigris~) ist in vielen Arten fast über das ganze
tropische und subtropische afrikanische Steppengebiet verbreitet. Ich
kann natürlich nicht auf eine Beschreibung der sämtlichen Spezies
eingehen, sondern begnüge mich damit, auf einige der häufiger
vorkommenden Arten kurz hinzuweisen.
Somaliland, Abessynien und der nördliche Teil von Britisch-Ostafrika
sind die Heimat des Grevy-Zebras (~Hippotigris grevyi Oustalet~).
Diese Form ist der größte Vertreter der ganzen Gattung, besitzt eine
außerordentlich dichtgestreifte Decke und zeigt in ihrem Aussehen,
wie die südafrikanische Form (~H. zebra L.~) einen gewissen
Eselcharakter, während alle übrigen Arten sich mehr dem Habitus der
eigentlichen Pferde nähern. In Südafrika finden wir Chapmans Tigerpferd
(~H. chapmani Layard~), dessen Verbreitungsgebiet sich nördlich
bis zum Sambesi erstreckt. Doch wird sein Vorkommen auch in der
Gegend des Nyassasees vermutet. Sollte sich dies bestätigen, so wäre
genanntes Zebra auch für die Fauna Deutsch-Ostafrikas, wenn auch nur
für ein kleines Gebiet, in Anspruch zu nehmen. Sicher nachgewiesen sind
in unserer Kolonie bis jetzt drei Spezies der Gattung Hippotigris,
nämlich Böhms Zebra (~H. böhmi Mtsch.~), Grants Zebra (~H.
granti de Winton~) und das Muansazebra (~H. muansae Mtsch.~).
Diese drei Formen ähneln sich in ihrem Aussehen außerordentlich und
weisen nur geringe Unterschiede auf. Die Grundfarbe der Tiere ist
weiß, zwischen Schulter und Hüften finden sich durchschnittlich sieben
breite schwarzbraune Querbinden, die Beine sind bis ungefähr zu den
Hufen herab ebenfalls gestreift. Im ausgewachsenen Zustande übertrifft
Böhms Zebra seine Verwandten etwas an Größe. Ein kurzes Beispiel
möge genügen, um den Unterschied in der Körpergröße zu illustrieren:
Die Schädellänge von Böhms Zebra ist stets größer als 50 Zentimeter,
während sie bei Grants Zebra nur knapp an diese Zahl heranreicht.
Bezüglich des Verbreitungsgebietes der beiden Arten ist zu bemerken,
daß wir Böhms Zebra im Süden und in der Mitte der Kolonie antreffen,
hier vorzugsweise in der Mkattasteppe. Ferner kommt es im südlichen
Teile der Masaisteppe vor, sowie in den Landschaften, die sich nördlich
des Pangani von der Küste zum Kilimandjaro hinziehen. Grants Zebra
ist ein Bewohner der nördlichen Masaisteppe. Hierbei ist allerdings
zu bemerken, daß die Grenzen der Verbreitungsgebiete dieser beiden
Spezies noch nicht mit völliger Sicherheit und Genauigkeit festgestellt
sind. In den Steppen westlich des Meru, in denen ich meine Fangzüge zu
unternehmen gedachte, hatte ich jedenfalls nur mit dem Vorkommen von
Grants Zebra zu rechnen.[1] Über die Art und Weise, wie ich die Tiere
in meine Gewalt brachte, mögen die folgenden Zeilen ein Bild geben.
[1] Im Südosten des Viktoriasees kommt die aus den Sammlungen Sr.
Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg zuerst bekannt
gewordene Spezies ~H. muansae~ vor.
Ich machte mehrere Streifritte in die Steppe und lernte hierbei in
der am Südwestabhang des Meru liegenden Burenansiedlung Oldonje-Sambu
einen sehr zuverlässigen Buren, Herrn Adrian de Beer, kennen, der
mir mit seiner Familie bei den weiteren Fangzügen sehr gute Dienste
leistete. Seine Farm bot mir die letzte und günstigste Wasserstelle.
Ich ließ daher in der Nähe seines Wassergrabens, den er für seine
Haustiere angelegt hatte, einen kleinen Kral errichten, um daselbst
die gefangenen Tiere unterzubringen.
Die etwas tiefer gelegene Steppe ist von Tausenden von Zebras belebt,
und in der Trockenzeit haben diese Tiere ihre Tränke an den angelegten
Gräben, die von den Quellen des Meruberges ständig gespeist werden.
Zunächst erkundeten wir das Gelände, beobachteten die Zebras und
stellten somit die besten Fangplätze fest. Bei einem solchen Ritt sahen
wir bei untergehender Sonne drei kapitale Löwen in einer Entfernung
von 400 Meter auf einem Hügel vor uns auftauchen. Zuerst äugten die
drei Katzen uns an; ich rief meinem Gewehrträger zu, rasch das Gewehr
zu bringen, aber mein Schuß ging fehl und die Bestien verschwanden
in weiten Fluchten im Gebüsch der Steppe. So hatte meine Frau, die
mitgeritten war, unverhofft zum ersten Male den König der Wildnis
in freier Steppe gesehen. In den folgenden Tagen ging der Zebrafang
mittelst Lasso los.
Die hierzu verwendeten Lassos haben nicht die Länge der in den
amerikanischen Steppen bei der Jagd auf wilde Pferde verwendeten; sie
werden auch nicht geworfen wie diese. Man befestigt sie auf langen
dünnen und leicht zerbrechlichen Fangstöcken in der Weise, daß Schlinge
und Laufring sich an der Spitze des Stockes befinden. Guter Reiter
und schnelles Pferd sind unerläßliche Bedingungen für das Gelingen
des Fanges, denn die Zebras sind, wie alle Steppentiere, schnelle
und ausdauernde Läufer. Nur muß der Reiter, wie beim Giraffenfang,
möglichst nahe an die Herde heranreiten, wobei er sich hinter dem Hals
des Pferdes versteckt, denn vor dem Pferde selbst scheuen die Zebras
weniger. Sobald sie aber den Reiter wittern, ergreifen sie die Flucht.
In diesem Moment heißt es ohne Besinnung vorwärts. Das Pferd erhält
die Sporen und saust in voller Karriere mitten in die Herde hinein,
in die Nähe der ausgesuchten Jungen. 5 bis 6 Monate alte Fohlen sind
die beste Beute. Man darf sie aber keinen Augenblick aus den Augen
lassen, was leichter gesagt als getan ist, denn wenn die Herde Zebras
im Galopp die Flucht ergreift und durch die trockene Steppe saust, so
erhebt sich von ihren Hufen eine Staubwolke, daß man kaum die Augen
aufhalten kann und über und über mit Erde beworfen wird. Man muß bis
dicht an das ausgewählte Tier heranreiten und ihm mit dem Fangstock den
Lasso über den Kopf werfen. Ist dies geglückt, so springt man rasch vom
Pferde und hält den Lasso fest, bis Hilfe kommt. Bis dahin vollführt
aber das gefangene Tigerpferd einen wahren Höllentanz um den Jäger
herum. Es bockt, schlägt, beißt und sucht auf alle Art die Fangschlinge
abzustreifen, und es bedarf der ganzen Kraft eines Mannes, das starke
Tier zu halten. Inzwischen kommen die Neger heran, und nun geht es an
das Ergreifen der Beute. Der Lasso wird eingeholt, das Tier bei den
Ohren gefaßt und so lange festgehalten, bis ihm ein vorher sorgfältig
geprüfter Halfter angelegt ist. Sodann wird das Zebra ganz kurz am
Halfter von zwei Mann geführt, da es beim geringsten Spielraum seine
Zähne unerbittlich, wo es kann, einschlägt. Das gefangene Tier muß sehr
sorgsam behandelt werden; wie bei den Giraffen, so kommt es auch bei
den Zebras vor, daß sie sich in derartige Aufregung hineinarbeiten,
daß sie plötzlich, vom Herzschlag getroffen, tot zusammenfallen. Das
gefangene Zebra wird mit sanfter, aber unwiderstehlicher Gewalt nach
dem hergerichteten Tierkral geführt, wo es losgelassen wird. Im Kral
tollt es natürlich von neuem los, kann aber nirgends ausbrechen und
beruhigt sich dann allmählich. Gleich am ersten Tage konnten wir ein
hübsches Exemplar fangen und hatten innerhalb zwei Wochen acht Stück
im Kral. Es ist mir öfters passiert, daß beim Durchreiten einer Herde
ganz junge Zebrafüllen zurückblieben und unter lautem Gebell sich
direkt unseren Pferden näherten. Eines davon suchte sogar bei meinem
Pferde zu saugen. Diese, für mich allerdings wertlosen jungen Tiere,
sehen in ihrem wolligen, weißbraun gestreiften Fell allerliebst aus;
leider sind sie sehr empfindlich und schwer aufzuziehen, denn die
Muttermilch, die das Tier in den Tagen benötigt, ist durch andere Milch
nicht zu ersetzen. Wir hatten immer große Mühe, derartige Zudringlinge
loszuwerden, da sie den Pferden glatt nachlaufen. Nach geraumer Zeit
findet sich die Mutter gewöhnlich wieder ein und sucht das Junge durch
bellenähnliches Wiehern an sich zu locken.
In Oldonje-Sambu suchten mich die Herren Jansa und Schumann auf. Sie
hatten in mehreren Gegenden Großwild gejagt und kinematographische
Aufnahmen gemacht, mit letzteren jedoch bis jetzt wenig Erfolg gehabt.
Beide Herren blieben einige Tage in unserem Lager zu Gast. Herr
Jansa reiste nach Europa zurück; Herr Schumann machte mir, als er
hörte, daß ich nach Beendigung des Zebrafanges auf Nashornfang gehen
wollte, den Vorschlag, ihn als Begleiter mitzunehmen und gemeinsam
kinematographische Wildaufnahmen zu machen. Diesen Vorschlag nahm ich
an. Den Verlauf dieses Unternehmens werde ich später schildern. An
dieser Stelle aber möchte ich noch die Erbeutung von Zebras im Fangkral
beschreiben, obwohl ich sie erst ein Jahr später ausführte.
Zum besseren Verständnis muß ich auf die Topographie des Fangplatzes
etwas näher eingehen. Bei Oldonje-Sambu zog sich, vom Westabhang des
Meru kommend, eine Schlucht herab, deren Ausgang sich in der sanft
absteigenden Grassteppe verlor. Zur Trockenzeit ohne Wasser, wurde sie
während der Regenzeit von einem in der Steppe verrinnenden Gießbach
durchflossen. Die Ränder der Schlucht waren, steil aufsteigend,
5-6 Meter hoch; die durchschnittliche Breite derselben etwa 30-40
Meter. Diese Schlucht war nur an zwei Stellen passierbar, die etwa
1½ Kilometer voneinander entfernt waren. Ich hatte nun folgendes
beobachtet: Eine große Herde Zebras, die ihren Standplatz tagsüber in
der südlich der Schlucht gelegenen Steppe hatte, wechselte des Nachts
durch den oberen Durchgang zu dem früher erwähnten Wassergraben hin
und nahm ihren Rückwechsel durch die niedriger gelegene Passage. Auf
diesen Umstand gründete ich meinen Plan, die Tiere, oder wenigstens
einen Teil derselben, in meine Gewalt zu bekommen. In einem großen
Halbkreise legte ich zwischen Wassergraben und Schlucht kilometerlange
Draht- und Dornverhaue an und versperrte den Ausgangswechsel sowie die
Schlucht selbst oberhalb und unterhalb der Ausgänge mit Baumstämmen und
Dornen. Somit war zwischen dem Südrand der Schlucht und den angelegten
Umzäunungen ein riesiger Fangkral entstanden.
Die Hauptsache war nun, den des Nachts zur Tränke kommenden Tieren den
Rückzug abzuschneiden und sie in den Fangkral hineinzudrücken. Hiernach
mußte der Zugang sofort mit größter Geistesgegenwart schnellstens durch
bereitliegendes Material, wie Dornbüsche usw., versperrt werden, denn
ich wußte wohl, daß die Zebras, sobald sie auf die Verhaue gestoßen
seien, erschrecken und mit voller Wucht auf den Eingang zurückstürmen
würden. Die Vorbereitungen erforderten natürlich viel Arbeit, aber
endlich war alles fix und fertig; sogar an zwei in der Nähe liegenden
Wasserplätzen waren auf Hunderte von Metern Pfähle mit flatternden
Jagdlappen und Papierfetzen errichtet worden, weil die Zebras gleich
anderem Wild vor diesen harmlosen Gegenständen scheuen und somit auf
unseren Kral gelenkt wurden.
Viele Nächte lang lauerten wir auf das ersehnte Wild, leider immer
vergeblich; es war wirklich kein Vergnügen, in windiger, kalter Nacht
stundenlang im Grase zu kauern. Endlich löste sich das Rätsel: Ein
neidischer Bur hatte auf seiner Farm mit dem Pfluge eine Abflußrinne
von seiner Wasserstelle kilometerlang in die Steppe hineingezogen.
Hierdurch waren natürlich die Zebras von unserem Fangkral abgelenkt
worden. Es galt nun, die Tiere von ihrem Tränkeplatz zu vertreiben, und
ich beschloß deshalb, an demselben einige Nächte Wache zu halten.
[Illustration: ~Gefangene Giraffen und Zebras~]
[Illustration: ~Giraffen und Zebras auf dem Wege zur Küste~]
Schon gegen Abend sahen wir in der baumlosen Steppe große Herden Zebras
auf die Tränkestellen zu äsen. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ich mit
meinem Assistenten, Herrn Pallenberg, nur mit Gewehr und verblendeter
Laterne versehen, an den obengenannten Wassergraben. Stundenlang
saßen wir und warteten. Der kalte Nordwind strich vom schneebedeckten
Meruberg über die Grasebene herab. Wir hüllten uns dichter in unsere
Mäntel, denn die Kühle machte sich recht unangenehm bemerkbar.
Es war gegen Mitternacht, und der Schlaf drohte uns zu übermannen,
als wir dicht neben uns das Heulen einer Hyäne hörten. Dieselbe
kam zum Graben, tränkte sich und war bald wieder in der Finsternis
verschwunden. Kurze Zeit darauf vernahmen wir plötzlich in
allernächster Nähe das Schnauben von einem Zebra. Langsam kamen
mehrere, und ich konnte bald merken, daß eine große Herde herannahte.
Laut donnerte der erste Schreckschuß durch die nächtliche Stille. Nun
erhob sich von allen Seiten ein unheimliches Getöse, als ob die Hölle
losgebrochen wäre. Eine zweite große Herde war hinter uns, oberhalb
des Wassergrabens, an der Tränke gewesen und stürmte jetzt in wilder
Flucht auf uns zu. Um von den Tieren nicht überrannt und zertrampelt zu
werden, feuerte ich schnell noch einige Schüsse ab und Herr Pallenberg
ergriff die Laterne und hielt sie hoch. Hunderte von Zebras sausten
dicht an uns vorüber, einen Staub aufwirbelnd, daß man kaum die Augen
offen halten konnte.
In Erwartung auf Erfolg rannten wir so schnell, als es in der
stockdunklen Nacht möglich war, unserem Krale zu, und richtig vernahmen
wir das Getrampel der Zebras in demselben. In größter Eile machten wir
den Eingang dicht, und beim Morgengrauen sahen wir zu unserer größten
Freude zehn prächtige Zebras im Sackkral. Die Tiere rannten wie toll
umher und sprangen gegen die Wände an, um ihre Freiheit wieder zu
erlangen. Ein alter Hengst war so schlau, daß er hinkniete, den Kopf
durch eine schwache Stelle durchzwängte und mit voller Kraft den Zaun
hochhob und sich so die Freiheit wieder verschaffte. Ehe ich dahin
gelangen konnte, um die Tiere zurückzutreiben, waren acht weitere
seinem Beispiele gefolgt, so daß nur noch ein einziges Tier übrigblieb.
Ich ließ alle Kralwände verstärken und aufs sorgfältigste dicht
machen. Für kurze Zeit waren nun die Tiere verscheucht, und nur der
Durst konnte sie zwingen, wiederzukommen; denn ein Zebra kann wohl 48
Stunden, aber nicht länger des Wassers entbehren.
So lag ich mit meinem Assistenten Truppel noch manche Nacht auf
Wache, bis endlich eines Morgens, noch vor Anbruch der Dämmerung,
eine Zebraherde in unseren Kral wechselte. Ich ließ erst etwas Zeit
verstreichen, feuerte dann den Signalschuß ab und lief dem Eingange
zu. Dem Getrampel nach zu urteilen, schien es erfreulicherweise eine
große Herde zu sein. Nachdem der Eingang schleunigst dicht gemacht und
bewacht worden war, konnten wir 60 Stück beim Mondenschein zählen. Ein
unbeschreiblich wildes Bild boten die in ihrer Angst herumtollenden
Tiere, von einer Wand der Schlucht zur anderen rennend, dann wieder in
rasendem Galopp herumlaufend. Sand und Erde wirbelten von ihren Hufen
in die Luft; bald war die ganze Umgebung von einem grauen Staubschleier
überzogen. Alles wäre glücklich abgegangen, und die Tiere wären
allmählich zur Ruhe gekommen, wenn nicht die Hunde einer naheliegenden
Burenfarm rebellisch geworden wären. Diese hatten ihre Riemen, mit
denen sie festgebunden waren, durchgebissen und stürzten dann mitten in
die Herde hinein. Jetzt gab es keinen Halt mehr; die aufgeregten Zebras
rannten wie toll umher. Auf einmal stürmte die ganze Herde wie auf
Kommando in geschlossener Kolonne auf den Eingang zu, brach ungeachtet
meiner Schreckschüsse die Einfriedigung nieder und setzte über alles
hinweg. Ich konnte mich noch mit knapper Not vor ihren Hufen hinter
einen Felsen retten. 15 Nachzügler kehrten vor den Schreckschüssen um,
und da meine Leute rasch herbeieilten und den Eingang wieder dicht
machten, konnten wir die 15 Zebras für uns retten. Wir trieben sie in
das untere Ende der Schlucht, wo sich der Eingang zu einem kleinen Kral
befand, der ihnen vorläufig als Aufenthaltsort diente. (Siehe Skizze.)
Nun mußten sie anfänglich scharf bewacht werden und vor allem Wasser
bekommen. Ich ließ von meinen Schwarzen mit Wasser gefüllte Eimer
herbeischleppen und in den Kral hineinbringen. Dann versteckte ich
mich in der Nähe, um zu sehen, ob die Zebras auch aus den künstlichen
Wasserbehältern trinken würden. Sobald die Neger sich zurückgezogen
hatten und die Zebras das Wasser witterten, kamen sie, vom Durst
getrieben, scheu und vorsichtig heran; endlich wagte es ein Tier, das
Maul einem Eimer zu nähern. Doch durch das Metall oder aus irgendeinem
anderen Grunde erschreckt, fuhr es in die Höhe und lief davon; die
anderen eilten ihm im wilden Galopp im Kreise herum nach; die Eimer
flogen um und alles Wasser wurde verschüttet. Es blieb nichts übrig,
als von der nächstliegenden Wasserstelle eine kleine Rinne zu ziehen
und den gefangenen Tieren das Wasser auf dem Boden heranzuführen,
worauf sie endlich ihren Durst löschen konnten und ruhiger wurden.
Nachts wurden rings um den Kral Wachen aufgestellt und große Feuer
unterhalten, da sonst die Löwen unseren Fangkral zu ihrem Futterkral
gemacht hätten.
Einige Zeit später wurden diese 15 Zebras mit dem Lasso eingefangen
und auf meine Tierzuchtfarm gebracht. Zehn von ihnen kamen später
wohlbehalten nach Hamburg und bildeten eine Zierde des Stellinger
Tierparkes.
Während der kleinen Regenzeit, die dieses Jahr (1911) nur sehr kurz
war, verblieben wir auf unserer immer mehr aufblühenden Tierzuchtfarm.
Aber allzu lange sollte die Ruhe, die wir hier genossen, nicht dauern,
da ich noch möglichst bald die Gelegenheit wahrnehmen wollte, meine
Tierkarawane, deren Abtransport im Frühjahr erfolgen sollte, durch
den Fang von jungen Giraffen und Oryxantilopen zu vervollständigen.
Ferner ging jetzt die Brutzeit der Strauße zu Ende, und so hatte ich
gleichzeitig die beste Aussicht, eine Anzahl junger Vögel für meine
Straußenzucht einzufangen.
Ich ging daher daran, anschließend an den Zebrafang in Oldonje-Sambu
mehrere kleinere Krale herrichten zu lassen, um das neu eingefangene
Jungwild hierselbst bis zum Abtransport unterzubringen und zu zähmen.
Eine tatkräftige Hilfe fand ich hierbei wieder in meinem schon früher
erwähnten Freund, Herrn Adrian de Beer und seiner Familie.
Zu den diesmaligen Fangzügen hatte ich die weit ausgedehnte Steppe
zwischen dem Meru-, Longido- und Kitumbin-Berge im Norden unserer
Kolonie ausersehen. Diese vielfach von Schluchten und Bodenwellen
durchzogene Hochebene ist hauptsächlich mit Gras bestanden, doch finden
sich auch hier und da Parklandschaften eingesprengt, Haine aus hohen,
schattigen Mimosen oder Schirmakazien, in denen sich mit Vorliebe die
Giraffenrudel aufhalten. Überhaupt ist diese Gegend ein wahres Dorado
der afrikanischen Steppenfauna. Das hier herrschende Tierleben grenzt
fast ans Fabelhafte. Auf kaum einige hundert Meter Entfernung sieht
man große Herden von schwarz-weiß gestreiften Zebras, die, sobald sie
den Jäger erblicken, im Galopp durch die Steppen sausen, eine mächtige
Staubwolke hinter sich lassend. Immer wieder tauchen große Rudel von
Kongonis, Gnus, Elen- und Oryxantilopen auf, und man wird unwillkürlich
in den Glauben versetzt, man befände sich in Europa auf einer großen
Koppel zwischen friedlich weidenden Haustierherden. Plötzlich ertönt
der dumpfe dröhnende Balzruf des Straußenhahnes über die Steppe,
ein Ton, der vom Neuling mit dem fernen Brüllen eines Löwen leicht
verwechselt wird. Sporadisch erblickt man Warzenschweine, Hundsaffen,
Schakale oder anderes Raubwild, unvergeßliche Anblicke für jeden
Naturfreund.
In einem solchen Revier konnte ich mir für meinen Fangzug gute
Resultate versprechen, zumal das Gelände eine ausgiebige Verwendung
von Jagdpferden gestattete. Ich hatte mir hierfür gute südafrikanische
Halbblutpferde gekauft und keinen schlechten Griff damit getan,
denn der Erfolg hängt sehr von der Leistung der Pferde ab. Wer es
nicht selbst erlebt hat, kann sich keine Vorstellung machen, welches
Hochgefühl derjenige empfindet, der im taufrischen Morgen auf feurigem
Renner hinter flüchtigen Oryxantilopen oder Zebras dahinfliegt.
Reiterlust -- Jägerlust! Im roten Rock mit der Meute hinter dem
Schwarzkittel zu reiten, ist gewiß herrlich; aber schöner ist es
doch, in der afrikanischen Steppe den Löwen zu hetzen, wenn auch das
Jagdgewand nur aus schlichtem Kaki besteht.
Angenehm begünstigt wird man hier auch durch die klimatischen
Verhältnisse. Durch ihre Höhenlagen und kühlen Nachtwinde sind diese
Gegenden ohne Moskitos und daher fieberfrei, und die Temperatur
übersteigt nur sehr selten diejenige eines normalen Sommers in
Deutschland.
Nachdem ich alle Vorbereitungen getroffen hatte, zog ich in Begleitung
meiner Frau, meines Burenfreundes und meines Assistenten Truppel
mit zwei Burenwagen hinaus in unser Fangrevier; über die Art und
Weise des Reisens mit solchen Wagen werde ich mich weiter unten des
näheren verbreiten. An geeigneten Stellen schlugen wir unser Lager auf
und machten von denselben aus täglich weite Streifzüge. Der Erfolg
ließ auch nicht lange auf sich warten, und von Tag zu Tag konnten
wir unseren Tierkralen immer mehr neue Insassen zuführen. Manche
interessante Episode wurde auf diesen Fangzügen erlebt. Da ich aber den
Leser mit Einzelheiten nicht ermüden möchte, sehe ich von einer sich
in Einzelheiten erschöpfenden Schilderung ab und begnüge mich damit,
einen Überblick über meine Fangmethoden zu geben. Es sei in folgendem
zunächst die Erbeutung der wilden Strauße geschildert, bei welcher zwei
Fangarten in Betracht kommen:
~a~) Man sucht das Gelege auf, das sich in der Steppe einfach
auf dem Boden im kurzen Grase befindet. Hierbei flüchten die Hennen
und man umgibt die Nester mit einem kleinen Zaun aus Zweigen auf etwa
10 Meter Durchmesser in 30 Zentimeter Höhe. Über diesen Zaun kehrt
das Elternpaar ohne Schwierigkeiten zum Brüten zurück. Nun revidiert
man alle paar Tage, ob die Jungen ausgeschlüpft sind oder nicht. Der
Zaun verhindert, daß die jungen Strauße gleich in den ersten Tagen
mit den Eltern davonlaufen. Bei richtigem Aufpassen kann man dann,
wenn die Jungen ein paar Tage alt sind, sie ohne Mühe wegnehmen. Bei
der geringen Intelligenz des Straußes ist es nicht zu verwundern, daß
er bei seiner Höhe und bei seinen langen Ständern nicht merkt, daß
der niedrige Zaun die Jungen am Weglaufen hindert; er könnte sonst
bei seinem Gewicht und seinen kräftigen Beinen mit Leichtigkeit die
schwache Einfriedigung niedertreten.