Diese Negeransammlung kam uns für unsere Jagdzwecke sehr gelegen, denn

wir konnten ohne Mühe 200 Mann als Treiber und Arbeiter mieten. Die

Leute begleiteten uns um so lieber, als sie wußten, daß sie Gelegenheit

bekamen, auch öfters Dörrfleisch zu bereiten, da wir ihnen von Zeit

zu Zeit einige Stück Wild abschossen. Zunächst bauten wir für die zu

fangenden Tiere Krale. Ein solcher Kral wird in der Art errichtet,

daß man auf einem freien Platz ringsum die Erde etwas aufwirft und

einen festen Zaun mit eingesteckten Ästen, Lianen und Dorngestrüpp

macht. Fanggruben wurden ausgehoben und mit dünnen Ästen und Laubwerk

verblendet. Um Tiere wie Antilopen lebend in unsere Gewalt zu bringen,

hatten wir von den Eingeborenen große Netze aus Kokosfasern entliehen.

Die zwei Meter hohen Netze wurden aneinandergeknöpft und morgens lange

vor Sonnenaufgang in einem weiten Halbkreis aufgestellt. In einem

großen, dem Netzbogen entgegengesetzten Halbkreise fingen nun unsere

Treiber an, die Tiere mit Händeklatschen zu erschrecken und gegen

die Netze zu treiben. Nach kurzer Zeit stürmten einige Wasserböcke

gegen die Netzwand, die sie in ihrer Aufregung natürlich nicht sahen,

und verfingen sich mit ihren Läufen und Hörnern in dem Hindernis.

Sobald ein Tier sich verwickelt hatte, sprangen wir zu, fesselten

es und brachten es auf Tragbahren in den nächsten Kral. Es war eine

wildbewegte Jagd, gar mancher Stoß oder Schlag traf den einen oder

anderen; die gefangenen Tiere stießen und schlugen wie rasend um

sich, aber größere Unfälle ereigneten sich nicht; bis Mittag hatten

wir bereits 11 Wasserböcke in unserer Gewalt. Nach kurzer Mittagsruhe

erbeuteten wir noch 4 Wasserböcke, worunter sich ein alter befand,

dessen Hinterschenkel durch eine Bleikugel vollständig vereitert war,

weshalb er den Schwarzen als Nahrung geopfert wurde. Ich untersuchte

die Wunde und fand die Bleikugel, die sich als deutsches Militärgeschoß

Modell 71 erwies. Unser ausgezeichneter Jagderfolg gab Zeugnis von

dem ungeheueren Wildreichtum dieser Gegend. Wir jagten bald auf der

einen, bald auf der anderen Seite des Sees. Günstig für den Fang war

der Umstand, daß der See ringsum von Busch- und Baumsteppe umgeben war.

Um den langen Weg um den See herum abzukürzen, benutzten wir öfters

einen Einbaum. Der riesige Reichtum an Fischen hatte natürlich auch

eine Unmenge Krokodile angezogen. Als wir einmal um die Mittagszeit

in brennender Sonnenhitze mit dem Einbaum über den See fuhren, konnte

ich während der Fahrt nicht weniger als 27 Krokodile auf der kurzen

Strecke zählen. Glücklicherweise waren die Tiere so vollgefressen und

träge, daß sie kaum von uns Notiz nahmen und nur die nächsten beim

Herannahen des Bootes untertauchten. So harmlos sind diese Panzerechsen

nicht immer, namentlich nicht, wenn sie hungrig sind. Herr Petersen

erzählte mir, daß erst kürzlich ein Herr auf dem Rufidji ein böses

Abenteuer mit einem solchen Tiere erlebt habe. Er fuhr mit einem

schmalen Boot ziemlich rasch mit der Strömung; vorn an der Spitze

befand sich ein Schwarzer, der mit einem kurzen Ruder paddelte; in der

Mitte saß der Europäer und am hinteren Ende einige Neger. Plötzlich

tauchte ein Krokodil seitlich auf und schnappte nach dem vordersten

Manne. Das Tier hatte nicht mit der Schnelligkeit des Bootes gerechnet;

es stieß an die Bootswand an und wurde beiseite geschleudert, und so

kamen alle mit dem Schrecken davon.

Zunächst mußten wir nun die gefangenen Wasserböcke jeden einzeln in

einen Kral bringen, denn die Tiere sind kurz nach dem Fang derartig

aufgeregt, daß sie, sobald man mehrere zusammen läßt, sich gegenseitig

anrennen und verletzen. Es galt ferner, der gefangenen Beute Futter

und Trank zu verabreichen. Gras mußte geschnitten werden, primitive

Holztröge als Trinkgefäße wurden ausgehauen, die Kralzäune ausgebessert

und überwacht, kurz, es gab Arbeit in Hülle und Fülle. Auch mußten

jeden Tag sämtliche Fanggruben nachgesehen werden.

Durch Zufall hatten sich darin zwei Gnus gefangen. Die Gnus

(~Connochaetes~), von den holländischen Ansiedlern am Kap auch

als „Wildebeest“ bezeichnet, bilden eine der zahlreichen Gattungen in

der großen Familie der Antilopen. Die gedrungen gebauten Tiere haben

die Größe eines jungen Rindes. Beide Geschlechter tragen Hörner,

die in ihrem Aussehen an diejenigen der Büffel erinnern. Eigenartig

sind der langbehaarte Schwanz und die pferdeartige Mähne. Mir waren

bisher von dieser Gattung in Deutsch-Ostafrika nur zwei Arten

bekannt, nämlich das Streifengnu (~C. taurinus Burch.~) und das

Weißbartgnu (~C. albojubatus Thos.~). Das erstere findet sich in

zumeist stärkeren Rudeln im Süden der Kolonie, das letztere schweift

in oft riesigen Herden durch die Masaisteppe, bis zum Athi-River in

Britisch-Ostafrika, der die Nordgrenze seines Verbreitungsbezirkes

darstellt. Während nun die Decken der beiden genannten Arten einen

blaugrauen Farbenton aufweisen, fiel mir bei meinen Gefangenen, zwei

ausgewachsenen Bullen, auf, daß die Grundfarbe ihres Haarkleides

mehr ins Bräunliche überging. Charakteristisch war ferner ein etwa

fingerbreiter weißer Streifen, der sich quer über das Nasenbein hinzog

und der sich von dem tiefschwarzen Vorderkopf besonders scharf abhob.

Somit hatte ich berechtigten Grund zu der Annahme, daß es sich hier

um eine neue, das heißt wissenschaftlich bisher für Deutsch-Ostafrika

noch nicht nachgewiesene und beschriebene Spezies handle. Und mit

dieser Vermutung sollte ich auch Recht behalten, denn als die Tiere

später im Stellinger Park von Fachmännern untersucht wurden, wurden

sie als Rufidji-Johnstongnu (~Connochaetes johnstoni rufijianus~)

identifiziert, welche Art bis dahin nur in Britisch-Nyassaland bekannt

war. Das Rufidji-Johnstongnu unterscheidet sich durch mehrere, sehr

bezeichnende Merkmale von seinen südlichen Vettern. Der Leser wird

es mir nachfühlen können, daß ich heute noch Genugtuung und Freude

über diesen Fang empfinde, der es mir ermöglichte, auch meinerseits

ein Scherflein zur Erweiterung unserer Kenntnisse der Zoographie des

tropischen Afrikas beizutragen.

In kurzer Zeit hatten sich in den oben erwähnten Fanggruben zwei

Flußpferde (~Hippopotamus amphibius L.~), die von den Eingeborenen

„Kiboko“ genannt werden, gefangen. Die Fanggruben für diese Tiere

legt man am besten auf ihren Wechseln selbst an, wenn man wirklich

Erfolg haben will. Sie müssen für diese mißtrauischen Geschöpfe ganz

unauffällig angelegt sein, und zwar nicht nur für ihre Augen, sondern

auch für ihren feinen Geruchssinn. Bei der geringsten Veränderung des

Weges scheut das Tier zurück und schlägt eine andere Richtung ein. Bei

der Anlage meiner Fanggruben machte ich mir außer diesem auch noch

folgende Erfahrung zunutze: Das Flußpferd hat eine außergewöhnliche

Art, seine Losung abzugeben; es stellt sich dabei so, daß es rückwärts

gegen einen Busch steht, und während es den Darm entleert, schlägt es

in rasender Bewegung mit dem kurzen Schwanzstummel hin und her, so daß

die Losung über den ganzen Busch und die nächste Umgebung geschleudert

wird. Hierbei hatte ich bemerkt, daß die Tiere mit Vorliebe an ein und

denselben Plätzen mehrmals ihre Losung abgeben. Infolgedessen legte

ich die Fanggruben stets da an, wo neben dem Wechsel ein solcher Busch

stand, denn durch den Geruch der eigenen Losung war es dem Tiere nicht

möglich, eine fremde Witterung zu bemerken.

Nachdem wir also die zwei ersten Flußpferde, ziemlich ausgewachsene

Exemplare, in den Fanggruben hatten, trat die wichtige Frage auf,

wie diese gefährlichen und schweren Tiere ohne jede Hebevorrichtung

in den vorher hergerichteten Tierkral an den See zu bringen seien.

Den Flußpferd-Kral hatten wir sehr praktisch am See selbst angelegt,

indem wir ein Stück Wasser nebst dem dazugehörigen Seerand durch

fest eingerammte Palisaden eingefriedet hatten, um somit den Tieren

möglichst ihre natürlichen Lebensbedingungen zu lassen. Es hieß also,

wie gesagt, die Kolosse schnell aus den Fanggruben heraus- und in den

vorbereiteten Kral hineinzubringen.

[Illustration: ~Tiertransport an Bord eines Dampfers~]

[Illustration: ~Idyll auf dem Transportdampfer, im Vordergrund ein

Marabu~]

Ich habe in Europa am Biertisch öfters Ingenieuren das Rätsel

aufgegeben: „Wie bekommen Sie ein etwa 2000 Pfund schweres Flußpferd

aus einer 2½ Meter tiefen Grube ohne Hebewerkzeuge, ohne Stricke und

ohne daß die Leute das Tier anfassen, heraus?“ Da habe ich von den

meisten die Antwort bekommen, das gehe nicht und sei unmöglich. Es

ist aber doch möglich und genau so einfach wie das Ei des Kolumbus.

Man braucht nur Leute, Beil und Buschmesser, das sonstige Material

liefert die Wildnis. Zuerst fällt man in der Nähe der Fangstelle

Bäume und läßt aus deren Ästen etwa 2½ Meter lange Pfähle zurichten.

Die geraden und langen Pfähle benutzt man zum Bau eines Kastens, mit

den krummen und dem Buschwerk umgibt man die Grube mit einem starken

Zaun, in welchem, dem Kopfe des Tieres gegenüber, eine Öffnung

freigelassen wird. Nach Fertigstellung des Transportkastens, dessen

einzelne Teile durch Rindenbast fest miteinander verbunden sind, wird

derselbe mit seiner Öffnung vor das erwähnte Loch in der Umzäunung

gestellt und durch einige Pfähle und Baststricke festgehalten, damit

er beim Hineinschlüpfen des Flußpferdes nicht verschoben wird und

kein Unglück passieren kann. Nunmehr kommt die Hauptsache: Man läßt

von den Schwarzen Erde in die Fanggrube werfen. Das Tier, durch die

herabfallenden Schollen getroffen, schüttelt und bewegt sich und

stampft dabei die hineingeworfene lockere Masse fest. Nach und nach

füllt sich die Grube an, das Hippo kommt immer höher und höher, sieht

die Öffnung und stürmt in den Transportkasten hinein. Im selben

Augenblick werden schon vorher bereitgehaltene Stangen durch die

Rückseite des Kastens gesteckt und das Tier sitzt gefangen und wehrlos

in demselben. Auf diese Art und Weise brachten wir auch die eben

genannten Dickhäuter in unsere Gewalt. Soweit war alles gut, aber bis

zum Flußpferdkral waren 4 Kilometer zurückzulegen. Da wir aber weder

Wagen noch Hebezeuge, noch sonstige Transportmittel hatten, blieb

nichts anderes übrig, als die schweren Lasten mit langen, unter dem

Kasten durchgelegten Stangen durch die Muskelkraft unserer 200 Neger

zu befördern. Es bedurfte vieler Stunden, mancher Schweißtropfen und

etlicher Kreuzdonnerwetter, bis wir unsere Beute an Ort und Stelle

hatten. Einmal im Krale, der ihren Bedürfnissen gemäß angelegt

war, gewöhnten sich die Tiere bald ein und schienen sich bei der

Leichtigkeit, mit der sie auch Futter, nämlich Gras, Hirse usw. an

Ort und Stelle fanden, ganz wohl zu fühlen. Vielfach wird in Büchern

behauptet, daß die Flußpferde nur in der Nähe des Wassers äsen. Ich

habe jedoch des öfteren Flußpferde viele Kilometer weit von jeder

Wasserstelle entfernt äsend angetroffen; allerdings führten von diesen

Plätzen tief ausgetretene und stets wieder benutzte Wechsel zu den

Tränken hin.

Das Fangergebnis von wenigen Wochen in diesem Revier war folgendes:

2 Flußpferde, 15 Wasserböcke, 2 Johnston-Gnus, 1 Kuhantilopenbulle,

20 Schwarzfersenantilopen und mehr Paviane als uns lieb waren. Alle

diese Tiere hatten wir natürlich nicht an einem und demselben Platze

gefangen, sondern in verschiedenen Gegenden erbeutet. Auch an der

ersten Jagdhütte Petersens hatten wir Krale angelegt und die Tiere auf

die beiden Lagerplätze bei Utete und bei Jaroilo verteilt.

Bei dem fabelhaften Wildreichtum dieses wohlgewählten Fangplatzes

hatte ich in kurzer Zeit die Tiere, die ich dort hatte fangen

wollen, beieinander und konnte sie in den zweckentsprechenden Kralen

verläßlichen Leuten zur Pflege übergeben. Es hieß nun, sich die

nötigen Bretter, Werkzeuge und Nägel zu besorgen, um regelrechte

Transportkästen für die Europareise herzustellen. Dies ist mitten in

der Wildnis eine schwierige Sache, da weder Bahnen noch Straßen das

Herbeischaffen der Sachen erleichtern. Da Herr Petersen eine Reise

nach Mohoro zu machen hatte, so begleitete ich ihn, in der Hoffnung,

vielleicht dort zu finden, was ich brauchte.

Auf dem Rufidji verkehrt zweimal im Monat der kleine Regierungsdampfer

„Tormondo“, und zwar auf der Strecke von Salale an der Küste bis in

die Nähe der großen Pangani-Fälle. Daher richteten wir es so ein,

daß wir ihn zu unserer Reise wenigstens ein Stück weit bis Kilindi

benutzen konnten. Auf dieser kurzen Fahrt hatte ich die Gelegenheit,

den Fluß und die hier auftretende Tierwelt zu beobachten. Der ganze

Rufidji ist von Flußpferden belebt, und an den hochgelegenen

Uferstrecken sieht man deutlich, wie ihre Wechsel in tiefen Rinnen

bis zum Flusse führen. Die Tiefe dieser Rinnen ist dadurch bedingt,

daß sie täglich von den schweren Dickhäutern benutzt werden. Kann man

sich unbemerkt vor Sonnenuntergang an eine Gruppe von Flußpferden

heranschleichen, wenn sie eben das Wasser verlassen haben, so erlebt

man ein hübsches Schauspiel: Die Tiere sind sehr mißtrauisch, sie

sichern stets beim Heraustreten aus dem Wasser und verlassen nur ganz

langsam und vorsichtig das nasse Element. Fällt nur ein Schreckschuß,

so machen sie schleunigst kehrt und flüchten wieder so rasch wie

möglich in das Wasser zurück. Urkomisch ist es dann zu sehen, wie

die Kolosse, die schon oben an der Rinne angelangt sind, laufend und

rutschend auf der schiefen Ebene plumpsend in das Wasser sausen, wo

sie minutenlang untertauchen. Ihre Nüstern sind zu diesem Zwecke

verschließbar wie eine Ventilklappe. Tauchen sie dann wieder auf,

so stoßen sie den lang angehaltenen Atem mit starkem Drucke aus, so

daß das Wasser hoch aufspritzt. Während des Tages liegen die Tiere

meistens träge im Wasser, nur die Schädeldecke, Ohren und Nasenlöcher

ragen über die Oberfläche heraus. Man sieht keine Bewegung, als hier

und da ein schnelles Kreisen der kurzen Ohren. Bisweilen, namentlich

in den oben erwähnten Tümpeln, findet man ganze Herden bei munterem

Spiel. Dabei bringen sich die Tiere mit ihren schrecklichen Hauern

oft große Verwundungen bei, wie manchmal an den Wunden der gefangenen

und erlegten Stücke festzustellen ist. Zur Brunstzeit, wenn die

mächtigen Bullen untereinander kämpfen, muß es wohl gefährliche Wunden

absetzen. Aus den mächtigen Hauern werden von den Indern wunderschöne

Schnitzarbeiten gemacht. Es ist Elfenbein, aber mit einer sehr harten

Glasur überzogen. Für einen guten Schützen ist es keine Kunst, an einem

Tümpel von sicherem Versteck aus beliebig viel Exemplare zu erlegen,

aber kein weidgerechter Jäger wird sich dieses zweifelhafte Vergnügen

machen, sondern höchstens sogenannte Aasjäger, deren es leider auch

gibt.

Oft habe ich die Strecke Panganya-Utete in einem Einbaum zurückgelegt.

Unterwegs tauchten häufig in allernächster Nähe Flußpferde auf. Waren

wir dicht genug herangekommen, so verschwanden sie wieder unter Wasser.

Mitunter fuhr das kleine Fahrzeug direkt darüber hinweg. Die Neger

zeigten darüber nur wenig Angst. Allem Anschein nach sind Tiere und

Menschen hier sehr miteinander vertraut. Für mich war es natürlich kein

angenehmes Gefühl, in solch einem wackeligen Boot über die riesigen

Dickhäuter hinzufahren.

Daß die Flußpferde mitunter recht bösartig und angriffslustig werden

können, habe ich selbst einigemal erlebt. In Kilwa hatte ich seinerzeit

6 Flußpferde, die sich in einem Gehege mit Bassin befanden. Ich war

damit beschäftigt, die Dickhäuter mit List in ihre Transportkästen zu

locken, was mir auch bei 4 Stück nach einigen Tagen gelang. Die beiden

anderen Tiere, besonders aber das eine von ihnen, ein starker Bulle,

machte mir andauernd Schwierigkeiten. Acht Nächte hatte ich schon bei

großer Moskitoplage auf den Kästen zugebracht. Der Bulle war so schlau,

daß er nur so weit in den Kasten hineinging, um das Futter ergreifen

zu können, dasselbe dann herauszerrte und draußen verzehrte. Ich kam

also nie dazu, die Falltür herunterzulassen. Die Zeit drängte, denn der

Dampfer, welcher den Transport mitnehmen sollte, war in den nächsten

Tagen fällig. Da besuchte mich, vom Rufidji kommend, Herr Petersen. Er

meinte, es sei am besten, er ginge in den Kral, um das Tier aus dem

Wasser zu treiben, vielleicht laufe es dann in den Kasten. Gesagt,

getan! Ich hielt die Schiebetür hoch und mein Freund begab sich in den

Kral. Kaum war er in der Mitte angelangt, als das Tier aus dem Wasser

mit offenem Rachen auf ihn zustürzte. Natürlich ergriff Herr Petersen

schleunigst die Flucht und lief auf meinen Kasten zu. Ich ließ die

Schiebetür fallen, und meinem Zugreifen gelang es, den Bedrohten noch

mit knapper Not in Sicherheit zu bringen. Jetzt war das Tier natürlich

so aufgeregt, daß ich mich schon mit dem Gedanken trug, es für den

nächsten Transport zurückzulassen, aber in der Nacht hatte einer meiner

Boys meinen Posten für einige Minuten eingenommen und in dieser kurzen

Zeit den wilden Satan gefangen. Im allgemeinen überläßt man solche

Arbeit Negern nicht, denn ein zu frühes Herunterlassen der Falltür kann

das Tier schwer verletzen und dessen Verlust herbeiführen.

Einen zweiten ähnlichen Vorfall erlebte ich in Stellingen beim Ausladen

der Flußpferde. Ein 1,17 Meter hoher Bulle wollte durchaus nicht aus

dem Transportkäfig. Wir halfen natürlich etwas nach. Einer der Wärter,

der die Schiebetür zum Bassin öffnen wollte, kletterte rittlings auf

der Mittelwand des Kastens entlang. Das Flußpferd, welches auf der

gegenüberliegenden Seite an der Wand stand, bemerkte dies, stürzte mit

offenem Rachen auf den Mann zu und schnappte nach dessen Bein, indem

es förmlich an der Wand hochsprang. Der Wächter konnte sich nur durch

das schnelle Hochziehen des Beines vor einem schweren Unfall retten.

Auch Herr Petersen erzählte mir von einem Unglücksfall, bei welchem ein

wütendes Flußpferd einen Neger glatt durchgebissen habe.

Bei Kilindi verließen wir den Dampfer und hatten noch drei Stunden

bis Mohoro zu marschieren. Auf diesem Wege kamen wir durch zwei

Negerdörfer, wo uns merkwürdige Baumhütten auffielen. Auf jedem

stärkeren Baum befand sich etwa 2-3 Meter über dem Boden eine Art

Plattform aus Ästen und Zweigen hergestellt und ringsum von Wänden aus

Flechtwerk umgeben. Wir sahen, daß die Neger ihre Ziegen und Schafe die

Nacht über hier unterbrachten, um sie gegen Löwen und andere Raubtiere

zu sichern. In Mohoro konnte ich von einem Europäer einen zweirädrigen

Transportkarren ausleihen. Dieser Mann erzählte mir ebenfalls, daß in

der ganzen Umgebung große Löwenplage herrsche und ihm erst kürzlich aus

einem Kral zwei Ziegen von Löwen geraubt worden seien. Leider fand ich

in Mohoro das für meine Transportkästen nötige Material nicht, konnte

aber von hier aus in Daressalam alles telegraphisch bestellen, mit der

Weisung, sämtliche Sachen mit dem Hauptdampfer nach Salale zu schicken,

von wo sie der zurückkehrende kleine Flußdampfer bis oberhalb Utete

herauf transportieren konnte. Herr Petersen und ich konnten die 14 Tage

bis zur Rückkehr des Dampfers nicht nutzlos verlieren und kehrten daher

in dreitägigem Marsche direkt nach Utete zurück. Zugtiere waren für

meinen Karren nicht zu haben; so mußten eben meine Träger herhalten,

die sich bei der ihnen ungewohnten Arbeit möglichst ungeschickt

anstellten, so daß ich meine liebe Not hatte und der Marsch in dem

wegelosen Gelände stark verzögert wurde. Wie ich schon vorher erwähnt,

herrschte in der ganzen Gegend Löwenplage, und wir trafen auf dem Wege

zwei von ihren Bewohnern gänzlich verlassene Negerdörfer. Anstatt ihr

Dorf zu befestigen, hatten die Eingeborenen vorgezogen, in eine andere

Gegend zu ziehen. Am dritten Tage kamen wir durch eine Landschaft,

wo überaus viele Mangobäume in voller Reife standen. Die Früchte und

Zweige dieses Baumes bilden eine Lieblingsnahrung der Elefanten, von

deren Anwesenheit viele niedergebrochene Äste und verstümmelte Bäume

Zeugnis ablegten. Der Elefant trägt zur weiteren Verbreitung des

Mangobaumes bei, weil die Keimkraft der verschluckten Fruchtkerne durch

die Verdauungssäfte des Riesen nicht beeinträchtigt wird.

Mit der Losung kommen die Kerne zur Erde, werden oft von den

Tieren selbst in den Boden getreten, und an allen Stellen, wo dies

geschieht, fangen in der Regenzeit die Kerne an zu keimen, so daß

allenthalben Mangobäume hervorwachsen. Fast überall, wo die nötigsten

Lebensbedingungen da sind, findet man in unserer Kolonie den

Mangobaum, dessen Frucht eine große Rolle in der Volksernährung spielt.

Erst spät am Abend des dritten Tages langten wir in Utete an. Leider

waren während unserer Abwesenheit durch die Nachlässigkeit einiger

Wächter mehrere der gefangenen Tiere eingegangen. Wir schafften

energisch Ordnung und eilten nach dem zweiten Tierlager in Jaroilo,

etwa 5-6 Stunden von Utete entfernt. Der Weg dahin führte an mehreren

Tümpeln vorbei, in welchen überall Flußpferde vorkamen. In einem

größeren Gewässer konnte ich bis 60 Stück zählen, deren Spiel ich, im

Busche gedeckt, während unserer ganzen Rastzeit beobachten konnte.

Will man ein Exemplar erlegen, so muß es durch Genick- oder Kopfschuß

geschehen, was für einen geübten Jäger vom festen Lande aus kein

Kunststück ist. Sitzt der Schuß richtig, so sinkt das verendete

Stück sofort unter, um erst nach geraumer Zeit durch den Auftrieb

der Zersetzungsgase wieder an der Oberfläche zu erscheinen. Nun

gibt es ein großes Fest für die Neger, eifrig überwachen sie die

Wasserfläche, und sobald das tote Tier auftaucht, stürzen sie hinein

und ziehen den Kadaver ans Land, wo nun das Zerlegen beginnt. Was von

dem Fleisch nicht gleich verzehrt werden kann, wird durch Räuchern

oder Trocknen konserviert, das Fett wird ausgebraten und in Kalebassen

(Kürbisschalen) gefüllt. Sowohl Fleisch wie Fett sind auch für einen

Europäergaumen genießbar. Ich begnügte mich mit der Erlegung eines

starken Bullen, von welchem ich den Schädel mit seinen gewaltigen

Hauern sowie die schwere Schwarte als Trophäe behielt. Das Wildbret

überließ ich unseren Negern, die denn auch mit aller Gründlichkeit

daran gingen, sich den leckeren Braten zu Gemüte zu führen. Was dann

noch übrigblieb, räumten Aasgeier und Marabus auf. Interessant war es

immer, das kluge Gebaren der Marabus zu beobachten. In würdevoller

Ruhe stehen diese Philosophen abseits der schreienden und sich um die

Beute streitenden Aasgeiergesellschaft. So oft nun ein Fleischfetzen

beiseite fliegt, stelzt der nächste der großen Kropfstörche rasch

hinzu, faßt den Brocken, wirft ihn hoch und fängt ihn mit seinem

Schnabel wieder auf, um das Stück im Kropf verschwinden zu lassen.

[Illustration: ~Vom Verfasser importierte Flußpferde in Carl

Hagenbecks Tierparadies~]

[Illustration: ~Verfasser mit zwei jungen Nashörnern in Mombasa~]

[Illustration: ~Bob und Marianne mit einem Masai~]

Auf Großtierfang für Hagenbeck · 第 3 / 14 段