LVI.

Den allerschönsten Dank, theuerster Mann, für die gefällig mitgetheilte

Nachricht wie es meinem redigirten Faust vor und nach der Aufführung

ergangen. Bey meiner vieljährigen Theaterverwaltung hab' ich eine

solche oft verlangte ja dringend geforderte Vorstellung niemals

begünstigt und sie auch jetzt hier am Orte im eigentlichsten Sinne nur

geschehen lassen. Was man auch übrigens von der Aufführung halten mag,

so geht doch besonders aus der in Leipzig die alte Wahrheit: man solle

den Teufel nicht an die Wand mahlen, aufs deutlichste hervor.[291]

Wegen der freundlichen Anfrage welche Ihr lieber Brief enthält, will

ich folgendes aufrichtig erwiedern.[292] Des Herrn Grafen Ankunft in

Weimar, würde, nach der mir gegebenen Kenntniß, in den December fallen,

einen Monat, der mich schon seit vielen Jahren, besonders aber in

meinen alten Tagen, nicht zum besten behandelt, wo ich mich meist in

meinem Zimmer aufhalte und leider nur den nächsten Freunden zugänglich

bin. Einen so werthen Gast kann ich also auf diese Zeit nicht einladen,

da ich keinen Tag und keine Stunde von meinem Befinden sicher bin.

Dies hindert aber nicht, daß ich in günstigen Augenblicken

Durchreisende, hier verweilende würdige Personen sehe, spreche und

mich mehrmals mit ihnen unterhalte. Würden also Herr Graf Mannteufel

in jener Zeit Weimar besuchen, wo die beyden Höfe und eine mehrfach

interessante Gesellschaft bedeutenden Fremden einen angenehmen

Aufenthalt zu bereiten wissen; so würde ich mich glücklich schätzen

jede gute mir gegönnte Stunde mit einem solchen Manne zuzubringen, ihm

von dem Meinigen was ihn interssiren könnte mitzutheilen, und dagegen

an den Schätzen seiner Erfahrung und Sammlung freudigen Antheil zu

nehmen. Mögen Sie dies, mein Theuerster, gefällig mit meinen besten

Empfehlungen ausrichten und mittheilen, so werde solches dankbarlichst

anerkennen.

Freylich fiel Ihr Besuch in die gute Jahreszeit, wo die Räume

meines Hauses am heitersten zu benutzen sind und dem wohlmeinenden

Wirthe bessre Gelegenheit geben seine Gesinnungen gegen Besuchende

auszudrücken.

Mit den treusten Wünschen mich geneigtem Andenken und fortgesetzten

Mittheilungen angelegentlichst empfehlend.

Weimar

den 29 Septbr.

1829.

Und so fortan!

J W Goethe

Fußnoten:

[291] Bei der Aufführung des Faust in Leipzig hatte die akademische

Jugend bei einigen Stellen einen so ausgelassenen Beifall kund gegeben,

daß man in Dresden für nöthig fand die Wiederholung auf einige Zeit zu

untersagen.

[292] Rochlitz hatte Goethe den Wunsch des kaiserl. Russ. Geh. Raths

Grafen _Manteuffel_ ausgesprochen, ihn in Weimar zu besuchen, und ihn

gebeten eine Zeit dafür zu bestimmen.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 206 / 214 题