Ew. Wohlgeb.
haben durch Ihre wahrhaft liebenswürdige Sendung,[283] ganz
eigentlich meinem Hause Seegen gebracht. Ihre herzlich eindringende
Darstellung des Messias, erregte den unwiderstehlichen Wunsch die
alten verklungenen Gefühle in mir zu erneuen und nun unter Anleitung
des wackern Eberweins durch freundliche Theilnahme von Künstlern und
Liebhabern vernehme soviel von dem köstlichen Werck daß ich aufs neue
darüber entzückt seyn und Ihnen für diesen Genuß aufs verbindlichste
danken muß.[284]
Da nun hiebey das herrliche, sich immer gleichbleibende Piano, wie vor
Kurzem unter den Fingern der Madame ~Szymanowska~,[285] eine Hauptrolle
spielt, so sind Sie dem Geiste nach manchen schönen Abend unter uns.
Vergönnen Sie daß ich von diesen häuslichen Festen, in Bezug auf Ihre
Veranlaßung, öffentlich einige Worte verlauten laße, wie ich denn auch
des übrigen Inhalts Ihres Bandes mit Hinblick auf die früheren Arbeiten
zu gedenken habe.[286] Möge Ihnen alles wohlgelingen und Sie mich den
so viele Jahre geschenckten Antheil auch fernerhin genießen laßen.
Weimar
den 2. Aprl.
1824.
fort und fort
J W Goethe
Fußnoten:
[283] Für Freunde der Tonkunst von Fr. Rochlitz. Leipzig 1824.
[284] Eckermann Gespr. ~I.~ S. 148. Briefwechsel m. Zelter ~III.~ S.
404. 417. 421. 430.
[285] Briefw. m. Zelter ~III.~ S. 329 f. Sie war im October 1823 in
Weimar. Eckermann Gespr. ~I.~ S. 72 f. 77 f.
[286] Kunst u. Alterth. ~V.~ 1. S. 154 ff. Werke ~XXXII.~ S. 334 ff.