XLIX.

Ew. Wohlgeb.

gefällige Mitwirkung in einer kleinen, obschon für mich nicht

unbedeutenden Angelegenheit mir zu erbitten, sehe ich mich in diesen

Tagen veranlaßt.

Die Weygandische Buchhandlung, welche zuerst meinen _Werther_ verlegt

und einige weitere Ausgaben, ich erinnere mich nicht wieviel, davon

veranstaltet hat, machte mich vor einiger Zeit mit der Absicht bekannt

eine nochmalige zu versuchen, wünschte meine Anerkennung und eine

Vorrede, wie sies nannten.

Gegen den neuen Abdruck war nichts einzuwenden, ob ich irgend einige

einleitende Worte finden könnte mußte ich einer günstigen Stimmung

überlassen.

Jetzt melden sie mir daß der Abdruck im Gange sey und nun von mir die

öffentliche Anerkennung durch irgend ein Vorwort nöthig werde, wie sie

denn das Honorar meinem billigen Ermessen anheim stellen.

Nun ist hier freylich kein großer Gewinn zu hoffen, doch möchte wohl

jedermann von Zeit zu Zeit sich oder den Seinigen einen billigen

Wunsch versagen zu dessen Befriedigung er sich ein zufälliges Mittel

wünscht. Sie sehen leicht daß es in diesem Falle unerfreulich wäre

direct zu handeln und vielleicht gar zu markten, darum ich dieselben

ersuche die Vermittlung über sich zu nehmen, wozu folgendes möge die

Einleitung seyn.

Ich lege funfzig Reimzeilen bey, denen ich Ihren Beyfall wünsche;[287]

sie könnten den guten Leuten vorgewiesen werden, ohne jedoch solche

bis zu abgeschlossenener Sache aus Handen zu geben. Ew. Wohlgeb. sind

selbst Autor und haben mit den Verlegern genugsamen Verkehr um zu

wissen was in dieser Sache recht und billig wäre.

An einen Contrakt für die Zukunft war vor funfzig Jahren nicht zu

denken und ich erinnere mich kaum jener frühern Verhandlungen, auch

möchte nach so vieler Zeit, nach den großen Veränderungen im Buchhandel

gegenwärtig dieses als ein ganz neues Geschäft anzusehen seyn. Haben

Sie die Güte die Betheiligten anzuhören und ihre Meynung zu vernehmen.

Es ist hier darum zu thun meine Zustimmung zur neuen Auflage zu

honoriren, die denn durch das beykommende Gedicht, welches auch seinen

Werth haben mag, deutlich ausgesprochen und vor dem Gesetz und dem

Publicum legitimirt wird. Haben Sie die Güte mir deshalb Vorschläge zu

thun in Bezug auf jene Erkundigungen nach eigenem Ermeßen und behalten

wie schon gesagt das Gedicht an sich, bis zum Abschluß, wie ich denn

auch alsdann wegen des Titels einiges zu bemerken wünsche.

Die herkömmlich gebundenen gehefteten und allenfalls rohen Exemplare

haben Sie die Gefälligkeit mir auszudingen.

Laßen Sie mich gestehen daß es etwas eigen Reitzendes für mich hat,

nach meinem neulichen, für sittlich und ästhetische Mittheilungen

dankbaren Briefe, diesen ökonomisch-rücksichtlichen sogleich abzulaßen.

Möge dies auch zu dem bestandenen guten Verhältniß noch einen

freundlichen Bezug hinzufügen.

Weimar d. 30 Aprl.

1824.

redlich

theilnehmend,

aufrichtig ergeben

Goethe

Fußnote:

[287] Werke ~II.~ S. 92 ff.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 199 / 214 题