Ew. Wohlgeb.
gefällige Mitwirkung in einer kleinen, obschon für mich nicht
unbedeutenden Angelegenheit mir zu erbitten, sehe ich mich in diesen
Tagen veranlaßt.
Die Weygandische Buchhandlung, welche zuerst meinen _Werther_ verlegt
und einige weitere Ausgaben, ich erinnere mich nicht wieviel, davon
veranstaltet hat, machte mich vor einiger Zeit mit der Absicht bekannt
eine nochmalige zu versuchen, wünschte meine Anerkennung und eine
Vorrede, wie sies nannten.
Gegen den neuen Abdruck war nichts einzuwenden, ob ich irgend einige
einleitende Worte finden könnte mußte ich einer günstigen Stimmung
überlassen.
Jetzt melden sie mir daß der Abdruck im Gange sey und nun von mir die
öffentliche Anerkennung durch irgend ein Vorwort nöthig werde, wie sie
denn das Honorar meinem billigen Ermessen anheim stellen.
Nun ist hier freylich kein großer Gewinn zu hoffen, doch möchte wohl
jedermann von Zeit zu Zeit sich oder den Seinigen einen billigen
Wunsch versagen zu dessen Befriedigung er sich ein zufälliges Mittel
wünscht. Sie sehen leicht daß es in diesem Falle unerfreulich wäre
direct zu handeln und vielleicht gar zu markten, darum ich dieselben
ersuche die Vermittlung über sich zu nehmen, wozu folgendes möge die
Einleitung seyn.
Ich lege funfzig Reimzeilen bey, denen ich Ihren Beyfall wünsche;[287]
sie könnten den guten Leuten vorgewiesen werden, ohne jedoch solche
bis zu abgeschlossenener Sache aus Handen zu geben. Ew. Wohlgeb. sind
selbst Autor und haben mit den Verlegern genugsamen Verkehr um zu
wissen was in dieser Sache recht und billig wäre.
An einen Contrakt für die Zukunft war vor funfzig Jahren nicht zu
denken und ich erinnere mich kaum jener frühern Verhandlungen, auch
möchte nach so vieler Zeit, nach den großen Veränderungen im Buchhandel
gegenwärtig dieses als ein ganz neues Geschäft anzusehen seyn. Haben
Sie die Güte die Betheiligten anzuhören und ihre Meynung zu vernehmen.
Es ist hier darum zu thun meine Zustimmung zur neuen Auflage zu
honoriren, die denn durch das beykommende Gedicht, welches auch seinen
Werth haben mag, deutlich ausgesprochen und vor dem Gesetz und dem
Publicum legitimirt wird. Haben Sie die Güte mir deshalb Vorschläge zu
thun in Bezug auf jene Erkundigungen nach eigenem Ermeßen und behalten
wie schon gesagt das Gedicht an sich, bis zum Abschluß, wie ich denn
auch alsdann wegen des Titels einiges zu bemerken wünsche.
Die herkömmlich gebundenen gehefteten und allenfalls rohen Exemplare
haben Sie die Gefälligkeit mir auszudingen.
Laßen Sie mich gestehen daß es etwas eigen Reitzendes für mich hat,
nach meinem neulichen, für sittlich und ästhetische Mittheilungen
dankbaren Briefe, diesen ökonomisch-rücksichtlichen sogleich abzulaßen.
Möge dies auch zu dem bestandenen guten Verhältniß noch einen
freundlichen Bezug hinzufügen.
Weimar d. 30 Aprl.
1824.
redlich
theilnehmend,
aufrichtig ergeben
Goethe
Fußnote:
[287] Werke ~II.~ S. 92 ff.