Die Blume

Im Vorwärtsschreiten fühlte Georg sich zu Eis geronnen vom Kopf zu den

Füßen. Übergroß schwebte sein Haupt in einer maßlosen Betäubtheit. Dann

brauste alles, und er bewegte sich in Strömen von Leidenschaft. -- Mich

hat sie geliebt! mich, mich, immer mich! sang er. Sie hat es nicht

gewußt, sie ist die selige Unschuld, aber nun hat sie es erkannt, an

einer Bewegung, einem Nichts, an meinem Ohr ... Sie kommt, ich werde

warten!

Dann stürzte es ihn haushoch hinunter. Und wenn es doch Einbildung war,

was er gesehn hatte? Bloße Einbildung? Diese Bewegung zu ihm? Weshalb

denn dies Unmaß von Angst und Schwindel und Ahnung? Nein, er hatte recht

gesehn! Alles war ein Irrtum gewesen, ein Irrtum, ein Irrtum! das ganze

Leben, alle Leiden, alles was je war, -- aber dies war Wahrheit, dies,

seine Liebe, ihre Liebe, die allmächtigen Toren, die sich im letzten

aller Augenblicke erkannten und weise wurden. Und er stand überm Land

wie ein Turm; die Glocke seines Herzens schwang wie ein großer Adler und

schrie: Ewig! Ewig!

Und das war es, das, was ihn hergeführt hatte: sie sollte er hier

finden, deshalb hatte Bogner ihn mittags gebeten, deshalb hat es ihn

hergetrieben, zu ihr, zu ihr, die alles lösen würde, alles, all seine

Not, alle Schuld, alles!

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 234 / 240 题