So blieben denn zwei Möglichkeiten über.
Die erste wäre: Ich glaube. Das heißt: Ich bin überzeugt und ich halte
für wahr, nicht mit meiner Vernunft, sondern mit meinem Ganzen, meinem
vollen und ungeteilten Wesen, das immer einig waltet, welche Eigenschaft
daran auch in diesem und jenem Augenblick die führende oder
erschließende sein möge: halte für wahr mit aller Kraft meines Herzens
und meines Geistes -- Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer aller
Kreaturen. _Credo quia_ -- oder wie Strindberg sagt: _etsi -- absurdum_.
Auf solch einen Gott vertrauen, das heißt einer Vollkommenheit gewiß
sein, ob sie auch über alle Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung und
Erkenntnisse hinausgeht; trotzdem ihrer gewiß sein und also für die
Unvollkommenheit, die wahrnehmbar ist, für das Böse oder das Leiden die
Hoffnung hegen voller Vertrauen, daß auch sie ihren Sinn habe nach dem
Willen des höheren Wesens, und daß sie diesen Sinn irgendeinmal
offenbaren, sich auflösen wird und nur noch Vollkommenheit sein. Und die
zweite Möglichkeit wäre, dies nicht zu glauben. Es ist kein Gott, keine
Vollkommenheit; es ist nur Unvollkommenheit, nur Leiden; dazu die Kraft,
dieses immerhin einzusehn, die Kraft, sich hineinzufinden.
Danach bliebe mein Wesen auf diese Erde beschränkt, das will sagen auf
die Menschheit. Die Fähigkeit, mich selber und meinesgleichen zu
ertragen, die mir dort aus meiner Gottgläubigkeit wuchs, muß nun aus mir
selbst und aus der menschlichen Gemeinschaft erwachsen. An die Stelle
des Glaubens träte das Sittengesetz.
Und wiederum zwei Möglichkeiten dahier.
Die eine, die für den Einzelnen, die Einsicht Habenden, sich nicht
verloren geben Wollenden, der sich kräftig genug fühlt, gottlos, will
sagen heillos zu leben. Für ihn die Worte: Geduld! und: Vertrauen! --
Vertrauen auf den dunklen Drang, einen rechten Weg zu gehn, auf eine
untrügliche Liebe zum Wahren und Guten, eine Kraft, von Augenblick zu
Augenblick hintastend zu gehn; auf das Nächste allein immer gerichtet,
das Ferne nicht zu verfehlen; eine innere Sicherheit, eine Kraft, die
denn Langmut verleiht, Geduld zu haben mit den Menschen, wie man sie mit
sich selber hat. Tröstlich auf solch einen Weg möge dann das schönste
Wort leuchten, das ich fand:
>Wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal
Geduld bringt. Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt
Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden.<
Da keine Vollkommenheit ist, so ist auch keine gänzliche Errettung zu
denken. Aber von Augenblicke zu Augenblick führt der Weg der
Geduldigkeit, und es glänzt uns der Stern der Hoffnung, daß wir nicht
gänzlich zuschanden werden. (Römer 5, V. 3-5.)
Dieses mein Weg, und dies mein Stern. Ich will es versuchen.