VII

(Vielleicht ist der Fehler dies: Von der ganzen Menschheit ist weitaus

die größte Mehrzahl mit sich, mit dem Leben, mit der Welt, selbst mit

dem Leiden darin zufrieden. Vergeßlich beschaffen, würden sie ein

andres, besser genanntes Leben, so mans ihnen verschaffte, annehmen,

aber aus sich heraus wollen sie kein andres.

Eine kleine Zahl von dem Rest hat zwar eingesehn, daß sie nicht

zufrieden sein darf mit dem, was sie hat, und daß alles anders sein

sollte. Wie sie aber beschaffen sind, vermögen sie sich von der

zeitlichen Grundlage, auf der sie stehn, nicht zu entfernen; sie sehen

nicht ein >Alles<, sehen kein Ausdemgrunde, das zu ändern wäre, sondern

nur ein Vieles, und jeder ein Andres, und der Eine meint dieses, der

Andre das, welches geändert werden und welches geändert auch alles

Übrige umwandeln müßte, -- und der Erfolg ist nur Hader. Ganz wenige

sind, die das >Alles< erkannten und die volle Unmöglichkeit dieses

Lebens, in das wir Alle verstrickt sind.

Diese stehen einsam in der Verstrickung, wissen weder sich selbst noch

den Andern zu helfen, und wenn der Eine sich begnügt, ein System zu

entwerfen: wie es eigentlich sein sollte, so hat der Andre nichts als

den heiseren Nachtschrei zu Gott.)

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 224 / 240 题