Wie nun aber? Der Mensch, wie wir ihn sehn, ist nicht geduldig geraten;
in zwei Jahrtausenden seit jener Lehre ist er nicht geduldig, ist er
vielmehr ungeduldig geworden, so daß ihm immer das Licht unter den
Nägeln brennt, so daß er nur schreien kann: Auge um Auge!
Und gesetzt also, es träte einer auf, der hätte die heilsame Panazee,
und die ganze Menschheit strömte zu ihm und ließe sich impfen mit
Geduld: würde sie -- wie sie einmal beschaffen ist! --, würde sie heil
werden und gut?
Nein, sondern die Lymphe würde sich, >wie sie einmal beschaffen ist!< in
ihr in Gift verwandeln, und die unaufhörlich zerdrückte, verschluckte,
verbissene Ungeduld würde sie so zersetzen, daß sie am Ende zerreißen
müßte.
Sie kann -- entfernen wir jenen _deus ex machina_ wieder --, sie kann,
wie sie einmal beschaffen ist, nicht zur Geduld kommen. In allem ist sie
auf einer immer geschwinderen Jagd; weniger heute als jemals kann sie
einhalten. Geduldig sein heißt zurücktreten; geduldig denken heißt
zurückdenken: sie kann immer nur vorwärts.
Dies alles aber, warum ist es denn so, und was ist der Fehler am Grunde?